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Wort des Bischofs 2017 als gedruckte Broschüre © KS / Doreen Bierdel
Wort des Bischofs 2017 als gedruckte Broschüre © KS / Doreen Bierdel

Wort des Bischofs 2017

Auch zur diesjährigen Gesamtkonferenz nutzte Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck die Gelegenheit, um das „Wort des Bischofs“, das er seit 2014 im jährlichen Abstand veröffentlicht, in Erinnerung zu rufen. Er tat dies in diesem Jahr bereits bei der zurückliegenden „Woche der Begegnung“, die Mitte September in Berlin stattfand.

 

 

In Bezug auf das Ethos des soldatischen Dienstes rückte Bischof Overbeck den Dienst des Soldaten und – mit Blick auf die Innere Führung – die seiner Meinung nach bestimmenden Gesichtspunkte „Gewissen“, „Vertrauen“ und „Tradition“ in den Mittelpunkt. Nach Auffassung des Militärbischofs bildet dabei das Gewissen „die Mitte der Existenz des Menschen als Person, das über die grundlegende Übereinstimmung des Menschen mit sich selbst wacht.“ Weiter fügte er hinzu: „Darum ist für uns Christen das Gewissen eine über das Moralische hinausgehende Instanz und hat eine Bedeutung, die sich auf die Begegnung zwischen Mensch und Gott bezieht.“ Dabei zählt es mit zu den Aufgaben der Seelsorge unter den Soldaten, zur Gewissensbildung zu befähigen, um im Gewissen fundierte Entscheidungen treffen zu können. Dies gilt gerade für Entscheidungen im soldatischen Dienst. Militärbischof Overbeck weiter: „Für den Soldaten gilt hier, wie für alle anderen auch, das positive Recht auf Gewissensfreiheit, die zu garantieren ist. Dabei ist durchaus im Blick zu behalten, dass sich jeder Mensch auch täuschen kann, aber trotzdem verpflichtet bleibt, seinem, möglicherweise irrenden, Gewissen zu folgen.“

Mit Blick auf die Bedeutung des Vertrauens in den zwischenmenschlichen Bezügen formulierte der Bischof deutlich: „Vertrauen ist alles andere als ein unbegrenzt verfügbares, sich stets von selbst erneuerndes Gut. Es zu verlieren, geht schnell. Neues zu schaffen, dauert lange, besonders dann, wenn es nicht nur leichtfertig verspielt, sondern womöglich mutwillig und systematisch zerstört wurde. Es wächst auch nicht einfach von allein.“
   
Die Bundesministerin der Verteidigung initiierte den Prozess, die seit 1982 gültigen „Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr“ zu überarbeiten. Dies ist mit ein Grund, warum im „Wort des Bischofs“ einige deutliche Bemerkungen zu einer recht verstandenen Traditionspflege zum Ausdruck kamen: „Echte Tradition scheut sich gerade darum nie vor einem Reinigungsprozess, damit das Vertrauen in den Gewinn der Erfahrungen und der Wissenszuwächse aus der Vergangenheit gestärkt wird und zugleich kritisch der Gegenwart gegenübersteht.“ Und mit Blick auf den Dienst der Soldaten schloss Militärbischof Overbeck mit der Feststellung: „Zur wichtigsten Tradition der Soldatinnen und Soldaten gehört es, auf die Erhaltung und Förderung des Friedens in Freiheit als Grundlage ihres soldatischen Selbstverständnisses unbedingt verpflichtet zu sein.“

Josef König