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Karfreitagsgefecht – Was vor zehn Jahren geschah

Erinnerung an drei Soldaten und ihre Kameraden.
Von Barbara Dreiling

Abschied von einem gefallenen Kameraden bei ISAF in Afghanistan © Bundeswehr / Andrea Bienert
Abschied von einem gefallenen Kameraden bei ISAF in Afghanistan © Bundeswehr / Andrea Bienert


Karfreitagsgefecht: Dieser Name steht für einen der traurigsten Tage in der Geschichte der Bundeswehr und die traurige Wirklichkeit des Afghanistan-Einsatzes. Am Karfreitag, 2. April 2010, fielen drei deutsche Soldaten bei einem Feuergefecht in der Nähe von Kundus. 

Wir denken an Hauptfeldwebel Nils Bruns (35), Stabsgefreiten Robert Hartert (25) und Hauptgefreiten Martin Kadir Augustyniak (28) aus dem Fallschirmjäger­-Bataillon 373 in Seedorf. Wir denken an ihre Angehörigen, an ihre Kameraden und Freunde, die um sie trauern.

Als die Soldaten am 2. April 2010 das Feldlager in Kundus verließen, hatten sie den Auftrag, Sprengfallen aufzuspüren und zu beseitigen. Dabei wurden sie in der Ortschaft Isa Khel aus einem Hinterhalt von Taliban angegriffen. Das Gefecht dauerte rund acht Stunden. Neben den drei getöteten Bundeswehr-Soldaten wurden viele weitere schwer verwundet.

Krieg

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten bereits über dreißig deutsche Soldaten in Afghanistan ihr Leben verloren – bei Unfällen, beim Entschärfen von Munition, besonders aber bei Anschlägen und im Gefecht mit den Taliban. In Deutschland vermied man damals das Wort „Krieg“ und schaute vor allem aus der humanitären Perspektive auf den Einsatz am Hindukusch. Es ging um die Stabilisierung des Landes, um Sicherheit und Freiheit für die Menschen in Afghanistan. 

Für die Soldaten im ISAF-Einsatz gehörten Bedrohungen und Angriffe zum Alltag. Viele haben die Erfahrung gemacht, gerade noch mal Glück gehabt, gerade noch mal mit dem Leben davongekommen zu sein. In Deutschland über diese Erlebnisse zu sprechen, fällt vielen Soldatinnen und Soldaten nicht leicht. Wer will sie verstehen? 

„Knapp dem Tod entkommen“

In seinem Buch „Vier Tage im November“ beschreibt der ehemalige Soldat Johannes Clair den Alltag im Afghanistan-Einsatz: 

Am Abend fiel es mir schwer, einzuschlafen. Zu viele Gedanken kreisten in meinem Kopf. Ich arbeitete die Erlebnisse durch und fühlte mich nicht schlecht dabei. Es gab hier Menschen, die uns bekämpften, mit versteckten Bomben und mit Maschinengewehren. Ich war heute knapp dem Tod entkommen. Das alles fühlte sich fast normal an, denn immerhin befand ich mich im Krieg. An diesem Tag war er greifbar geworden. Ich schmeckte ihn in dem Sand, den ich bei der Explosion geschluckt hatte, und roch ihn in dem Schießpulver beim Abfeuern der Waffen.

Johannes Clair

Wir denken in dieser Woche auch an die Soldaten, die nur wenige Tage nach dem Karfreitagsgefecht im ISAF-Einsatz gefallen sind: Major Jörn Radloff (38), Hauptfeldwebel Marius Dubnicki (32), Stabsunteroffizier Josef Kronawitter (24) und Oberstabsarzt Dr. Thomas Broer (33). Sie waren am 15. April 2010 auf Patrouille, als sie bei Baghlan angegriffen und getötet wurden. In Gedanken erinnern wir uns alle, die ihr Leben im Einsatz, einsatzgleichen Verpflichtungen und im Dienst verloren. 




Abschied von drei Kameraden

© Bundeswehr / PAO
© Bundeswehr / PAO

2.4.2020. Militärdekan Bernd Schaller erinnert an den Abschied von den gefallenen Kameraden im Feldlager Kundus. Am Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin erzählt er von der Trauerfeier und warum Karfreitag und Ostersonntag für ihn zusammengehören.

"Sprengstoffanschläge und Feuergefechte"

© Bundeswehr / Jane Hannemann
© Bundeswehr / Jane Hannemann

31.03.2020. Soldatinnen und Soldaten berichten im Interview, was sie mit Karfreitag und mit dem Karfreitagsgefecht verbinden. Einige können aus eigener Einsatzerfahrung sprechen.

Buch des Gedenkens am Ehrenmal der Bundeswehr © KS / Norbert Stäblein
Buch des Gedenkens am Ehrenmal der Bundeswehr © KS / Norbert Stäblein

Totengedenken bei der Bundeswehr

Bisher verloren im Afghanistan-Einsatz 59 Soldaten ihr Leben. Auch in anderen Einsatzgebieten wurden Soldaten getötet. Ihnen sind der Wald der Erinnerung und das Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin gewidmet. 

Das Jahr 2010 in Afghanistan

© Bundeswehr / Jane Hannemann
© Bundeswehr / Jane Hannemann

Erinnerung an die gefallenen Soldaten und Informationen zu den Ereignissen auf bundeswehr.de

Gefallen und verwundet im Kampf

© ZMSBw
© ZMSBw

Sonderheft des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

Weihnachtswünsche der Soldaten in Mali

© KMBA / Joachim Simon
© KMBA / Joachim Simon

18.12.2019. Militärdekan Alexander Prosche hat die Bundeswehr-Soldaten in Koulikoro bei der Mission EUTM Mali begleitet. Im Interview berichtet er, wie schwierig es ist, im Einsatz Advent und Weihnachten zu feiern.

Umziehen oder Pendeln?

© Bundeswehr / Daniel Dinnebier
© Bundeswehr / Daniel Dinnebier

04.10.2018. Viele Soldaten müssen beruflich weite Strecken pendeln und können nur am Wochenende bei ihren Familien sein. Der Soldatenberuf erfordert hohe Mobilität. Doch wie wirken sich Pendeln und Wochenendbeziehungen auf Freunde und Familien aus?

Von Uniformen, Selfies, Regen und Rollstühlen

© KS / Doreen Bierdel
© KS / Doreen Bierdel

23.05.2019. Lourdes ist eine Kleinstadt in den Pyrenäen. Doch für viele Bundeswehr-Soldaten steht sie für eine Lebenserfahrung.

"Der Pilger ist ja niemals alleine unterwegs"

© KS / Doreen Bierdel
© KS / Doreen Bierdel

29.05.2019. In Kurzinterviews während der 61. Internationalen Soldatenwallfahrt nach Lourdes erzählen Soldatinnen und Soldaten, was ihnen die Wallfahrt und das Pilgern bedeuten.