Kolumne des Wehrbeauftragten
Ab September 2025 setzt der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Henning Otte, die monatlichen Kolumnen des Wehrbeauftragten in der Zeitschrift KOMPASS. Soldat in Welt und Kirche fort.
2026
Liebe Soldatin, lieber Soldat,
Sie leisten einen Dienst von besonderer Prägung. Sie sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und sich für unser Land und unsere Freiheit einzusetzen. Ihr Dienst fordert körperlich und seelisch. Gerade deshalb kommt der Militärseelsorge eine herausragende Bedeutung zu.
Mit Beistand, Orientierung und Vertrauen leisten die Militärseelsorger einen unverzichtbaren Beitrag zur seelsorglichen Begleitung. Für viele Soldatinnen und Soldaten – ebenso für deren Angehörige – ist sie ein wichtiger Ansprechpartner, oft jenseits formaler Dienstwege.
Die Seelsorger der Bundeswehr hören zu, begleiten, spenden Trost und geben Orientierung in belastenden Situationen. Ob im Grundbetrieb, in persönlichen Krisen oder im Einsatz: Seelsorge ist ein Angebot, das Vertrauen schafft und Halt gibt. Sie steht für Verlässlichkeit, Verschwiegenheit und Menschlichkeit – Werte, von unschätzbarem Wert.
Gemäß Soldatengesetz hat jeder Soldat und jede Soldatin einen Anspruch auf Seelsorge und ungestörte Religionsausübung. Die katholische, die evangelische und die jüdische Militärseelsorge stellen hierfür ein breites und bewährtes Angebot bereit. Dabei geht es aber nicht allein um religiöse Praxis. Militärseelsorge wirkt auch als stabilisierender Faktor für die innere Verfasstheit der Truppe, ist Ansprechpartner für alle. Sie hilft, Belastungen zu verarbeiten, ethische Fragen zu refle ktieren und mit Grenzerfahrungen umzugehen. In einer Zeit, in der sich die Bundeswehr wieder stärker auf Landes- und Bündnisverteidigung ausrichtet und zugleich vielfältige internationale Einsätze bewältigt, ist diese Unterstützung wichtiger denn je.
Die Bundeswehr ist heute so vielfältig wie unsere Gesellschaft. Soldatinnen und Soldaten unterschiedlicher Biografien und Religion dienen gemeinsam. Diese Vielfalt muss sich auch in der Seelsorge widerspiegeln. Die katholische, evangelische und jüdische Militärseelsorge sind fest etabliert und leisten hervorragende Arbeit. Zugleich ist es folgerichtig und notwendig, das seelsorgerische Angebot weiterzuentwickeln.
Vor diesem Hintergrund ist die Ankündigung eines muslimischen Angebots, ein wichtiger und richtiger Schritt. Muslimische Soldatinnen und Soldaten sind Teil der Bundeswehr und verdienen – wie alle anderen – einen seelsorgerischen Ansprechpartner. Muslimische Militärseelsorge ist kein Sonderrecht, sondern Ausdruck von Gleichbehandlung, Respekt und Anerkennung.
Gleichzeitig stärkt ein solches Angebot den inneren Zusammenhalt. Wer sich in seiner Identität gesehen und ernst genommen fühlt, kann Vertrauen entwickeln – in die Institution, in die Kameradschaft und in den Staat, dem er dient. Militärseelsorge leistet damit auch einen Beitrag zur Inneren Führung und zur Wertebasis der Bundeswehr.
Als Wehrbeauftragter sehe ich die Seelsorge als festen Bestandteil einer modernen Parlamentsarmee. Sie ist Ausdruck unseres Verständnisses von Führung, Verantwortung und Fürsorge. Es ist Aufgabe der Politik, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Militärseelsorge unabhängig, niedrigschwellig und verlässlich wirken kann – für alle Soldatinnen und Soldaten, unabhängig von ihrem Glauben.
Eine starke Bundeswehr braucht nicht nur moderne Ausrüstung und klare Aufträge, sondern auch Menschen, die sich gesehen, begleitet und ernst genommen fühlen. Militärseelsorge leistet hierzu einen unverzichtbaren Beitrag. Sie verdient unsere Unterstützung und unsere Wertschätzung.
Gerade in Zeiten zunehmender sicherheitspolitischer Herausforderungen, hoher Einsatzbelastung und wachsender gesellschaftlicher Erwartungen darf die seelische Dimension des Dienstes nicht in den Hintergrund treten. Militärseelsorge schafft Räume für persönliche Gespräche, für Zweifel und für Sinnfragen, ohne Bewertung und ohne dienstliche Konsequenzen. Sie trägt damit wesentlich zur Resilienz der Soldatinnen und Soldaten bei und stärkt zugleich das Vertrauen in die Bundeswehr als fürsorglichen und verantwortungsbewussten Arbeitgeber.
Ich danke allen unseren Seelsorgern und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Arbeit und für die Unterstützung unserer Soldatinnen und Soldaten.
Herzliche Grüße
Ihr Henning Otte,
Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages
Liebe Soldatin, lieber Soldat,
mit dem Operationsplan Deutschland hat die Bundeswehr zweifellos Pionierarbeit geleistet. Der Plan ist ein Meilenstein in der sicherheitspolitischen Ausrichtung Deutschlands. Doch während die Bundeswehr mit dem Operationsplan Deutschland ihre Hausaufgaben gemacht hat, bleibt eine entscheidende Frage unbeantwortet: Was ist mit der zivilen Seite der Verteidigung? Der Operationsplan Deutschland stellt eine umfassende und durchdachte Antwort auf militärische Bedrohungen dar, aber er ist nicht vollständig ohne den zivilen Gegenpart.
Verteidigung und Krisenresilienz sind heute keine Aufgaben mehr, die nur in den Zuständigkeitsbereich des Militärs fallen. Sie sind gesamtgesellschaftliche Herausforderungen, die sämtliche Bereiche unseres Lebens betreffen – von der Wirtschaft über die Infrastruktur bis hin zur Verwaltung. Und so wie die militärische Seite unserer Verteidigung strategisch und professionell geplant werden muss, so braucht es auch einen „Zivilen Operationsplan Deutschland“. Nur wenn wir beide Dimensionen – militärische und zivile Verteidigung – ineinandergreifen lassen, greift auch unsere Gesamtverteidigung.
Der zivile Bereich muss dabei ebenso gut organisiert, vernetzt und handlungsfähig sein wie der militärische. Dies umfasst die Versorgung der Bevölkerung im Krisenfall, die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur, die Sicherheitsarchitektur in Bund, Land und Kommune sowie den Schutz unserer wirtschaftlichen und technologischen Basis. Auch der Katastrophenschutz, die Behördenkoordination und die digitale Resilienz müssen Teil dieses zivilen Plans sein. Es muss geregelt werden, wie die zivile Bevölkerung bei einem nationalen Notstand unterstützen sowie unterstützt werden kann, ohne dass das tägliche Leben zusammenbricht. Und wir müssen uns fragen, wie schnell und effizient diese Bereiche im Falle eines bewaffneten Konflikts oder eines Großangriffs aktiviert werden können.
Ein zentraler Akteur bei der Schaffung dieses zivilen Plans könnte der Nationale Sicherheitsrat sein. Der Sicherheitsrat ist genau die Schnittstelle, die ressortübergreifende Aufgaben koordinieren und sicherstellen kann, dass Maßnahmen in den Bereichen Verteidigung, Zivilschutz und Krisenmanagement aufeinander abgestimmt sind. Der Sicherheitsrat sollte deutlich sichtbarer werden und eine aktive Rolle bei der Planung, Übung und Weiterentwicklung einer Gesamtverteidigungsstrategie übernehmen. Nur so können wir garantieren, dass wir als Gesellschaft in Krisenzeiten nicht nur militärisch, sondern auch zivil handlungsfähig sind.
Es ist wichtig, dass wir beim Thema Verteidigung und Krisenresilienz keine parteipolitischen Überlegungen in den Vordergrund stellen. Verteidigung darf nicht in Legislaturen oder in der politischen Tagesordnung gedacht werden. Sie ist eine langfristige Aufgabe, die sich stets an der sicherheitspolitischen Herausforderung zu orientieren hat. Sie muss so organisiert sein, dass sie unabhängig von Regierungswechseln kontinuierlich weiterentwickelt und gesichert werden kann. Wir dürfen uns nicht mehr nur auf die Stärke unserer Werte verlassen, sondern müssen auch die Werte unserer Stärke betonen – eine starke Gesellschaft, die weiß, wie sie sich verteidigt, wie sie ihre Werte schützt und wie sie im Angriffsfall handlungsfähig bleibt.
Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass ein Appell an eine umfassende Gesamtverteidigung und Krisenresilienz eine Form von Angstmacherei oder Militarisierung der Politik sei. Ganz im Gegenteil – es ist ein Ausdruck verantwortungsbewusster Friedenssicherung. Wer den Frieden langfristig bewahren will, muss bereit sein, diesen auch zu schützen. Und wer in einer zunehmend unsicheren Welt über den Frieden sprechen will, darf nicht vor der notwendigen Aufgabe zurückschrecken, die mit dieser Verantwortung verbunden ist. Frieden kann nur dort dauerhaft erhalten bleiben, wo die Gesellschaft fähig ist, diesen zu verteidigen.
Deshalb ist es an der Zeit, die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Verteidigung unseres Landes ernst zu nehmen. Wenn wir weiterhin in Frieden leben wollen, dann müssen wir uns gemeinsam darauf vorbereiten, diesen zu schützen – und zwar als Gesamtgesellschaft, in enger Zusammenarbeit zwischen Staat, Militär, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Nur wenn wir diese Verantwortung als gesamtstaatliche Aufgabe begreifen, wird unsere Gesellschaft in der Lage sein, auch in schwierigen Zeiten zusammenzustehen und zu bestehen.
Das bedeutet eine stärkere Kooperation zwischen militärischen und zivilen Bereichen, eine stärkere Rolle des Nationalen Sicherheitsrats und ein umfassendes Konzept der Gesamtverteidigung. Nur so können wir sicherstellen, dass Deutschland auch in Zukunft auf allen Ebenen resilient und handlungsfähig bleibt. Der Operationsplan Deutschland ist ein wichtiger Baustein in diesem Puzzle – doch er muss ergänzt werden durch den Zivilen Operationsplan Deutschland, um die Sicherheit und den Frieden in unserem Land dauerhaft zu gewährleisten. Wenn wir weiter Frieden wollen, müssen wir ihn schützen können – gemeinsam stark.
Herzliche Grüße
Ihr Henning Otte,
Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages
Liebe Soldatin, lieber Soldat,
"klar, kritisch, konstruktiv" - unter dieser Überschrift habe ich dem Deutschen Bundestag den Jahresbericht 2025 übergeben. Der Bericht zeichnet das Bild einer geforderten Bundeswehr im fortdauernden Wandel - geprägt von hohen Erwartungen, wachsender Verantwortung und einer sicherheitspolitischen Lage, die sich im Berichtsjahr grundlegend verändert hat.
Deutschland sieht sich heute mit einer realen und unmittelbaren Bedrohung konfrontiert. Gleichzeitig befinden sich sicher geglaubte Bündnisse und sicherheitspolitische Gewissheiten im Wandel. In dieser Situation richtet sich der Blick unserer Gesellschaft stärker denn je auf die Frauen und Männer in Uniform. Mit diesem Blick verbinden sich Vertrauen, Anerkennung - aber auch außergewöhnlich hohe Erwartungen an ihre Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft.
Unsere Bundeswehr ist eine starke Parlamentsarmee. Sie erfüllt ihre Aufträge mit Professionalität, Pflichtbewusstsein und einem berechtigten Stolz auf das eigene Können. Die Soldatinnen und Soldaten leisten Tag für Tag einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherheit unseres Landes und zur Stabilität unserer Bündnisse. Damit sie diesen Dienst bestmöglich leisten können, brauchen sie jedoch verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu gehören ausreichend Personal, modernes und einsatzbereites Material, funktionierende Infrastruktur und zeitgemäße Ausbildungsmöglichkeiten. Ebenso wichtig ist der klare Rückhalt aus Politik und Gesellschaft - denn militärischer Dienst verlangt Vertrauen, Respekt und eine eindeutige politische Unterstützung.
Verteidigungspolitik darf nicht in Legislaturperioden gedacht oder parteipolitisch verengt werden. Sie muss sich konsequent an der sicherheitspolitischen Lage orientieren. Die Gesamtverteidigung unseres Landes und der Schutz unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung sind dauerhafte, gesamtstaatliche Aufgaben. Sie betreffen nicht allein die Streitkräfte, sondern alle staatlichen Ebenen und viele Bereiche unserer Gesellschaft. Deshalb erfordert die Sicherheitsvorsorge unseres Landes heute mehr denn je eine ressortübergreifende Zusammenarbeit und ein gemeinsames strategisches Handeln.
Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, verlangen von der Politik Klarheit, Ehrlichkeit und Entschlossenheit. In den vergangenen Jahren haben die Abgeordneten des Deutschen Bundestages wichtige Entscheidungen getroffen, um die Einsatzbereitschaft und den Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten zu stärken. Auch die Bundesregierung hat Schritte eingeleitet, um die militärische Verteidigungsfähigkeit Deutschlands auszubauen. Diese Maßnahmen weisen in die richtige Richtung.
Verantwortung ist in dieser Situation unteilbar. In fordernden Zeiten steht auch der Wehrbeauftragte mehr denn je in der Pflicht, seinen Beitrag als Teil der Sicherheitsarchitektur Deutschlands zu leisten.
Als Wehrbeauftragter habe ich das Privileg und zugleich die Verpflichtung, die Rechte unserer Soldatinnen und Soldaten zu wahren, das Parlament bei der Kontrolle der Streitkräfte zu unterstützen und zugleich als Sprachrohr der Truppe gegenüber Parlament und Öffentlichkeit zu dienen. Der unmittelbare Austausch mit Ihnen - bei Truppenbesuchen, Gesprächen und Eingaben - ist dabei von unschätzbarem Wert. Er ermöglicht einen unverstellten Blick auf den Dienstalltag, auf Herausforderungen, aber auch auf das Engagement und die Professionalität in der Truppe.
Mein Jahresbericht ist daher nicht als Mängelbericht zu verstehen. Er benennt Herausforderungen, Probleme und Handlungsfelder und verbindet sie mit Schlussfolgerungen und Empfehlungen. Transparenz ist dabei ein notwendiger Schritt auf dem Weg zur Verbesserung. Nur wenn Probleme offen angesprochen werden, entsteht die Grundlage, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln und entschlossen zu handeln.
Am Ende geht es dabei stets um das gleiche Ziel: die bestmöglichen Rahmenbedingungen für unsere Soldatinnen und Soldaten zu schaffen - und damit um die Sicherheit unseres Landes.
Herzliche Grüße
Henning Otte,
Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages
2025
Liebe Soldatin, lieber Soldat,
2011 kam es zu einer Zäsur: Rund 55 Jahre nach ihrer Einführung setzte der Deutsche Bundestag die verpflichtende Wehrpflicht aus - damals von vielen als Modernisierung verstanden. Doch heute sehen wir: Die Bundeswehr leidet als Freiwilligenarmee unter massivem Personalmangel. Die Belastungen für unsere Soldatinnen und Soldaten sind hoch und ihr Lastenheft wird immer voller.
In Zeiten, die von geopolitischen Spannungen geprägt sind, steht unsere Verteidigung heute wieder im Zentrum politischer Verantwortung. Deutschland stellt sich grundlegende Fragen zur eigenen Sicherheitsarchitektur. Eine davon: Brauchen wir die Wehrpflicht nun wieder zurück?
Der Koalitionsvertrag sieht hierzu vor, es zunächst weiter mit einem freiwilligen Wehrdienst zu versuchen. Es mag zwar grundsätzlich löblich sein, auf Freiwilligkeit zu setzen, allerdings gibt es erhebliche Zweifel daran, ob dies wirklich gelingen kann und auch der Lage angemessen ist.
Es wird bereits seit Jahren verfehlt, die Truppenstärke von derzeit rund 182.000 Soldatinnen und Soldaten auf die bisherige Zielgröße von rund 203.000 Kräften anzuheben. Und dieses Ziel ist nun noch weiter in die Ferne gerückt, wenn Verteidigungsminister Pistorius von zusätzlich 60.000 Kräften spricht. Das ist eine enorme Herausforderung, die der Minister bewältigen muss.
Es wäre daher notwendig, bereits jetzt die Voraussetzungen zu schaffen, bei einem neuen Wehrdienst schnell auf weitere verpflichtende Elemente umschalten zu können,
Doch es muss primär darauf geachtet werden, dass ein neuer Wehrdienst die Truppe stärkt und sie nicht belastet. Es bedarf daher mehr als nur einen Gesetzesbeschluss. Es erfordert Infrastruktur, Ausbildungskapazitäten, Material – und vor allem ein gesellschaftliches Umdenken und politischen Willen.
Eine Wehrpflicht wäre zwar wahrlich kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Teil eines größeren sicherheitspolitischen Konzepts. Gerade vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wird deutlich: Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie braucht Menschen, die bereit sind, sie zu verteidigen.
Ein modernes Pflichtdienstmodell könnte dabei ein Weg sein. Ein Modell, das die Gesamtverteidigung und Resilienz in den Blick nimmt. Dabei ginge es nicht nur um den Wehrdienst, sondern um ein Jahr für die Gesellschaft: In der Bundeswehr, im Katastrophenschutz, in der Pflege, bei der Feuerwehr. So ein Dienstjahr würde nicht nur die Bundeswehr und Blaulichtorganisationen stärken, sondern auch den sozialen Zusammenhalt in unserem Land fördern und die Gesamtverteidigungsfähigkeit ausbauen.
Darüber hinaus könnte es jungen Menschen helfen, sich zu orientieren, Verantwortung zu übernehmen – und unsere Demokratie aktiv mitzugestalten. Junge Menschen ernst zu nehmen, bedeutet nämlich nicht, sie zu verschonen. Es bedeutet, ihnen zuzutrauen, Teil der Lösung zu sein.
Schließlich kommt ein weiterer Faktor hinzu: die Kameradschaft. Ein gelebtes Miteinander ist von großem Vorteil für das spätere Leben. Bei der Bundeswehr lernt man schnell, sich aufeinander verlassen zu können, sich gegenseitig zu helfen und sich in Not und Gefahr beizustehen.
Natürlich gibt es berechtigte Einwände. Der Eingriff in die individuelle Freiheit, die Frage nach Gerechtigkeit und Gleichbehandlung, der administrative Aufwand – all das muss bedacht werden. Aber: Die Zeiten haben sich geändert, die Bedrohungslage hat sich geändert. Deutschland steht vor sicherheitspolitischen Herausforderungen, wie man sie seit dem Kalten Krieg nicht mehr erlebt hat. Wer das ignoriert, handelt fahrlässig.
Die Bundeswehr braucht Nachwuchs – nicht nur technisch versierte Spezialisten, sondern auch charakterfeste, demokratisch denkende Staatsbürgerinnen und Staatsbürger in Uniform. Ein Dienst an der Gesellschaft – ob in der Bundeswehr oder in anderen Bereichen – kann dazu beitragen, diese Haltung zu fördern.
Es ist an der Zeit, dass wir uns dieser Debatte stellen – offen, ehrlich und ohne ideologische Scheuklappen. Sicherheit beginnt mit Verantwortung. Und diese Verantwortung geht uns alle an.
Frieden erwächst eben aus Stärke und nicht aus Schwäche.
Herzliche Grüße
Ihr Henning Otte,
Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages
Liebe Soldatin, lieber Soldat,
ich danke Ihnen!
Danke für Ihren Dienst und Ihr unermüdliches Engagement für unser Land. Sie alle schützen unsere Freiheit, verteidigen unsere Werte und Sie stehen bereit, wenn es darauf ankommt – sei es in der Heimat, im Ausland oder bei Katastrophenlagen.
Die derzeitige sicherheitspolitische Lage in der Welt ist geprägt von großer Unsicherheit und zeigt uns eindrücklich, wie fragil Frieden und Stabilität sind. Globale Krisen, regionale Konflikte und neue Bedrohungen stellen uns vor große Herausforderungen. Gerade in dieser Zeit ist Ihre Rolle als Soldatin und Soldat wichtiger denn je. Sie sind das Bollwerk, das unsere Demokratie schützt und unser Land handlungsfähig hält. Sie sorgen für den Schutz unserer Freiheit.
Ohne Ihren Einsatz wären wir nicht in der Lage, Krisen zu bewältigen oder unsere internationale Verantwortung wahrzunehmen. Sie sind das stabile Fundament, auf dem unsere Sicherheit ruht.
Tag für Tag stellen Sie sich in den Dienst unseres Gemeinwesens. Sie nehmen weite Trennungen von Ihren Familien, körperliche Strapazen und psychische Belastungen in Kauf. Sie leisten Ihre Arbeit oft unter schwierigen Bedingungen und sind jederzeit bereit, im Ernstfall alles zu geben. Diese Hingabe ist alles andere als selbstverständlich – sie verdient unsere höchste Anerkennung.
Zu oft wird in der öffentlichen Wahrnehmung vergessen, dass Sie weit mehr sind als Soldatinnen und Soldaten. Sie sind Mütter, Väter, Schwestern, Brüder, Nachbarinnen und Nachbarn, Freunde – Menschen mit Hoffnungen und Ängsten. Sie tragen eine große Verantwortung: Für sich, Ihre Angehörigen, Ihre Kameradinnen und Kameraden, und für unser ganzes Land – für uns alle, die wir auf Frieden und Sicherheit vertrauen.
Wir alle profitieren von Ihrem Dienst und einer starken und verlässlichen Bundeswehr. Denn die Sicherheit, die Sie gewährleisten, schafft den Raum, in dem Demokratie, Freiheit und Frieden gedeihen können. Deshalb liegt es in unserer gemeinsamen Verantwortung, Sie nicht nur zu fordern, sondern Ihnen auch zu danken – mit Respekt, Verständnis und Solidarität.
Dankbarkeit darf dabei kein einmaliger Akt bleiben, den wir nur an besonderen Tagen äußern. Dankbarkeit ist eine Haltung, die wir täglich leben müssen. Sie zeigt sich in unserem Respekt, in ehrlicher Anerkennung und in tatkräftiger Unterstützung.
Ein einfaches „Danke“ im Alltag kann viel bewirken – gerade bei denen, die oft fern der Heimat ihren Dienst tun sowie bei deren Angehörigen. Denn hinter jedem Einsatz stehen nicht nur die Soldatinnen und Soldaten, sondern auch deren Angehörigen. Diese Angehörigen tragen oft die stille Last, die mit dem Dienst verbunden ist – sie sind es, die Trennungen ertragen, Ängste überwinden und den Alltag meistern, wenn ihre Liebsten fern von zu Hause ihren Dienst tun. Auch ihnen gebührt unser tiefster Dank und unsere größte Wertschätzung.
Für die Politik bedeutet Dankbarkeit für unsere Soldatinnen und Soldaten auch, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Sie Ihre anspruchsvolle Aufgabe sicher und erfolgreich erfüllen können. Dazu gehören ein konsequenter Personalaufbau, eine funktionierende Infrastruktur sowie moderne Ausrüstung und Ausstattung, die Sie schützt und ihre Arbeit erleichtert.
Ein „Danke“ an unsere Soldatinnen und Soldaten in jeder Form ist nicht nur Ausdruck von Wertschätzung – es stärkt auch das wichtige Band zwischen Bundeswehr und Gesellschaft.
Jeder von uns kann ein Zeichen der Dankbarkeit setzen: Ein freundliches Wort, ein ehrliches „Danke“, ein bewusster Blick auf das, was unsere Bundeswehr täglich für uns leistet. Es sind diese Gesten, die den Menschen in Uniform zeigen: Ihr seid nicht allein, wir stehen hinter euch.
Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Dankbarkeit nicht nur ein Wort bleibt, sondern täglich spürbar wird – für unsere Frauen und Männer in Uniform, die mit Herz und Verstand für unser Land da sind. Denn ihr Einsatz und ihre Bereitschaft, sich für uns einzusetzen, verdient mehr als Anerkennung: Es verdient unsere aufrichtige und nachhaltige Dankbarkeit.
Herzliche Grüße
Ihr Henning Otte,
Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages
Liebe Soldatin, lieber Soldat,
in diesen Tagen blicken wir auf 70 Jahre Bundeswehr zurück - sieben Jahrzehnte, in denen unsere Soldatinnen und Soldaten mit Einsatz und Haltung für ihren Auftrag einstehen. Sie verdienen unseren uneingeschränkten Respekt und unsere volle Anerkennung. Viele haben viel gegeben - manche ihre Gesundheit, einige sogar ihr Leben.
Die vergangenen 70 Jahre waren dabei von tiefgreifenden sicherheitspolitischen Umbrüchen geprägt - begleitet von einem stetigen Wandel der Aufgaben, Bedrohungslagen und inneren Strukturen der Bundeswehr. Die Bundeswehr wurde als Verteidigungsarmee der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland gegründet und ist heute weit mehr als das: Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der internationalen Sicherheitsarchitektur, ein Partner in internationalen Einsätzen und ein Garant für die Verteidigung unserer Demokratie und unserer Werte.
Der Wiederaufbau des Landes, die Aufarbeitung der Kriegsfolgen, der Beginn des Kalten Krieges und der NATO-Doppelbeschluss - all das prägte die Anfangsjahre der Bundeswehr. Nach der Wiedervereinigung war die Überführung der Nationalen Volksarmee ein integrativer Kraftakt von historischer Tragweite. Sie steht exemplarisch dafür, welchen Beitrag der Wehrdienst - ob freiwillig oder verpflichtend - auch heute wieder für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten kann.
Mit dem Ende des Kalten Krieges trat die Bundeswehr in eine neue Phase ihrer Geschichte ein: Aus einer rein auf die Landesverteidigung ausgerichteten Armee wurde eine Streitkraft, die zunehmend internationale Verantwortung übernahm. Sie engagierte sich in Krisenregionen weltweit, beteiligte sich an Friedensmissionen, leistete humanitäre Hilfe und war in internationalen Einsätzen - etwa in Afghanistan oder Mali - aktiv. Die Entwicklung von einem nationalen Verteidigungsinstrument zu einem global agierenden Sicherheitspartner war ein bedeutender Wandel in der Geschichte der Bundeswehr.
Heute, 70 Jahre nach ihrer Gründung, steht die Bundeswehr weiter vor großen Herausforderungen. Die geopolitischen Spannungen, insbesondere in Europa, aber auch weltweit, haben in den letzten Jahren wieder zugenommen. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat uns in schmerzlicher Weise vor Augen geführt, dass Frieden und Sicherheit nicht selbstverständlich sind. Die Frage der Verteidigungsfähigkeit der NATO und insbesondere der Europäischen Union rückt wieder ins Zentrum der sicherheitspolitischen Diskussionen. Und auch im Inneren der Bundeswehr gibt es anhaltende Herausforderungen: Die strukturelle Ertüchtigung der Armee, die Modernisierung der Ausrüstung, die Rekrutierung und Bindung von Personal.
Die geopolitische Lage, die wir erleben, stellt die Bundeswehr vor enorme Herausforderungen. Sie muss nicht nur ihre klassischen Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung wahrnehmen, sondern auch flexibel auf Krisen und Konflikte in anderen Teilen der Welt reagieren können. Dies erfordert eine umfassende Anpassung der militärischen Strukturen und eine ständige Modernisierung der Ausrüstung.
Doch der Wandel der Bundeswehr ist nicht nur eine Frage der Technik und der Strategie, sondern eine Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz und Integration. In den 70 Jahren ihrer Geschichte sah sich die Bundeswehr immer wieder mit der Herausforderung konfrontiert, wie sie in der Gesellschaft verortet ist. In den frühen Jahren nach der Gründung war die Bundeswehr im Kontext der deutschen Geschichte ein schwieriges Thema. Doch mit der Zeit hat sich die Bundeswehr als Institution etabliert, die ein hohes Maß an Vertrauen genießt - sowohl bei der Bevölkerung als auch bei der politischen Führung. Das Element des Staatsbürgers in Uniform hatte dabei immer herausragende Bedeutung - unsere Soldaten sind sowohl Angehörige der Streitkräfte als auch Teil der Gesellschaft.
70 Jahre Bundeswehr - ist eine stolze Bilanz, aber auch ein Blick in die Zukunft. In einer Welt, die von Unsicherheit und Veränderungen geprägt ist, wird die Rolle der Bundeswehr in den kommenden Jahren von entscheidender Bedeutung sein. Wir stehen als Nation vor der Verantwortung, die Bundeswehr weiter zu modernisieren, die richtigen politischen und gesellschaftlichen Weichen zu stellen und sicherzustellen, dass sie in der Lage ist, den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen gerecht zu werden.
Die Bundeswehr braucht die Unterstützung der Gesellschaft, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und die Bereitschaft, in ihre Zukunft zu investieren. Und sie braucht vor allem das Vertrauen der Menschen, die sie schützen soll. Denn nur mit einer starken, gut ausgebildeten und gut ausgestatteten Bundeswehr können wir unsere Sicherheit und die Werte, auf denen unser Land gebaut ist, wahren.
Die Verantwortung dafür tragen wir alle - Politiker, Soldaten und die gesamte Gesellschaft. Gemeinsam stark.
Herzliche Grüße
Henning Otte,
Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages
Liebe Soldatin, lieber Soldat,
das Jahr 2025 war ein bewegtes Jahr – für unsere Truppe, für unsere Gesellschaft. Uns allen hat das Jahr vor Augen geführt, dass Sicherheit keine Selbstverständlichkeit ist und heute mehr denn je durch Teamarbeit verteidigt wird. Bündnisfähigkeit, europäische Kooperation, Resilienz – all das sind keine Schlagworte, sondern tägliche Aufgaben. Und speziell für die Bundeswehr hat sich im Jahr 2025 erneut gezeigt: Sie befindet sich weiter im Wandel. Neue Strukturen in der Leitung, mehr Ausrüstung, schnellere Beschaffungsverfahren – einiges hat sich verbessert, doch noch immer ist von allem zu wenig da und vor allem wird weiterhin zu langsam umgesetzt. Zu viele Entscheidungen werden weiter vertagt, zu viele Zuständigkeiten verschoben, zu viele Konzepte geprüft, anstatt sie endlich umzusetzen. Zwischen politischem Willen und praktischer Wirklichkeit klafft eine Lücke, die die Truppe täglich spürt. Es reicht nicht, nur über Zeitenwende zu reden – sie muss gelebt werden: mit klaren Prioritäten, weniger Bürokratie und mehr Mut zur Entscheidung. Wenn unsere Soldatinnen und Soldaten sehen, dass selbst einfachste Beschaffungen Monate oder Jahre dauern, leidet nicht nur die Einsatzbereitschaft, sondern auch das Vertrauen in die Leitung. Hier muss entschlossener gehandelt werden. Die Verunsicherung muss umgemünzt werden in Vertrauen und Verlässlichkeit.
Auch die zerpflückte Debatte um den Wehrdienst hat gezeigt, wie groß die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist. Wir dürfen Entscheidungen, wie unser Land seine Wehrhaftigkeit und gesellschaftliche Resilienz stärkt, nicht aufschieben. Wir brauchen von der gesamten Bundesregierung ein Konzept für ein wehrhaftes, resilientes Deutschland. Alle Ressorts müssen ihren Beitrag dazu leisten. Das wäre der Lage angemessen. Eine Bilanz des vergangenen Jahres zu ziehen ist wichtig, doch wir dürfen uns nicht im Rückblick verlieren, sondern müssen gemeinsam nach vorn blicken – und zugleich das Hier und Jetzt im Blick behalten.
Als Wehrbeauftragter möchte ich daher in diesen Tagen besonders diejenigen hervorheben, die an den Feiertagen nicht im Kreis ihrer Familien sein können – unsere Soldatinnen und Soldaten im Ausland. Litauen, Jordanien, Irak, Kosovo, auf See oder im Luftraum leisten Sie ihren Dienst fernab der Heimat. Sie stehen für die Sicherheit Deutschlands, Europas und unserer Partner ein – oft unter schwierigen Bedingungen, oft im Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit. Während hierzulande Kerzen angezündet und Geschenke ausgepackt werden, überwachen und sichern Sie Grenzen, schützen Zivilbevölkerungen. Das verdient nicht nur Respekt, sondern auch ehrliche Dankbarkeit. Ich wünsche mir, dass dieser Einsatz stärkere Beachtung und Anerkennung findet. Die Bundeswehr ist Teil der Mitte unserer Demokratie. Sie braucht unseren Rückhalt – politisch und gesellschaftlich. Dazu gehört, dass wir ihr Vertrauen schenken, wo Vertrauen verdient ist, und Kritik üben, wo sie notwendig ist. Der Dienst in der Bundeswehr ist kein Beruf wie jeder andere – er ist ein Bekenntnis zur Verantwortung.
Zum Jahresende möchte ich Ihnen allen danken. Unseren Soldatinnen und Soldaten, zivilen Beschäftigten, Reservistinnen und Reservisten: Sie tragen unser Land. Ihr Engagement, Ihr Mut und Ihre Kameradschaft sind die stillen Pfeiler unserer Sicherheit. Mögen Sie, wo immer Sie Weihnachten und Neujahr verbringen, spüren, dass Deutschland an Sie denkt – dass Ihre Arbeit zählt. Ihr
Henning Otte,
Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages
