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„Krieg im Namen des Herrn?“ Eine biblisch historische Spurensuche

Ist das Alte Testament hilfreich, wenn es darum geht, Frieden zu stiften? Darüber diskutierten die Religionspädagogin Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke, der Alttestamentler und Referatsleiter im Katholischen Militärbischofsamt, Prof. Dr. Thomas Elßner, und der Historiker und Mitglied in der Kommission für Zeitgeschichte, Dr. Frank Kleinehagenbrock.   

V.l.n.r.: Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke, Prof. Dr. Thomas Elßner, Dr. Frank Kleinehagenbrock © KS / Doreen Bierdel
V.l.n.r.: Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke, Prof. Dr. Thomas Elßner, Dr. Frank Kleinehagenbrock © KS / Doreen Bierdel

Münster, 12.05.2018. Zu dem Podium beim Katholikentag „Krieg im Namen des Herrn?“ waren etwa 100 Zuhörer gekommen. Deren Fragen brachte Dr. Daniela Blum als Anwältin des Publikums ein. Der Journalist Meinhard Schmidt-Degenhard moderierte die Diskussion.

Nicht neu

Kriege und Gewalt im Namen Gottes sind kein neues Phänomen. Nicht erst die Terrormiliz Islamischer Staat führt Krieg im Namen Gottes. Der Historiker Dr. Frank Kleinehagenbrock sieht seit jeher den Zusammenhang zwischen Krieg und Religion und nannte den 30jährigen Krieg, den Krieg im ehemaligen Jugoslawien und die Gewalt zwischen Moslems und Hindus in Indien als Beispiele für religiös aufgeladene Konflikte.

Worum geht es in religiösen Kriegen?

Historiker Kleinehagenbrock wies darauf hin, dass häufig kulturelle Unterschiede und politische Konflikte zu Gewalt führen und religiös aufgeladen und legitimiert werden können. So konnte Krieg in der Vergangenheit als Strafe Gottes aufgefasst werden, gleichzeitig zeigte sich im 30jährigen Krieg auch die Sorge um den rechten Glauben als Bedingung für ewiges Leben. Solche Gewalt zwischen Katholiken und Protestanten ist in Mitteleuropa gegenwärtig kaum vorstellbar. Möglicherweise zeigt sich darin schon ein Unterschied zwischen Religion und Auslegung einer heiligen Schrift.

Legitimiert die Bibel Gewalt?

Prof. Dr. Thomas Elßner, Referatsleiter bei der Katholischen Militärseelsorge, zeigte zunächst, dass man nicht von der Bibel, dem Alten und dem Neuen Testament sprechen könne. Denn die Bibel ist eine Zusammenstellung von Büchern aus verschiedenen Jahrhunderte und von unterschiedlichen Autoren. 

Besonders mit Blick auf jahrtausendealte Texte sei es notwendig, Bibelstellen in ihrem historischen Kontext zu betrachten. Er forderte dazu auf, sich exegetisch damit zu beschäftigen, statt aus jahrtausendealten Texten direkte Handlungsanweisungen für die Gegenwart abzuleiten. 

Doch wie ist das mit dem Töten? Viele Bibelstellen legitimieren Gewalt zur Selbstverteidigung, es gibt auch Aufrufe zu Gewalt. Das Tötungsverbot im Buch Exodus, das fünfte der zehn Gebote, verbiete – wörtlich übersetzt – nicht das Töten, sondern das Morden, sagte Prof. Elßner. Und auch die Bergpredigt Jesu sein noch keine Staatslehre, so Elßner.

Wie geht man nun mit der Bibel um, wenn es um Frieden geht?

Für die Religionspädagogin Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke gehören auch die gewaltbeladenen Bibelstellen zur Überlieferung der Heiligen Schrift. Man müsse sich mit ihnen auseinandersetzen. Doch sei es wichtig, vor allem solche Bibelstellen in den Blick zu nehmen, die Wege zum Frieden zeigen. Frieden erfordere aktive Mitwirkung und Auseinandersetzung mit der Lebenswelt anderer Menschen. Dabei seien Erziehung zu Mitgefühl und Gewaltfreiheit schon jetzt Elemente im Religionsunterricht an Schulen. 

Darstellungen von Gewalt in der Bibel haben also ganz unterschiedliche Ursachen, vom Standpunkt der Autoren der biblischen Bücher bis hin zum historischen Kontext. Die verschiedenen Texte verbieten und legitimieren Gewalt. Wer jedoch Frieden bewirken will, sollte sich vor allem an den zahlreichen Friedensbotschaften der Bibel orientieren. 

Barbara Dreiling