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Drei Wehrbeauftragte, vier Minister und ein Bischof

Seit zehn Jahren ist Franz-Josef Overbeck Katholischer Militärbischof

Berlin, 24. Februar 2021. Franz-Josef Overbeck ist für die Seelsorge an den katholischen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr verantwortlich. Seit Papst Benedikt XVI. ihn vor zehn Jahren, am 24. Februar 2011, zum Katholischen Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr berief, ist einiges passiert.
Eine Auswahl herausragender Ereignisse aus Politik und Kirche der letzten zehn Jahre.

Aussetzung der Wehrpflicht 

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit als Katholischer Militärbischof wirkt sich eine weitreichende politische Entscheidung auf die Bundeswehr und auf die Militärseelsorge aus. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht am 1. Juli 2011 gibt es keine Wehrpflichtigen mehr in der Bundeswehr. Militärseelsorger:innen gestalten ihre Angebote nun häufiger nach den Bedürfnissen von Soldat:innen auf Zeit, Berufssoldat:innen und Freiwillig Wehrdienst Leistenden (FWDL).

Besuche im Auslandseinsatz

Aktuell beteiligt sich die Bundeswehr mit 3.000 Soldat:innen an zwölf internationalen Einsätzen. 
Kurze Zeit nach Amtsantritt reiste Militärbischof Overbeck nach Afghanistan (2011). Im Jahr 2013 besuchte er die Soldatinnen und Soldaten bei KFOR (Kosovo, Prizren) und erneut in Afghanistan. Es folgten Besuche im UNIFIL-Einsatz (Zypern/Libanon, 2016) und bei der NATO-Battlegroup Lithuania (Litauen, Rukla, 2018) sowie im Irak (Erbil, 2019).

Kommen und Gehen in Politik, Bundeswehr und Kirche

Seit der Ernennung von Franz-Josef Overbeck zum Katholischen Militärbischof vor zehn Jahren gab es eine Bundeskanzlerin, vier Verteidigungsminister:innen, zwei Generalinspekteure der Bundeswehr, drei Bundespräsidenten, drei Wehrbeauftragte, zwei Päpste, drei Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, zwei Militärgeneralvikare und drei Evangelische Militärbischöfe.

Lourdes

Fragt man einen Katholischen Militärbischof, was ihm im Verlauf des Jahres „Spaß“ macht, dann wird er mit großer Wahrscheinlichkeit „Lourdes“ erwähnen. Bis auf das Jahr 2020 (Corona-Pandemie) hat Militärbischof Overbeck in jedem Jahr seiner Amtszeit an der Internationalen Soldatenwallfahrt in Lourdes teilgenommen. Insgesamt neun Mal hat er hunderte Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr an den französischen Wallfahrtsort begleitet. Die gemeinsamen Gottesdienste im Zeltlager, Gebete, Treffen am Abend und Konzerte bleiben unvergesslich.

Trauer um getötete Soldaten

Von 2011 bis 2020 gab es 84 Todesfälle in der Bundeswehr. Darunter sind gefallene und verunglückte Soldaten. Das gemeinsame Gebet für die Toten und die Angehörigen hilft zu trauern. Und so können Gedenkgottesdienste wie 2018 in Rukla mit Militärbischof Overbeck die Angehörigen und die Kameradinnen und Kameraden trösten. Wenn es wie in Rukla möglich ist, hinterlässt Militärbischof Overbeck in einem Gottesdienst oder in einem Kondolenzbuch Worte des Trostes.

Weißbuch und Traditionserlass

Im Weißbuch 2016 verkündete die Bundesregierung unter anderem, dass sie sich verstärkt für Rüstungskontrolle und die Verhinderung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen einsetzen will. Ebenso wichtig ist für die Katholische Militärseelsorge, dass die Bedeutung der Inneren Führung als Fundament der Bundeswehr im Weißbuch hervorgehoben wird.

Am 28. März 2018 unterzeichnete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den neuen Traditionserlass der Bundeswehr. Für Militärbischof Overbeck zeigt sich darin die Chance, aus der Vergangenheit zu lernen, wie er im Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) sagte:

„Die Bundeswehr weiß, dass sie in einer Tradition steht, die in vielfacher Weise hochbelastet ist. Zu dieser Tradition gehören aber auch jene in der Deutschen Wehrmacht, die aufgrund ihres Gewissens klare Entscheidungen getroffen und sich am Widerstand gegen das NS-Gewaltregime beteiligt haben. Keiner kann ohne Vergangenheit leben. So muss auch jeder zu den Brüchen dieser Vergangenheit stehen, um aus ihnen zu lernen.“

Franz-Josef Overbeck, Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA)

Buch: Konstruktive Konfliktkultur

Keine Konflikte zu haben, ist keine Lösung, findet Militärbischof Franz-Josef Overbeck. Im Gegenteil. Bisher haben Ideologien, die homogene, konfliktfreie Gesellschaften zum Ziel hatten, Diktaturen hervorgebracht, die sich schließlich gegen Menschen richteten, die nicht in das Ideal passten. 
In seinem 2019 erschienenen Buch „Konstruktive Konfliktkultur. Friedensethische Standortbestimmung des Katholischen Militärbischofs für die Deutsche Bundeswehr“ wirbt Franz-Josef Overbeck für die Einbeziehung von Konflikten in unseren Alltag und für einen konstruktiven Umgang:

„Es kommt darauf an, unsere ganze Kreativität, unser kritisches Denkpotenzial, die Mittel von Politik und Zivilgesellschaft in den Dienst der Aufgabe zu stellen, Konflikte konstruktiv und möglichst wenig destruktiv zu gestalten. Demnach sollte das Leitbild einer friedensorientierten Politik nicht ein gänzlich konfliktfreies Miteinander sein. Vielmehr sollte im Fokus stehen zu lernen, mit Konflikten lösungsorientiert und tolerant umzugehen, sich also das konstruktiv-positive Potenzial von Konflikten zunutze zu machen.“

Franz-Josef Overbeck

Jüdische Militärseelsorge

Über sechs Jahrzehnte nach der Gründung der Bundeswehr und dem Aufbau der Katholischen und Evangelischen Militärseelsorge gibt es nun eine Jüdische Militärseelsorge für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Am 20. Dezember 2019 haben Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, einen Staatsvertrag zur Einrichtung der Jüdischen Militärseelsorge unterzeichnet.