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Quarantäne mit „Hofgang“ und Fenster

27. Juli 2020. Um die Verbreitung von Covid-19 in Einsatzgebieten der Bundeswehr zu verhindern, müssen Soldatinnen und Soldaten, die in einen Auslandseinsatz gehen, davor rund zwei Wochen in Quarantäne. Wie lebt es sich in der Isolation?
Mit Oberstabsgefreiter Christoph E. chattete Barbara Dreiling.

Eine Woche Quarantäne liegt schon hinter dir. Was ist deine Erfahrung?

Christoph E.: Ich dachte an einen der Adventsimpulse der Katholischen Militärseelsorge, in dem es um geschenkte Zeit ging. Gerade in der Quarantäne ist man unermesslich reich an geschenkter Zeit und es vereinfacht auch den Umgang mit der Situation, wenn man es positiv sieht. 

Was meinst du mit „geschenkter Zeit“?

Christoph E.: Geschenkte Zeit, klingt aus einer Quarantäne-Situation heraus erstmal ungewöhnlich. Jedoch hatte ich zu Hause in den Wochen vor der Quarantäne noch einiges abzuschließen. Lange Tage, viele Aufgaben – und nun zwei Wochen Zeit, um mich erholen zu können. Das ist für mich persönlich geschenkte Zeit. Verständlich ist jedoch, dass man diese 14 Tage noch lieber mit der Familie verbracht hätte.

Ist das nicht belastend?

Christoph E.: Viele können zu Hause nicht einfach mal stillhalten, viele Menschen können nicht nichts tun. Dafür ist das hier wirklich eine Art „Runterkommen“. Für die Zocker ist es hingegen kein Unterschied, ob sie hier oder zu Hause vor dem PC, der Playstation oder was auch immer sitzen.

Aber ihr seid ja nicht wirklich getrennt. Was macht ihr jetzt so, um miteinander in Kontakt zu sein?

Christoph E.: Doch, wir sind schon wirklich getrennt. Wichtig ist meiner Meinung nach, zu unterscheiden zwischen Treffen in der Freizeit und dem einstündigen persönlichen Sehen und Sprechen hier beim „Hofgang“. Der „Hofgang“ ist eine feine Sache, weil man wirklich mal unter vier Augen sprechen kann, über Themen, die nicht noch andere wegen der dünnen Wände mitbekommen müssen. „Fenstering“ funktioniert auch, weil ich meinen Nachbarn kenne, man viele Gesprächsthemen hat. Es ist schön, dass er schon Erfahrungen im Einsatzland gesammelt hat. Persönlicher wird man am Fenster aber aufgrund der „Mithörenden“ oft nicht.

Das hört sich so an, als ob es dir ganz gut geht?

Christoph E.: Gegenfrage: Inwieweit hilft es mir physisch oder psychisch, mir die Situation schlechter zu reden als sie ist? Oder: Welche Wahl, außer die Situation so anzunehmen, wie sie ist, habe ich? Als Soldat kommt man immer wieder in Situationen, die man so annehmen muss, wie sie sind. Das gehört zu meinem Verständnis von militärischer Disziplin und spiegelt auch eine gewisse Professionalität wider.


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