Pontifikalgottesdienst im Zeltlager: Erfahrung von Gemeinschaft

Es war ein Gottesdienst im Licht zweier Päpste: Gemeinsam mit den Soldatinnen und Soldaten feierte der Katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck für den vor wenigen Wochen verstorbenen Papst Franziskus und für dessen Nachfolger Papst Leo XIV., der tags darauf offiziell in sein Amt eingeführt wurde, eine Messe im Zeltlager. Bischof Overbeck sagte, damit wolle die Militärseelsorge ein Zeichen zu setzen, „dass wir in Dankbarkeit an Franziskus denken, für ihn beten und um Fürbitte für uns flehen und gleichzeitig für Papst Leo um die Gaben des Geistes bitten.“
Der Gottesdienst im Zeltlager, gemeinsam gefeiert mit den Soldatinnen und Soldaten aus der Schweiz, ist der eigentliche Höhepunkt der Internationalen Soldatenwallfahrt für die Angehörigen der Bundeswehr. Und wenn wie am Samstag das Wetter mitspielt, die Vormittagssonne wärmt und die Militärmusik, in diesem Jahr das Heeresmusikkorps aus Koblenz, mit seinen feierlichen Klängen die Messe umrahmt, dann ist das der ideale Auftakt zu einem ereignisreichen Tag in Lourdes, der erst am späten Abend mit der beeindruckenden Lichterprozession endet.
Bereits zu Beginn des Gottesdienstes hatte der Militärbischof den Soldatinnen und Soldaten in Erinnerung gerufen, weshalb sie hier sind. „Wir machen hier die Erfahrung von Gemeinschaft, eine Erfahrung, dass Gott in unserer Mitte ist und eine Erfahrung unter Gleichgesinnten, mit Menschen, die glauben, hoffen und lieben.“
In seiner Predigt ging Bischof Overbeck auf den verstorbenen Papst Franziskus ein. Dieser habe die Kirche als ein Feldlazarett beschrieben, also als einen Ort, unter dem sich Soldaten durchaus etwas vorstellen können: „Es ist ein Ort, wo Menschen Geborgenheit und Heimat finden und andere Menschen, die ihnen beistehen.“
Ehe er sich den Gedanken Papst Franzikus‘ zuwandte, zitierte Bischof Overbeck die kürzlich im Alter von 103 Jahren verstorbene Margot Friedländer, eine deutsche Überlebende des Holocaust. Sie sagte: „Es gibt kein jüdisches Blut, es gibt kein aramäisches Blut, es gibt kein muslimisches und kein christliches Blut, es gibt nur menschliches Blut. Seid Mensch.“
Und zu diesem Menschsein als Christ habe Papst Franziskus vier Perspektiven entwickelt: Die erste sei „Einheit statt Konflikt“. Der Bischof dazu: „Wir leben in konfliktreichen Zeiten. Es scheint, dass wir als Christen die Aufgabe haben, alles zu tun, was die Einheit stärkt und den Konflikt mindert. Das bedeute insbesondere, versöhnungsbereit und deshalb zu vielen Kompromissen fähig zu sein.
Die weiteren Perspektiven: „Die Wirklichkeit ist stärker als die Idee“, „Die Zeit ist wichtiger als der Raum“ und „Die Einheit und das Gemeinsame ist wichtiger als die Teilung.“
Ein besonders berührender Moment in dieser besonderen Atmosphäre des Zeltlager-Gottesdienstes war die Taufe eines Soldaten. Ein junger Oberfähnrich empfing von Militärbischof Overbeck die Taufe, die Firmung und die Erstkommunion.
Nach dem Gottesdienst ging es weiter in die Cité Saint-Pierre zu Mittagessen, Empfang und Gespräch mit dem Militärbischof, ehe die Soldatinnen und Soldaten die Kerze zu Ehren ihrer gefallenen Kameraden hinunter in den Heiligen Bezirk trugen.
Theo Weisenburger



