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Afghanen mit Taliban nicht alleine lassen

Kommentar zur Diskussion um das Ende des Afghanistan-Einsatzes von Omid Nouripour, MdB

Seit nun fast zwei Jahrzehnten ist die Bundeswehr in Afghanistan. Bedenkt man die Verluste an Menschenleben, die aufgewendeten Mittel und das derzeitig hohe Gewaltniveau im Land, stellt sich die Frage nach dem Sinn des Einsatzes. Hinzu kommt die unklare Kommunikation der Politik über die Einsatzziele. Am Anfang ging es um den Kampf gegen den internationalen und dschihadistischen Terrorismus der Al-Qaida und der Taliban. Schon bald wurden der Brunnenbau und die Mädchenschulen in den Mittelpunkt geschoben, später war es die regionale Sicherheit.

Kein Staat

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich Jahr für Jahr im Hauptquartier der internationalen Streitkräfte in Kabul mehr oder minder dieselbe PowerPoint-Präsentation gezeigt bekam. Der einzig relevante Unterschied war die Überschrift: Aus “Victory” wurde “Success”, daraus wiederum “Progress” und am Ende stand nur noch der “Exit” im Fokus der Darstellung.

Hinzu kamen die zahlreichen Rückschläge im Militärischen, aber noch weit mehr im Staatsaufbau: die Regierungsführung in der ländlichen Peripherie ist weiterhin teilweise inexistent, die Korruption grassiert, die Wirtschaft liegt am Boden, der Präsident, die Politik und die Warlords liefern bei den selbstverständlichsten Aufgaben schlicht gar nicht. Zudem wütet die Pandemie. Und wenn die Regierung eine Autorität hatte, dann hat die Trump-Administration diese mit ihren direkten Verhandlungen mit den Taliban ignorant untergraben.

Wer denkt an die Menschen?

Nun haben die USA ihre Truppenpräsenz am Hindukusch deutlich reduziert. Sie haben sich sogar zu einem kompletten Abzug verpflichtet, wenn die Taliban keine Angriffe mehr auf amerikanische Streitkräfte fahren oder unterstützen. Was allerdings bei dieser Vereinbarung völlig vergessen wurde, waren die Belange der Menschen in Afghanistan.

Afghanistan: Ein guter Grund, Sicherheit neu zu denken

... findet Christine Hoffmann. Die Generalsekretärin der deutschen Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi begrüßt den geplanten Truppenabzug aus Afghanistan. Doch Freude komme dabei keine auf. Ihr Kommentar im Kompass. Soldat in Welt und Kirche (Ausgabe 02/2021, Seite 20).

Die Zivilgesellschaft im Land - Frauenrechtlerinnen, Studierende, Umwelt-NGOs, Friedensbewegte, Wissenschaftlerinnen, Journalisten - bitten uns seit Monaten, sie mit den Taliban nicht allein zu lassen. Das ist nicht in erster Linie eine Frage der weiteren Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan, sondern eine Frage unseres Interesses. Die Taliban haben stets daraufgesetzt, unsere Geduld aufzubrauchen, damit wir uns von ihrer Menschenverachtenden Ideologie abwenden, solange sie uns nicht gefährlich wird.

In den letzten zwei Dekaden ist in Afghanistan bei weitem nicht erreicht worden, was hätte erreicht werden können und müssen. Aber es gab Fortschritte für die Menschen in allen Lebensbereichen. Die Afghanen und vor allem die Afghaninnen in den Mittelpunkt unseres Wirkens zu stellen und unsere Truppen-Aufwuchs oder -Abzugspläne mit ihnen abzustimmen, anstatt sie nach unseren eigenen Wahlterminen zu bestimmen, ist kein moralischer Akt allein. Die Anerkennung, dass Afghanistan ihr Land ist und nicht ein reiner Fleck Geostrategie auf unserer Landkarte wäre ein großer Schritt für die Sicherheit am Hindukusch. Und das wäre gut für uns, aber auch für die Not leidende Bevölkerung Afghanistans. Unabhängig von Entscheidungen des Weißen Hauses.

Zur Person

Omid Nouripour, MdB, ist außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen. Er ist Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und im Verteidigungsausschuss.



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