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„Willst Du den Frieden, rüste zum Krieg!“

Katholische Soldaten im Werkstattgespräch

 

 

Werkstattgespräch unter Moderation von Militärdekan Bernd Schaller (li.) © KS / Doreen Bierdel
Werkstattgespräch unter Moderation von Militärdekan Bernd Schaller (li.) © KS / Doreen Bierdel

Der für dieses Werkstattgespräch gewählte Hörsaal im zweiten Obergeschoss im Fürstenberghaus erwies sich bereits am Beginn der von katholischen Soldaten initiierten Veranstaltung als zu klein. Dabei fiel auf, dass sich, wie bereits in vergleichbaren Podien und Werkstattgesprächen, vorrangig junge - und darunter eine stattliche Anzahl weiblicher - Katholikentagsbesucher, eingefunden hatten.

Sie wollten nun von den drei im Podium agierenden Soldaten wissen, ob es zutreffend und ethisch vertretbar ist, sich um des Friedens willen „zum Kriege zu rüsten“. Es ging also in dem gut zweistündigen Werkstattgespräch unter Leitung des Geistlichen Beirats des Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS), Militärdekan Bernd F. Schaller, darum, diesem alten römischen Sprichwort für die heutige Situation „auf den Zahn zu fühlen“.

Für die im österreichischen Bundesheer organisierten katholischen Soldaten in der „Arbeitsgemeinschaft Katholischer Soldaten“ (AKS) - vergleichbar der deutschen GKS -, eröffnete Brigadier Martin Jawurek, Militärkommandant für Niederösterreich, den Reigen der Statements. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die für das österreichische Bundesheer geltenden verfassungsrechtlichen und soldatenrechtlichen Grundlagen, die den Rahmen dafür bilden, sich auch als Christ und Katholik im österreichischen Bundesheer zu engagieren. Zugleich verwies er in diesem Zusammenhang auf grundlegende Dokumente der katholischen Kirche, die es Katholiken durchaus ermöglichen, einen Dienst in den jeweiligen Streitkräften eines Landes zu leisten.  

Der Militärhistoriker und Oberst in der Bundeswehr, Prof. Dr. Winfried Heinemann ordnete seine Einlassungen in den Ausgang des 2. Weltkriegs und den Beginn der Wiederbewaffungsdebatte im Nachkriegsdeutschland ein. Er erinnerte in diesem Zusammenhang auch daran, dass aus dem Erbe der Wehrmacht in Deutschland für die Wiederbewaffnung und der Gründung der Bundeswehr die notwendigen Konsequenzen gezogen wurden. Es gilt als gesichert, dass das „Erbe Wehrmacht“ nicht die Tradition der Bundeswehr bestimmte. Mit Blick auf das gestellte Thema der Veranstaltung verwies Heinemann auf die schweren Bombenangriffe aus der Luft auf die Stadt Münster während des II. Weltkriegs: Nach den Angriffen Anfang 1942 blieb die Stadt Münster zunächst für 18 Monate lang von schweren Bombenangriffen verschont. Erst in der Nacht zum 12. Juni 1943 griffen 72 Bomber die Stadt an, die verheerende Schäden anrichteten. 

Den Abschluss der Statements machte Oberst Rüdiger Attermeyer, der seit 2009 als ehrenamtlicher Bundesvorsitzender den verbandsähnlichen Zusammenschluss GKS führt. Auch er erinnerte an die kirchlichen und mithin auch soldatenrechtlichen Grundlagen für den Dienst der Soldatinnen und Soldaten in Deutschland und verwies mit Blick auf die Grundsätze der Inneren Führung und einer zeitgemäßen Menschenführung in den deutschenStreitkräften auf das Gewissen und die Gewissensentscheidung, die jeden Soldaten vorbehalten ist. Er erinnerte dabei zugleich an einen der Leitsätze der GKS, die in der Verwirklichung der Menschenrechte, wie sie in unserem Grundgesetz zusichert sind, und in der Durchsetzung des Völkerrechts, wie es die UN-Charta fordert, optimale Bedingungen, unter denen sich Menschen in Würde entfalten und Völker in Freiheit entwickeln können. 

Die sich den Statements anschließende Diskussion konzentrierter sich über weite Strecken an dem Einsatz deutscher Streitkräfte, die über die bündnisbezogene Landesverteidigung, ob mit oder ohne Mandat der Vereinten Nationen (UN) hinausgehen. Dabei wurde deutlich, dass es sich bei einem militärischen Einsatz nicht vorrangig um ein „letztes Mittel“ handeln kann, sondern um das „äußerste staatliche Gewaltmittel“, welches nur dann angesetzt werden darf, wenn dieser Beitrag als zwingendes Handeln in einem politischen Gesamtkonzept erfolgversprechend ist. Schwierig ist in diesem Zusammenhang oftmals die zeitliche Entscheidung. „Zu früh“ kann dabei ebenso falsch sein wie ein „zu spät“.

Josef König

Im Dienstanzug auf dem Katholikentag

© KS / Doreen Bierdel
© KS / Doreen Bierdel

Ein Interview mit Oberstleutnant Oliver Ponsold zum Motto des Katholikentags "Suche Frieden". Und darüber, wie andere Teilnehmer reagieren, wenn sie Soldaten sehen.

Bildergalerie

Zu den Bildern von den Veranstaltungen der Katholischen Militärseelsorge auf dem Katholikentag klicken Sie bitte auf das Bild.