Zum Inhalt springen

Internationaler Soldatengottesdienst im Hohen Dom zu Köln


Kardinal Woelki zieht zum Pontifikalamt ein. In den ersten Reihen Staatssekretär, Bürgermeister und Generale. © KS / Jörg Volpers
Kardinal Woelki zieht zum Pontifikalamt ein. In den ersten Reihen Staatssekretär, Bürgermeister und Generale. © KS / Jörg Volpers

Zwei Jubiläen waren am Donnerstag, 11. Januar 2018, in Dom und Maternushaus bedeutsam: Vor 50 Jahren, am 1. Januar 1968, war zum ersten Mal weltweit der Gebetstag für den Frieden begangen worden; und vor 40 Jahren, im Januar 1978, fand der erste Internationale Soldatengottesdienst aus diesem Anlass im Kölner Dom statt, nachdem sich 1977 die Apostelkirche als zu klein erwiesen hatte. Denn von Anfang an hatte Erzbischof Joseph Kardinal Höffner nicht nur die Soldaten der Bundeswehr eingeladen, die im Erzbistum Köln stationiert sind, sondern auch diejenigen anderer Armeen sowie Bundespolizisten (damals noch „Bundesgrenzschutz“) und Nahestehende. Diese Tradition wurde über viele Jahre regelmäßig im Januar fortgeführt, zunächst von Joachim Kardinal Meisner und nun bereits zum vierten Mal von Rainer Maria Kardinal Woelki.

Ein Soldat entzündet die von Erzbischof Woelki gesegnete Weltfriedenstags-Kerze. © KS / Jörg Volpers
Ein Soldat entzündet die von Erzbischof Woelki gesegnete Weltfriedenstags-Kerze. © KS / Jörg Volpers

Weltfriedenstags-Kerze


Eine weitere Besonderheit war eine reich verzierte Kerze im Altarraum, die direkt zu Beginn des Pontifikalamts von Erzbischof Woelki als „Weltfriedenstags-Kerze“ gesegnet und von einem Soldaten entzündet wurde. Diese wird auf den Weg durch das einladende Katholische Militärdekanat Köln machen und nach den Worten des Leitenden Militärdekans Msgr. Rainer Schnettker auch beim Weltfriedenstags-Gottesdienst am 19. April in Trier und am 11. Mai beim „Tag der Militärseelsorge“ auf dem Katholikentag in Münster brennen. Der 101. Katholikentag 2018 ist von besonderer Bedeutung für Soldatinnen und Soldaten, da er unter dem Motto „Suche Frieden“ steht. Im Anschluss soll die Kerze dem dann bei der Einsatzbegleitung MINUSMA in Mali engagierten Katholischen Militärseelsorger übergeben werden, um die weltkirchliche Verbindung zwischen Deutschland und den Einsatzgebieten zu verdeutlichen.

 

 

Fürbitten mit Soldaten unterschiedlicher Nationen. © KS / Jörg Volpers
Fürbitten mit Soldaten unterschiedlicher Nationen. © KS / Jörg Volpers

Dem Stern von Bethlehem folgen und die Flucht nach Ägypten

Das von Papst Franziskus vorgegebene diesjährige Weltfriedens-Motto „Migranten und Flüchtlinge – Menschen auf der Suche (nach Frieden)“ trifft ein Herzensanliegen von Kardinal Woelki, auf das er in seiner lebhaften Predigt den Schwerpunkt legte. Dabei gelang es ihm, einen Bezug zum wenige Tage zurückliegenden „Dreikönigstag“ und dem Dreikönigsschrein im Dom herzustellen. Die Heiligen Drei Könige bezeichnete Woelki als „Männer der Tat, mit offenen Augen und Ohren“ sowie als „Lebensretter und Fluchthelfer“ für Jesus: „Der Retter der Welt bedurfte selbst der Rettung!“

(Weitere Einzelheiten der Predigt sind der Video-Aufzeichnung von domradio.de sowie der KNA-Meldung zu entnehmen.)

Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki beim Schlusssegen. © KS / Jörg Volpers
Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki beim Schlusssegen. © KS / Jörg Volpers

Bemerkenswert

Ein besonderes Merkmal des Internationalen Soldatengottesdienstes im Erzbistum Köln sind alljährlich die Fürbitten, die von Soldaten anderer Streitkräfte – Lehrgangs-Teilnehmer des Bundessprachenamts in Hürth – mehrsprachig vorgetragen werden. Die Kollekte war in diesem Jahr zu gleichen Teilen für die „Nachbarschaftshilfe“ des Katholikenrats beim Katholischen Militärbischof und die „Aktion neue Nachbarn“ des Erzbistums Köln bestimmt.

Musikalisch gestaltet wurde die feierliche, weihnachtlich geprägte Eucharistiefeier vom Musikkorps der Bundeswehr aus Siegburg, von Domorganist Ulrich Brüggemann, vom Projektchor des Katholischen Militärdekanats Köln und nicht zuletzt vom Chor „Klangkörper“ beim Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr aus Euskirchen, der auch den anschließenden Empfang im Maternushaus eröffnete.

Zusätzlich bestand für die zum Kölner Dom angereisten Soldaten und Bundespolizisten nach dem Gottesdienst Gelegenheit, bei einer „warmen Stärkung“ auf der Domplatte mit den konzelebrierenden Militärseelsorgern zu sprechen, das Römisch-Germanische Museum zu besichtigen oder die Domstadt bei einer Stadtrundfahrt kennenzulernen.

Jörg Volpers



Empfang nach dem Internationalen Soldatengottesdienst


Staatssekretär Markus Grübel MdB überbringt die Grüße der Verteidigungsministerin. © KS / Jörg Volpers
Staatssekretär Markus Grübel MdB überbringt die Grüße der Verteidigungsministerin. © KS / Jörg Volpers

Köln, 11.01.2018. Nach dem Gottesdienst im Kölner Dom lud der Leitende Militärdekan Monsignore Rainer Schnettker zu einem Empfang im nahegelegenen Maternushaus ein. Nach kurzen einladenden Worten von Monsignore Schnettker, übernahm der Parlamentarische Staatssekretär Markus Grübel das Wort.

LMD Msgr. Rainer Schnettker moderiert den Empfang. © KS / Jörg Volpers
LMD Msgr. Rainer Schnettker moderiert den Empfang. © KS / Jörg Volpers

Er überbrachte zunächst die herzlichsten Grüße der Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen. Staatssekretär Grübel MdB betonte, dass es viele Gründe habe, warum Menschen fliehen. Die Bekämpfung der Fluchtursachen müsse daher auch auf mehreren Ebenen erfolgen. Zuletzt bedankte er sich bei allen Seelsorgerinnen und Seelsorgern und deren Pfarrhelferinnen und Pfarrhelfern für den Dienst in den Militärpfarrämtern. Sein Dank galt aber auch Kardinal Woelki und den anderen Ortsbischöfen, welcher die Militärseelsorge durch Freistellung von Seelsorgerinnen und Seelsorgern ermöglichen.

Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann © KS / Jörg Volpers
Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann © KS / Jörg Volpers

Militärgeneralvikar Msgr. Reinhold Bartmann freute sich, dass so viele die Zeit und innere Einstellung gefunden hatten, um am Weltfriedensgottesdienst teilzunehmen. Er fragte kritisch an, ob der Friede in der Welt überhaupt ein Zuhause habe, oder ob er doch eine Utopie sei. Obwohl ein jeder sich Frieden wünsche, sähe die Realität doch anders aus. Papst Franziskus und die Katholische Militärseelsorge seien realistisch und nicht weltfremd. Deshalb warne uns Franziskus in seinem Leitwort, „nicht dem Zynismus und der Globalisierung der Gleichgültigkeit zum Opfer zu fallen“ (WFTB 2018).

Auch Bundespolizisten und Vertreter von Streitkräften verschiedener Länder haben am Empfang teilgenommen. © KS / Jörg Volpers
Auch Bundespolizisten und Vertreter von Streitkräften verschiedener Länder haben am Empfang teilgenommen. © KS / Jörg Volpers

Militärgeneralvikar Bartmann betonte, dass jeden Tag um der Welt, der Schöpfung und der Geschöpfe willen um den Frieden gerungen werde müsse. Mitunter gelte es auch, mit gewaltförmigen Mitteln Voraussetzungen für Frieden zu schaffen. Der Dienst des Soldaten in der Bundeswehr sei immer ein Friedensdienst.

Oberst Rüdiger Attermeyer, Vorsitzender der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) © KS / Jörg Volpers
Oberst Rüdiger Attermeyer, Vorsitzender der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) © KS / Jörg Volpers

Zuletzt richtete Oberst Rüdiger Attermeyer für die Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) einige Worte an die Anwesenden. Die GKS bemängele schon seit geraumer Zeit das völlige Ausbleiben einer gesellschaftlichen Debatte um eine Sicherheitspolitik, die alle und nicht ausschließlich militärische Mittel koordiniert einsetze. Zudem erwarte er von den Deutschen Bischöfen auch weiterhin Stellungnahmen zum aktuellen politischen und gesellschaftlichen Geschehen.

Friederike Frücht