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Interview mit Oberstabsfeldwebel Helmut Kapell

„Noch viel wichtiger ist mir jedoch, sie im Gebet und in unseren Fürbitten zu bedenken.“

Kompass: Nach ihrer Ausbildung als Steinmetz und Bildhauer traten Sie am 2. Januar 1981 als grundwehrdienstleistender Soldat beim 10. Luftwaffenausbildungsregiment 1 in Hamburg in den Sanitätsdienst ein. Am 14. Juni 1989 wurden Sie zum Berufssoldaten ernannt. Können Sie sich an das erste Weihnachtsfest erinnern, welches Sie in der Kaserne verbrachten?

Oberstabsfeldwebel Kapell: Nach der Grundausbildung wurde ich im Mai 1981 zur Luftwaffensanitätsstaffel beim Jagdbombergeschwader 33 nach Cochem versetzt. Wir hatten – daran kann ich mich noch gut erinnern – bereits vor dem Weihnachtsfest die Gelegenheit, einen Adventsgottesdienst zu feiern, bei dem es völlig normal war, dass viele Soldaten in Cochem-Brauheck teilnahmen. Bei diesem Gottesdienst mit dem Standortpfarrer, so hießen die damals noch, erlebte ich Militärseelsorge nicht zum ersten Mal. Da ich bereits beim Gottesdienst zum Feierlichen Gelöbnis noch in Hamburg die Militärseelsorge erlebt hatte, war sie mir auch in Cochem nicht unbekannt.

Und Weihnachten 1981 musste ich im Geschwader verbringen, weil ich zum damaligen Zeitpunkt noch keinen Führerschein hatte. Mit dem Zug nach Hause zu fahren, kam mir deswegen nicht in den Sinn, weil dies einfach viel zu umständlich war. Heiligabend verbrachte ich damals zusammen mit Kameraden. Einige hatten Wachdienst und mussten sowieso am Standort bleiben. Andere fuhren aus mir unerklärlichen Gründen auch nicht nach Hause. Die Christmette besuchten wir dann gemeinsam.

Kompass: Einmal resümierend und rückschauend betrachtet: Die Bundeswehr hat sich seit Beginn ihres Dienstes vor nun 32 Jahren verändert. Die bundesdeutsche Gesellschaft ebenso und Sie sich mit Sicherheit auch. Was fällt Ihnen, bei all diesen Veränderungen, auf?

Oberstabsfeldwebel Kapell: Die Veränderungen, die ich schon seit längerem registriere, können an zwei Punkten festgemacht werden: Zum einen muss ich feststellen, dass der Anteil der Soldatinnen und Soldaten, die keiner Konfession angehören, größer geworden ist. Das hat natürlich zur Folge, dass weniger Soldatinnen und Soldaten, wenn sie dann am Standort sind und in der Kaserne bleiben, zum Standortgottesdienst kommen. Gerade in typischen Diasporagebieten in Deutschland macht sich das sehr bemerkbar.

Zum anderen registriere ich, und das ärgert mich zunehmend, dass der tiefere Sinn des Weihnachtsfestes aus dem Blick gerät. Eigentlich, so habe ich den Eindruck, geht es vielen Menschen nicht mehr um die Geburt Jesu Christi und die damit verbundene Botschaft, sondern es stehen materielle Dinge wie Konsum und Kaufen im Vordergrund. Und dabei ist besonders ärgerlich, dass sich die Werbung darauf eingestellt hat. Man kann dies sehr deutlich spüren, wenn man noch lange vor der eigentlichen Advents- und Weihnachtszeit durch die Straßen und Kaufhäuser geht.

Kompass: Sie scheiden voraussichtlich am 31. März 2014 aus dem aktiven Dienst als Soldat aus. Sie haben eine Vielzahl von Auslandseinsätzen hinter sich. Spielte für Sie in ihrem Leben als Soldat die Botschaft von der Menschwerdung Jesu Christi, vom Weihnachtsfest, eine besondere Rolle?

Oberstabsfeldwebel Kapell: Ja, und das hatte einen sehr konkreten Grund. Wegen einer Erkrankung musste ich stationär im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin behandelt werden. Jedoch verlief alles sehr kompliziert und – so will ich das rückblickend sagen: Ich lag im Sterben und kämpfte um mein Leben. Notoperationen und ein künstliches Koma gingen einher mit vielen anderen Dingen. Aber irgendwie – wie durch ein Wunder habe ich überlebt. Mir war zum damaligen Zeitpunkt der seelsorgliche Beistand, den ein Militärgeistlicher an meinem Krankenbett leistete, ungemein wichtig. Ich bin getauft und gefirmt. Ich glaube jedoch, dass ich mit dem guten Ausgang irgendwie noch gläubiger geworden bin. Darüber hinaus hat mich die Frohe Botschaft immer begleitet. Mein Engagement in der Militärseelsorge will ich auch nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr irgendwie fortsetzen.

Kompass: Mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest: Was wünschen Sie sich?

Oberstabsfeldwebel Kapell: Für mich selbst wünsche ich mir nichts. Eigentlich hab ich so ziemlich alles, was man so zum Leben braucht. Viel wichtiger ist mir, dass unsere Soldatinnen und Soldaten – sei es zu Land, in der Luft oder auf Hoher See – bei der Erfüllung ihres Auftrages gesund an Leib und Seele wieder nach Hause kommen. Und, das will ich hinzufügen: Die Soldatinnen und Soldaten brauchen Unterstützung und Wertschätzung für ihren Dienst. Wertschätzung nicht nur seitens der Politik, sondern insbesondere aus der Gesellschaft und den gesellschaftlich bedeutsamen Gruppen und Institutionen. Noch viel wichtiger ist mir jedoch, sie im Gebet und in unseren Fürbitten zu bedenken.

Das Interview mit Oberstabsfeldwebel Helmut Kapell aus dem Lazarettregiment 31, Berlin, führte Josef König.

Zwischen Dienst und Familie

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In der Ausgabe 05/13 der Zeitschrift „Kompass“ steht die Familie im Mittelpunkt bzw. ihre oft beschworene Vereinbarkeit mit Beruf und Dienst. Dazu gibt es inzwischen einige Papiere (Familienreport, Grundsatzerlass des BMVg, …) und auch die Katholische Soziallehre hat sich schon lange damit beschäftigt.

In zwei Interviews und einem Kommentar werden das „unmögliche Unterfangen“ Vereinbarkeit und die besonderen Herausforderungen innerhalb der Truppe thematisiert. Auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages geht in seiner regelmäßigen Kolumne auf „Verlässlichkeit und Flexibilität“ ein.