Besondere Spenden – Blut, Stammzellen, Organe
Bei Spende denken die meisten sicher zunächst an Geld oder Gegenstände, die man recht einfach hergeben oder verschenken kann. In diesem Beitrag fassen wir den Begriff viel weiter, nämlich dort, wo es um den eigenen Körper geht. Am ehesten ist auch im zivilen Leben die Blutspende bekannt – kann doch jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 70 Jahren etwas von seinem „Lebenssaft“ abgeben: Männer sechsmal und Frauen viermal pro Jahr als Vollblutspende. Aber nur etwa 3 % der Deutschen tun dies gelegentlich bzw. sogar regelmäßig.
Blut ist ein „besonderer Saft“
Innerhalb der Bundeswehr liegt der Prozentsatz deutlich höher – einerseits, weil die Zielgruppe von Alter und körperlicher Fitness her oft passt, andererseits fördert der Arbeitgeber die Spendenbereitschaft und macht es (meistens) den Soldaten und Zivilangestellten recht leicht, sich mit kurzen Wegen während der Dienstzeit so für die Gesellschaft zu engagieren. Schon früher blieb natürlich das „Ergebnis“ – Vollblut in Plastikbeuteln, aber auch Blutplasma u. Ä. – nicht in den Kasernen und Bundeswehr-Krankenhäusern, sondern wurde an die Stellen der zivilen Gesundheitsversorgung abgegeben. Aber seit die Armee diese wie auch andere Aufgaben abgegeben hat, fließt die rote Flüssigkeit nun in Kooperation mit den DRK-/BRK-Blutspendediensten (Deutsches / Bayerisches Rotes Kreuz) bundesweit überall dorthin, wo es am dringendsten gebraucht wird. Dies geschieht nach dem Regionalprinzip: Die in einer Region entnommenen Blutspenden stehen nach Testung und Aufbereitung als fertige Blutpräparate den Kliniken in dieser Region zur Verfügung.
Vor Ort in einer Kaserne
So stehen Mitte November wie zuvor schon dreimal in diesem Jahr zwei Spezial-LKW des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost vor der Sporthalle der von-Hardenberg-Kaserne in Strausberg, östlich von Berlin. Schon Monate im Voraus hatte Kasernenfeldwebel Thomas Kohl mit Melanie Sahr vom Rot-Kreuz-Organisationsteam diesen Termin vereinbart, die Sporthalle für einen Tag sperren und herrichten lassen sowie die Werbung dafür und sämtliche Aufgaben koordiniert. „Das ist schon lange eine gute Routine, und die Haupt- und Ehrenamtlichen vom DRK sind ein eingespieltes Team“, lobt der Stabsfeldwebel. Umgekehrt zeigt sich die ganze Mannschaft – von den verantwortlichen Ärzten und Medizinischen Fachangestellten (MFA) über die Helferinnen bei Anmeldung und Betreuung bis hin zu denen, die am Ende die Teilnahmebescheinigung und ein liebevoll verpacktes Lunchpaket plus Getränke ausgeben – sehr zufrieden mit den Rahmenbedingungen: gute Organisation und viel Platz. Eine Soldatin, die selbst beim Sanitätsdienst arbeitet, sagt augenzwinkernd: „Das Beste sind die Süßigkeiten, die es hinterher gibt ...“
Von der Blutspende zur Stammzellspende
Heute gibt es hier noch eine kleine Besonderheit: Neben den Anmeldetischen, an denen Formulare ausgefüllt werden müssen und die gelben Blutgruppen-Ausweise ausgegeben oder aktualisiert werden, die im Falle eines eigenen Unfalls sehr nützlich sein können, sitzt ein Helfer an einem Extratisch. Er wirbt dafür und lädt dazu ein, die Gelegenheit zu nutzen, gleich noch eine Probe für die Deutsche Stammzellspenderdatei (DSSD) abzugeben. Während es auch separate Typisierungsaktionen gibt, bei denen durch Wangenabstrich die nötigen Daten für Knochenmark-Spender gesammelt werden (Motto: „Stäbchen rein – Spender sein!“), braucht es hier nur nebenbei ein zusätzliches Blutproben-Röhrchen, um eventuell einmal noch mehr Gutes zu tun. Die Blutspenden werden ja sofort abgenommen und direkt weitergegeben. Bei dieser besonderen Form wird man erst dann angefragt, ob man tatsächlich Blutstammzellen oder Knochenmark aus dem Beckenknochen spenden will, wenn weltweit jemand mit z. B. Leukämie darauf angewiesen ist und die Gewebe-Merkmale gut zusammenpassen. Hierfür ist das Zentrale Knochenmarkspenderregister Deutschland (ZKRD) mit vielen anderen internationalen Registern verbunden.
Nach der ärztlichen Untersuchung zur eigentlichen Spende
Insgesamt herrschen in der großen Halle inklusive Nebenräumen nicht Angst vor der Nadel oder gar einem Kollaps, sondern professionelle Geschäftigkeit, Hygiene und erstaunlich gute Laune und Dankbarkeit. Letztere in beide Richtungen: Die Spenderinnen und Spender freuen sich über die Anerkennung und freundliche Behandlung, die Helfer und Helferinnen – die zum großen Teil selbst ihre Freizeit spenden – über die große Hilfsbereitschaft. Dabei gilt wie so oft, dass die Beteiligung immer noch besser sein könnte und sollte.
„Für mich als Soldat ist das selbstverständlich“, sagt Stabsfeldwebel Mathias Straßburg. Als Gegenleistung gibt es hier zwar nicht, wie an Unikliniken oder bei kommerziellen Anbietern, eine finanzielle Aufwandsentschädigung, sondern die Freistellung vom Dienst während der gut halbstündigen Spendeaktion und danach einen freien Freitag. Außerdem schätzen die Teilnehmer die kurzen Wege in der Kaserne und die Möglichkeit, „mal eben“ in der Mittagspause etwas Gutes zu tun.
Stimmen von Beteiligten
So fasst die Zivilangestellte Simone Sander ihre Motivation zusammen: „Wir sitzen doch alle in einem Boot: In meiner Familie gab es Krebsfälle, die auf Blutpräparate angewiesen waren, und vielleicht kommt auch mir selbst mal eine Blutspende zugute.“ Außerdem: „Ich habe eine relativ seltene Blutgruppe und bin Rhesus-negativ, da fühle ich mich besonders verpflichtet.“ Und Melanie Sahr vom Organisationsteam ergänzt: „Wenn mir Leute, die ein Tattoo tragen, sagen, dass Sie Spritzen und Nadeln zu unangenehm finden, kann ich sie beruhigen, denn die meisten Tätowierungen dauern länger und sind schmerzhafter.“ Sie sagt für sich und die meisten ihrer Kollegen: „Hier tun wir etwas wirklich Sinnstiftendes.“
Es geht noch mehr
Ein eigenes Thema ist außerdem die Organspende, die immer wieder durch die Medien geht. Einerseits gibt es sehr viele Patienten, die auf das Spenderorgan eines gerade verstorbenen Menschen angewiesen sind und teilweise jahrelang darauf warten müssen. Andererseits sind die gesetzlichen Grundlagen, aufgrund derer solche Organe entnommen werden können, noch immer nicht abschließend geregelt. Fast nur Nieren können auch als Lebendspende abgegeben werden, weil jeder gesunde Mensch über zwei verfügt.
Auf jeden Fall wird empfohlen, dass man sich mit dieser Frage auseinandersetzt, mit Angehörigen darüber spricht und im Idealfall einen Organspende-Ausweis ausfüllt und ständig mit sich führt. Auch zentrale Online-Register für Organ- und Gewebe-Spenden befinden sich weiter im Aufbau, wie das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) mitteilt.
Jörg Volpers
Weitere Informationen
Für vertiefende Informationen und Hintergründe zu den Themen Stammzellspende, Blutspende und Organspende empfehlen wir folgende Seiten:
- Stammzellspende: www.stammzellspenderdatei.de
- Blutspende: www.blutspende.de
- Organspende: www.organspende-info.de





