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Soldaten in Mali und ihre Weihnachtswünsche

Der katholische Militärdekan Alexander Prosche hat die Bundeswehr-Soldaten in Koulikoro bei der Mission EUTM Mali begleitet. Im Interview berichtet er, wie schwierig es für die Soldatinnen und Soldaten ist, im Einsatz den Advent und Weihnachten zu feiern.

Die Fragen stellte Friederike Frücht


Militärdekan Alexander Prosche mit Redakteurin Friederike Frücht in Bamako (Mali) © KMBA / Joachim Simon
Militärdekan Alexander Prosche mit Redakteurin Friederike Frücht in Bamako (Mali) © KMBA / Joachim Simon

Wie oft haben Sie schon die Soldatinnen und Soldaten in den Einsatz begleitet? 

Prosche: Hier in Koulikoro ist es jetzt meine dritte Einsatzbegleitung. Ich war schon in Mazar-e Sharif in Afghanistan, und als Wiederholungstäter jetzt das zweite Mal in Koulikoro. 

Wie kommt hier Adventsstimmung auf? 

Prosche: Es ist schwierig. Adventsstimmung kommt ganz schwer auf. Wir haben Adventskränze aufgehängt. Und wir haben uns gedacht, Mensch, da müssen doch noch Kerzen drauf. Das haben wir abends gemacht. Am nächsten Tag waren alle schon durch die Sonneneinstrahlung umgeknickt und haben das Tropfen angefangen. Auch deswegen kam die Stimmung nicht mehr ganz auf. Dem Spieß ist sogar Wachs auf den Kopf getropft. 

Gestern in der Früh gab's ein Frühstück und es wurden Weihnachtslieder gespielt. Aber zum einen ist ja noch nicht Weihnachten und zum anderen ist es über 30 Grad, staubig und dreckig, nicht kalt... Adventsstimmung ist da einfach schwierig. 

Braucht man Adventsstimmung hier denn überhaupt? 

Prosche: Ja, schon. In Gesprächen mit den Soldaten ist jetzt auch immer wieder Weihnachten ein Thema. Für viele ist es das erste Mal, dass sie an Weihnachten nicht zu Hause sind. Getrennt von der Familie, von der Frau, vom Mann, von Kindern. Das ist eine ganz besondere Belastung. Sie können sich nicht vorstellen, Weihnachten hier in diesem Land zu feiern. Da knabbern die Soldaten schon dran. 

Haben die Soldaten einen besonderen Wunsch für diese Vorweihnachtszeit und dann auch für Weihnachten? 

Prosche: Ja, sie wünschen sich, dass es ruhig bleibt. Dass keine überflüssigen Befehle kommen.

Es ist also schon eine zusätzliche Herausforderung über Weihnachten im Einsatz zu sein? 

Prosche: Ja. Einige sind aber auch froh, dass sie über Weihnachten nicht zu Hause sind, weil sie diesen Weihnachtstrubel nicht mögen. Ein Soldat erzählte, dass er froh drüber sei, keine Geschenke einkaufen zu müssen und an den Feiertagen nicht die ganze Familie „abzuklappern“ habe. Für ihn sei Weihnachten im Einsatz deutlich entspannter. 

Gibt es neben dem Adventskranz noch andere Adventsbegleiter? 

Prosche: Wir sind hier tatsächlich super ausgerüstet: Wir haben Adventskalender, Spekulatius, Plätzchen, Stollen. Zu Nikolaus habe ich den echten Nikolaus, natürlich aus Schokolade, verteilt. Im Vorfeld habe ich mit anderer Schokolade getestet, ob die ungeschmolzen ankommt. Das hat funktioniert, also stand dem Schokoladennikolaus nichts mehr im Weg. 

Kommen jetzt vor Weihnachten mehr Soldaten auf Sie zu? 

Prosche: Auf jeden Fall. Sie teilen mir ihre Gedanken mit. Einige haben auch überlegt, den Einsatz abzubrechen, weil sie natürlich auch von ihren Angehörigen vermisst werden. Mit den Zuhausegebliebenen telefoniere ich auch und versuche sie ebenfalls zu unterstützen.



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