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Advent, Advent

Wie Soldaten die Zeit vor Weihnachten feiern

Von Barbara Dreiling


Plätzchen, Schokonikoläuse, Weihnachtsmärkte, Tannengrün und Weihnachtslieder – ist doch klar. Eigentlich. Ein wenig anders machen es die Soldatinnen und Soldaten bei der Militärseelsorge.

Martin Diewald, der katholische Militärseelsorger aus Erfurt, hat die Erfurter Soldaten zum Adventsgottesdienst eingeladen. Die Sonne leuchtet durch die bunten Glasfenster und wirft ein Farbenspiel an die weiße Decke. Die Kerzen brennen in der Kapelle des Priesterseminars und 40 Soldatinnen, Soldaten und Zivilangestellte aus der Henne-Kaserne in Erfurt haben auf den Kirchenbänken Platz genommen.

Warten. Worauf?

Zu Beginn des Gottesdienstes zündet Martin Diewald für alle sichtbar die erste Kerze am Adventskranz an. Er sagt, der Advent sei eine „Zeit des Wartens“. Worauf? „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“ – singen sie gemeinsam im ersten Lied. „Der Heil und Leben mit sich bringt“, geht das Adventslied aus dem 17. Jahrhundert weiter. Ein Hymnus auf Jesus Christus, dessen Geburt zu Weihnachten gefeiert wird.


Frieden und Gerechtigkeit

Der Adventskranz verdeutlicht, um was es geht, wenn an jedem Adventssonntag eine Kerze mehr entzündet wird. Die Sehnsucht nach dem Erlöser ist beim jüdischen Propheten Jesaja am eindrücklichsten beschrieben. Jesaja lebte im 8. Jahrhundert vor Christus und hatte eine Friedensvision für sein Volk und für alle Menschen. Unter dem von Gott gesandten Erlöser sollen Recht und Gerechtigkeit aufblühen (vgl. Jes 32,16-17), auch die Armen erhalten, was sie zum Leben brauchen. Sinnlose Kriege sollen ein Ende haben, wenn Völker aus ihren Schwertern Pflugscharen schmieden (vgl. Jes 2,4).

Worte und Taten

Diese Visionen scheinen immer noch aktuell. Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr feierte mit den Soldaten den Adventsgottesdienst und erinnerte in seiner Predigt daran, dass der Advent auch dazu da sei, die Mitmenschen in den Blick zu nehmen: „Jesus hat uns den Nächsten ans Herz gelegt.“ Alle sollen „mitbauen an einer Zivilisation der Gerechtigkeit und des Friedens“, was die Soldaten mit ihrem Beruf auch täten. Der Gottesdienst sollte uns schließlich motivieren, dem Glauben auch Taten folgen zu lassen, so der Bischof.

Abschalten

„Das ist ein sehr guter Ort für eine vorweihnachtliche Einstimmung“, fand Stabsfeldwebel Mario Griebek im Anschluss an den Gottesdienst. Auch für Stabshauptmann Sven Wenzel war der Gottesdienst eine Unterbrechung des Alltags: „Ich nehme mir die Zeit, um wirklich aus der Routine rauszukommen. Der Gottesdienst, die Militärseelsorge bieten die Möglichkeit, mal abzuschalten.“ Auch im Einsatz hat er das schon erlebt und war – wie er sagte – wenn möglich in jedem Gottesdienst.

Jemand, der zuhört

Für viele Soldaten wird die Militärseelsorge im Auslandseinsatz besonders wichtig, auch wenn sie sich selbst nicht als religiös bezeichnen würden, wie Oberstleutnant Frank Richter: „Viele brauchen da jemanden, der zuhört, da ist der Pfarrer die beste Gelegenheit“, findet er. Deshalb habe er sich bei seinen Auslandsverwendungen in Fayzabad (Afghanistan) oder später in Rukla (Litauen) dafür eingesetzt, dass Gottesdiensträume sowohl für die Soldaten als auch für die örtliche Bevölkerung gebaut werden konnten, erzählt er beim Frühstück.

Es ist eben nicht nur der Adventsgottesdienst, der den Teilnehmern wichtig ist, sondern auch die anschließende Gemeinschaft beim Frühstück. Daran nimmt Bischof Neymeyr teil und kommt mit den Soldatinnen und Soldaten ins Gespräch. Am Ende bitten sie ihn um ein Autogramm in ihren Soldatengesangbüchern. Und seine Segenswünsche werden sie vielleicht auch im Dienstalltag begleiten. Viele von ihnen werden zum nächsten Standortgottesdienst wiederkommen, wie sie es gewohnt sind, um einen Moment „abzuschalten“.

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