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Black Power an der Krippe

Nicht nur bei der Bundeswehr gibt`s Diversität

Von Thomas R. Elßner

Anscheinend längst vorbei ist das Motto „black is beautiful“. Selbst in den weihnachtlich liebevoll aufgestellten Krippen ist die Black Power in Gefahr, zum Erliegen zu kommen. Was ist geschehen?  Die Katholische Nachrichtenagentur meldete am 3. Dezember 2020, einen Tag vor dem Gedenken an die Heilige Barbara, dass die evangelische Münstergemeinde in Ulm, die Heiligen Drei Könige aus der Krippe entfernen will, da die dort genutzte Figur des Melchior „aus heutiger Sicht eindeutig als rassistisch anzusehen“ sei. Sicherlich wird der weitaus überwiegende Teil der Menschen in Deutschland noch nicht persönlich die Krippenfiguren der Heiligen Drei Könige in der evangelischen Münstergemeinde zu Ulm in Augenschein genommen haben, aber ungeachtet dessen lässt sich vielleicht einmal ganz nüchtern folgender biblischer Befund zur Kenntnis nehmen, bevor man erneut mit einer Bilderstürmerei beginnt und der Schwarze dabei (wieder einmal) das Nachsehen hat.

Vom Magier zum König

Der Bezugspunkt im Neuen Testament für die in der Volksfrömmigkeit sogenannten Heiligen Drei Könige findet sich nur im Matthäusevangelium, und zwar Mt 2,1-16. Sieht man einmal genauer in den Text, hierzu reicht schon eine gängige deutsche Übersetzung, ist zu erkennen, dass bei Matthäus weder von Heiligen noch von Königen noch von irgendeiner Drei die Rede ist. Wovon wird dann gesprochen. Im griechischen Text werden ausschließlich Magier (Plural) genannt (VV 1.7.16a), und zwar vorerst ohne bestimmten Artikel (die Magier) und ohne Zahlenangabe im Sinne, wie viele es waren. Es können durchaus zwei oder drei oder vier oder zehn gewesen sein. Das bleibt letztlich offen. Wie lässt sich aber der Begriff Magier angemessen ins Deutsche übersetzen? Die Einheitsübersetzung von 1980 gibt als Erklärung an, dass es sich bei den Magiern um „Mitglieder einer persischen Priesterkaste“ handle, die sich u. a. „mit Sternkunde und Astrologie befassten“ und schließlich „oft als Berater von Königen, Fürsten und reichen Leuten“ wirkten. Kurzum, Magier können Königsberater sein; Könige selbst sind sie nicht. In der Apostelgeschichte 13,6.8 wird dann im Singular der Begriff Magier  zwar noch einmal verwendet, aber eher in der Bedeutung von „Zauberer“. Das kann man exegetisch so stehen lassen. 

Und siehe, es waren drei

Wie ist es nun zu der Zahl Drei gekommen? Ganz simpel. Während der kniefälligen Huldigung (Proskynese) gegenüber dem neugeborenen Kind und seiner Mutter (V 11) – vom Vater ist nirgends die Rede – holen die Magier drei Geschenke hervor, und zwar Gold, Weihrauch (weißes Harz) und Myrrhe. Wer welche Gaben mit- und dargebracht hat, wird im Text ebenso wenig verraten. Später hat die Volksfrömmigkeit diese drei Geschenke auf jeweils einen Magier aufgeteilt und siehe, plötzlich waren es drei Magier. 

Auf die Hautfarbe kommt es an

Und wie ist es zu den Hautfarben schließlich gekommen? Sieht man sich in klassischen Weihnachtskrippen die Gesichter und Hände der drei hernach als Könige gewandeten Magier an, so erkennt man zudem auch einen Altersunterschied. Der weiße König hat ein altes, der asiatisch aussehende König hat ein jüngeres und der schwarze König hat ein junges Gesicht. Die Deutung ist hierbei folgende: Der weiße König steht für das „alte Europa“, der asiatische aussehende König für das aus europäisch-missionarischer Sicht etwas jüngere Asien und der schwarze König für den scheinbar jungen Kontinent Afrika. Die Aussage ist die, dass alle drei zurzeit Jesu bekannten Kontinente dem neugeborenen König der Welt huldigen, und zwar Europa, Asien und Afrika. Entfernt man nun den schwarzen König aus der Krippe, so verweigert man dem afrikanischen Kontinent einen Platz an der Krippe. Ist das wirklich gewollt und letztlich nicht rassistisch? Wo bleibt hier die Black Power?