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„Das ist ein kleines Wunder“

Pilgern bedeutet, sich zu einem Ziel aufmachen, um aus einer neuen Perspektive auf sein Leben zu schauen. Man muss dafür eine Wegstrecke zurücklegen und sich von seiner Heimat und seinen Gewohnheiten entfernen.

So machten es auch die Soldatinnen und Soldaten bei der Internationalen Soldatenwallfahrt nach Lourdes. In zwei Sonderzügen sind sie zwei Tage lang durch Deutschland und Frankreich gefahren, um den Marienwallfahrtsort am Rande der Pyrenäen zu erreichen.

Wir haben mit Pfarrhelfer Christian Törner darüber gesprochen, was das Pilgern im Sonderzug ausmacht. Als Beauftragter des Katholischen Militärbischofsamtes ist er für die Organisation des Sonderzuges I aus Norddeutschland mitverantwortlich.

Die Fragen stellte Barbara Dreiling.



Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr fahren mit zwei Sonderzügen nach Lourdes. © KS / Barbara Dreiling
Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr fahren mit zwei Sonderzügen nach Lourdes. © KS / Barbara Dreiling

Was ist deine Aufgabe im Sonderzug?

Im Grunde ist die Soldatenwallfahrt ja ein "organisatorisches Großprojekt", bei dem viele Instanzen zusammenwirken. Als Mitglied des Leitungsteams bin ich seitens des KMBA [Katholisches Militärbischofsamt – Anm. d. Red.] beauftragt, mich um die kirchlichen Angelegenheiten im Sonderzug I zu kümmern – quasi als Schnittstelle zwischen Pilgern, Militär, KMBA und dem Reisebüro. Auf der Zugfahrt kann sich also praktisch jeder in kirchlicher Angelegenheit an mich wenden, darüber hinaus stelle ich natürlich auch zu allen anderen Themen die entsprechenden Kontakte her oder informiere die jeweiligen Ansprechpartner.

Also eine organisatorische Aufgabe. Was ist konkret zu tun?

Seitens des Leitungsteams übernehmen wir den Zug ja direkt vor der Abfahrt und bereiten alles vor, was die Pilger für eine angenehme und reibungslose Anreise benötigen. Mein Part ist es im Vorfeld, den Zug mit Hinweistafeln, Plakaten und Informationsmaterial auszustatten, sodass sich die Pilger optimal orientieren und auch auf unsere Angebote in Lourdes vorbereiten können. 

Pfarrhelfer Törner verkauft unter anderem Patches im Zug. © KS / Barbara Dreiling
Pfarrhelfer Törner verkauft unter anderem Patches im Zug. © KS / Barbara Dreiling

Und während der Fahrt?

Wir sind Ansprechpartner für die Pilger und versuchen, alles möglich zu machen, damit sie eine gute Reise haben. Das "sich Aufmachen nach Lourdes" ist ein erster, wichtiger Baustein der Wallfahrt – den Alltag hinter sich lassen, sich einlassen auf die Erfahrung, die vor den Teilnehmern liegt. Häufig ergeben sich dabei im Zug schon die ersten, tiefgreifenden Gespräche.

Und natürlich stehen auch ganz konkrete Themen auf der Agenda: Wir unterstützen den Pilgerleiter bei der Organisation von Gottesdiensten. Wir koordinieren die Wagenältesten, die für uns Aufgaben übernehmen. Pro Waggon gibt es zum Beispiel auch einen Soldaten, der in meinem Auftrag die Pilgerabzeichen verteilt. Wir verkaufen auch Patches und Pilgerabzeichen – Accessoires, die den Teilnehmern als schöne Erinnerung dienen.

Warum fährst du immer wieder mit nach Lourdes?

Eigentlich kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen, nicht mitzufahren: Ich bin seit dem Jahr 2000 dabei – Lourdes ist ein persönlicher Kraftort für mich. Mir würde wirklich etwas fehlen, wenn ich nicht mitfahren könnte ... 

Ein Ort, um zur Ruhe zu kommen: Der erste Gottesdienst unterwegs, hier im Dom zu Worms. © KS / Barbara Dreiling
Ein Ort, um zur Ruhe zu kommen: Der erste Gottesdienst unterwegs, hier im Dom zu Worms. © KS / Barbara Dreiling

Was macht das Pilgern im Zug für dich aus?

Der Weg ist zumindest ein Teil des Ziels: Die Reise ist auf jeden Fall wichtig. Wir integrieren bewusst spirituelle Momente, auch in den Zwischenzeiten. So komme auch ich zu meiner "geistlichen Nahrung". 

Diese 24 Stunden im Zug zu sitzen, den Alltag hinter sich zu lassen, und sich mit anderen Soldaten auf die Wallfahrt vorzubereiten, ist wichtig: Leute treffen, sich freuen, dass man sich nach einem Jahr wiedersieht. Erfahren, was sich in der Zwischenzeit verändert hat, wo die Leute heute stehen. Das möchte ich nicht missen, die Gespräche sind das A und O.

Was macht dir am meisten Spaß?

Eigentlich alles, von der Vorbereitung bis zum Abschluss. Sich um die Leute zu kümmern und verschiedene Dienste vor Ort zu übernehmen, macht Spaß, ebenso wie zum Beispiel den Berggottesdienst zu organisieren oder bei der Lichterprozession Sprecher zu sein. Das alles ist für mich ein konkreter, lebendiger Ausdruck meines Glaubens. 

Die Landschaft verändert sich. Kurz vor Lourdes kann man die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen sehen. © KS / Barbara Dreiling
Die Landschaft verändert sich. Kurz vor Lourdes kann man die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen sehen. © KS / Barbara Dreiling

Was ist anstrengend?

[lacht ...] Eigentlich nur der Schlafmangel, den man zum Glück erst bemerkt, wenn wir den Zug nach der guten Rückkehr und der getanen Arbeit in Hamburg wieder übergeben haben. 

Was ist deine stärkste Pilgererfahrung?

Natürlich gibt es sehr viele, sehr persönliche Momente. Übergreifend sind es am ehesten die die Gespräche mit den Pilgern. Auf der Hinfahrt merkt man ihnen Sorgen und Stress an. Doch wie zufrieden sie auf der Rückfahrt wirken!? Das ist ein kleines Wunder. Und wenn sich der Gefreite mit dem Oberst unterhält – die lockeren Gespräche, die im Kasernenalltag kaum vorkommen. So kann der Offizier auch die Sorgen und Nöte von Leuten aufnehmen, mit denen er sonst nicht direkt zu tun hat.



Spenden für die Bahnhofsmission in Lourdes

© KS / Barbara Dreiling


Stimmen von Soldaten zum Pilgern im Zug

"Man lernt selbst aus der eigenen Einheit neue Leute kennen. Hier ist es relativ ungezwungen, man sitzt lockerer zusammen. In der Kaserne ist der Dienstgrad wichtig, hier begegnet man sich auf Augenhöhe."

"Die Zugfahrt ist mit das Schönste während der Wallfahrt."

"Ich finde die Streckenführung des Zuges interessant."

"Gottesdienste können übers Jahr schon mal langweilig werden. Doch hier passiert was Neues. Und wir waren in einem schönen Dom, das war sehr intensiv."