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Nutzen Sie Twitter als Führungsinstrument, Herr Generalinspekteur?

Interview mit General Eberhard Zorn zum Thema „Führen“. Weitere Fragen und Antworten finden Sie im Kompass. Soldat in Welt und Kirche (Ausgabe 02/2021).

Die Fragen stellten Norbert Stäblein und Friederike Frücht.

Glauben Sie, dass es Unterschiede zwischen dem Führungsstil von Männern und Frauen gibt?

General Zorn: Vor kurzem habe ich unserem Führungsnachwuchs geraten: Seien sie authentisch in ihrem Auftreten. Authentizität, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit erwarte ich als Allererstes. Darüber hinaus lege ich viel Wert auf gute Kommunikation. Das gilt, wenn Sie so fragen, für Frauen und Männer gleichermaßen. Faktoren wie Vertrauen, Führen mit Auftrag und der Verzicht auf Mikromanagement sind wesentlich für gute Führung. Hinzu kommen fachliche und personale Kompetenz. Nur beides verhilft ihnen zu Autorität.

Wenn ihnen eines fehlt, stehen sie unsicher auf einem Bein. Insofern sehe ich hier keine Unterschiede im Verhalten der Geschlechter. Abgesehen von diesen Grundsätzen kann man fragen: Was machen Frauen anders? Ich erlebe, dass Frauen teilweise ganzheitlicher kommunizieren können. Ich erlebe, dass bei ihnen neben dem Verständnis für rein Berufsspezifisches stärker auch Aspekte aus dem sozialen Umfeld eine Rolle im Führungsverhalten spielen. Das beschreibt meine Erlebnisse, ob es statistisch belegbar ist, weiß ich nicht. Man behauptet ja manchmal stramm: „Frauen führen anders“. Ich kann Ihnen sagen, dass sich unsere Soldatinnen herausragend bewähren und sich auch nicht scheuen, harte Entscheidungen zu treffen. Für moderne Streitkräfte ist es wichtig, dass auch Frauen an den entscheidenden Stellen sitzen. Wir haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon einiges bei der Integration von Frauen erreicht. Es gilt nun, diesen Weg konsequent weiter zu verfolgen.

Weitere Fragen und Antworten von Generalinspekteur Eberhard Zorn finden Sie im Kompass. Soldat in Welt und Kirche, Ausgabe 02/2021.

Hand aufs Herz: Es macht also auch Spaß, in den Verteidigungausschuss zu gehen und zu wissen, man muss über bestimmte Dinge reden, obwohl man eigentlich weiß: Die armen Politiker wissen eigentlich gar nicht so genau, wonach sie fragen sollen?

General Zorn: Ganz ehrlich: Unsere Politikerinnen und Politiker stellen kluge und durchdachte Fragen. Die resultieren aus ihrem eigenen Erleben oder folgen der Linie ihrer Partei. Wir Soldaten müssen entsprechende Antworten anbieten, mit denen unsere Mandatsträger in der Lage sind, militärische Sachverhalte oder Notwendigkeiten ihren Wählern zu erklären oder dafür in ihrer eignen Partei zu werben. Ich stelle immer wieder fest, dass wir dort mit unserem klassischen Militärdeutsch nicht weiterkommen. Wir müssen die Übersetzungsleistung erbringen, damit unsere Bürgerinnen und Bürger auch verstehen: Wofür brauchen wir die Bundeswehr, wofür könnten und sollten wir sie einsetzen? Was passiert gerade sicherheitspolitisch um uns herum? Wie ist eigentlich die Bedrohungslage? Das ist eine wesentliche Aufgabe, die wir im Ausschuss, aber teilweise auch im Umgang mit den Medien oder bei Diskussionsveranstaltungen erfüllen müssen. Wir müssen noch mehr erklären, mit einfachen Worten, ohne unseren militärischen Fachjargon, damit wir überall Verständnis für das wecken, was wir im Auftrag des Parlaments tun.

Sie stehen gerade in Einsätzen immer als Offizier in der Öffentlichkeit: vor Soldatinnen und Soldaten, in der medialen Umwelt und jetzt auch im politischen Sektor. Da Sie auch auf Social Media und in der Bundeswehr-Online-Welt unterwegs sind: Wie reagieren Sie eigentlich auf Kommentare zu Ihrer Führung oder zu Ihren Entscheidungen? Wie gehen Sie damit um?

General Zorn: Das ist ganz unterschiedlich. Meine Devise ist: Erst mal einen breiten Buckel machen und eine Nacht drüber schlafen (lacht). Das ist der Klassiker. Intern im Büro rege ich mich auch mal spontan über bestimmte Kommentare auf, aber das führt bei mir nicht zu Ad-hoc-Reaktionen – und auch nicht zu Magengeschwüren.

Wenn es Journalisten sind, die sich vielleicht in einer Kolumne kritisch äußern, spreche ich das gerne im Nachgang persönlich an und erläutere meine Sicht der Dinge. Auf Social Media rutschen die Kommentare vereinzelt auch unter die Gürtellinie, das kommentiere ich generell nicht. Überwiegend ist es aber so, dass über Beiträge Dritter ein Diskurs entsteht, den ich ja sicherheitspolitisch auch anregen möchte. Entscheidend ist für mich, dass wir Kommentare ernst nehmen, diese in unserem Medien-Team diskutieren und unsere Kommunikation entsprechend daran ausrichten. Die Antwort auf Kommentare kann ich aber nicht in allen Fällen selbst geben.

Oder Sie übertragen die Verantwortung an Ihren Pressesprecher und der müsste sich austauschen (lacht).

General Zorn: Ja, der lacht jetzt gerade fröhlich vor sich hin. Nein, also im Ernst: In der gesamten Medienarbeit und natürlich auch bei Social Media habe ich ja ein Team, das mich unterstützt.

Insbesondere auf Twitter. Benutzen Sie Twitter als ein Führungsmittel?

General Zorn: (lacht) Nein, es ist für mich eher ein zusätzliches Mittel der Kommunikation und Information. Twitter ermöglicht mir, interessierte Menschen an meinem Alltag als Generalinspekteur teilhaben zu lassen. Dieses Medium schafft erweiterte Transparenz. Bei Twitter sind meine Tweets öffentlich sichtbar – unabhängig ob für Bundeswehrangehörige oder externe Follower. Als Führungsmittel nutze ich dieses Medium allerdings nicht. Beim Führen von Menschen geht es darum, einen bestimmten Adressatenkreis anzusprechen. Hier setze ich auf die direkte Kommunikation, also auf Gespräch und Diskussion. Vorrangig nutze ich Befehle und Weisungen, die durch die nächste Führungsebene umzusetzen sind.

An die Truppe adressiere ich von Zeit zu Zeit Tagesbefehle, oder ich wende mich mit Briefen an die Dienststellenleiterinnen und -leiter. Je nachdem, welche Zielgruppe ich erreichen möchte, nutze ich unterschiedliche Führungsmittel. Während der Corona-Pandemie ist das immer häufiger die Videokonferenz.

Zur Person

General Eberhard Zorn ist der 16. Generalinspekteur der Bundeswehr. Am 19. April 2018 wurde er von Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen beauftragt. Der Generalinspekteur der Bundeswehr ist der ranghöchste Soldat und Vorgesetzer aller Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr.



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