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Literaturtipps zum militärischen Widerstand

Vor 75 Jahren, am 20. Juli 1944, wollten sie das unsägliche Blutvergießen und das Unrecht des Naziregimes beenden. Als Soldaten waren sie dem Wohl ihres Landes verpflichtet und hatten Pläne für ein neues Deutschland. Nach dem gescheiterten Versuch, Hitler zu töten, wurden sie selbst Opfer der Nazis - und Vorbilder für die Freiheit des Gewissens. Unsere Literaturtipps zum militärischen Widerstand.

von Jörg Volpers und Barbara Dreiling


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Winfried Heinemann, Unternehmen „Walküre“.

Eine Militärgeschichte des 20. Juli 1944; 2019; ISBN 978-3-11-063731-1

In der Reihe „Zeitalter der Weltkriege“ nimmt der langjährige Soldat und Mitarbeiter des „Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr“ sich vor, eine „Militärgeschichte“ des Umsturzversuchs zu schreiben – die es nach seinem Eindruck bislang so nicht gab. Welche militärischen Überlegungen lagen dem Handeln der Verschwörer zugrunde? Was waren die Auswirkungen von Attentat und Staatsstreich-Versuch auf das Militär der Nachkriegszeit in Ost- und Westdeutschland sowie in Österreich? 

Siehe auch: „Kompass. Soldat in Welt und Kirche“, 07-08/19, S. 8-9: „Aufstand des Gewissens“: Interview mit dem Autor; und „Auftrag. Verbandszeitschrift der Gemeinschaft Katholischer Soldaten“, 1/2019, Heft 303, S. 42-45: „75 Jahre nach dem Umsturzversuch Claus Schenk Graf von Stauffenbergs“

Sophie von Bechtolsheim, Stauffenberg
Mein Großvater war kein Attentäter; 2019; ISBN 978-3-451-07217-8

Die Biografie „Stauffenberg. Mein Großvater war kein Attentäter“ ist eine Annäherung an den Menschen Claus Schenk Graf von Stauffenberg und eine Würdigung der Persönlichkeit, die mehr ist als die Ereignisse des 20. Juli 1944. Die Erinnerungen von Stauffenbergs Frau und anderer Familienmitglieder nehmen breiten Raum ein. Die Autorin widerspricht der Ansicht, Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf einen Tag seines Lebens und eine Tat reduzieren zu können: „Eines aber weiß ich gewiss: Die Persönlichkeit meines Großvaters lässt sich nicht darauf reduzieren, Attentäter gewesen zu sein.“ Stattdessen betont Sophie von Bechtolsheim, dass Stauffenberg ein Teil des gesamten militärischen und zivilen Widerstands gegen das Naziregime war.

Sophie von Bechtolsheim, geboren 1968, ist die Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Als Historikerin kennt sie den geschichtswissenschaftlichen Blick auf den 20. Juli 1944. Ihr Buch zeigt, dass die familiäre Perspektive für das Verständnis der Person ebenso wichtig ist wie seine Tätigkeit im Widerstand.

 

Thomas Karlauf, Stauffenberg

Porträt eines Attentäters; 2019; ISBN 978-3-89667-411-1

Bereits im März 2019 erschien das Widerstands-Porträt von Thomas Karlauf mit der Fragestellung: „Wer war Claus von Stauffenberg?“ Karlauf ist zwar kein Historiker, hatte aber bereits mehrere Biographien betreut und verfasst, darunter 2007 eine zum Dichter Stefan George. Von ihm und seinem Verehrerkreis sieht Karlauf Stauffenberg und dessen älteren Bruder Berthold stark beeinflusst. Dies und der programmatische Untertitel „Porträt eines Attentäters“ haben in den letzten Wochen eine heftige Diskussion über das Buch ausgelöst.

Thomas Karlauf richtet seinen Blick vor allem auf drei Lebenswelten, die aus seiner Sicht die Ideen und die Entwicklung Stauffenbergs prägten: Familientradition, Offizierkorps und eben die Bindung an den Dichter George.

 

Manfred Lütz / Paulus van Husen, Als der Wagen nicht kam

Eine wahre Geschichte aus dem Widerstand; 2019; ISBN 978-3-451-38421-9

Die Memoiren eines der wenigen Mitverschwörer des Attentats auf Hitler, Paulus van Husen (1891–1971). Das Mitglied des Kreisauer Kreises überlebte und geriet in Vergessenheit, obwohl er in der Bundesrepublik noch Karriere machte. Die Texte wurden erst kürzlich von seinem Großneffen, dem bekannten Autor Manfred Lütz, entdeckt und im Frühjahr 2019 veröffentlicht. Nachteilig ist, dass bei der Fülle an erwähnten Namen ein Personenregister fehlt.

Siehe auch: „Kompass. Soldat in Welt und Kirche“, 07-08/19, S. 24-25: „Mutige Zeugen: Ein Jurist vertraut seinem Schutzengel.“

 

Alfred Delp, Aufzeichnungen aus dem Gefängnis

Neuausgabe 2019; ISBN 978-3-451-38399-1

Über den militärischen Widerstand hinaus gab es verschiedene zivile Widerstandsgruppen, die das zukünftige Deutschland im Blick hatten und neue politische Systeme entwarfen. Der Kreisauer Kreis, zu dem der Jesuit Alfred Delp gehörte, war eine solche Widerstandsgruppe. Die Mitglieder vereinte die Ablehnung der nationalsozialistischen Diktatur trotz verschiedener politischer Ansichten.

Delps mit gefesselten Händen geschriebenen und aus dem Gefängnis geschmuggelten Briefe und Aufsätze zeugen von der Unmenschlichkeit und vom Unrecht des nationalsozialistischen Regimes. Sie machen sie deutlich, wie Alfred Delp als Christ Verfolgung, Haft, Verhöre und schließlich das Todesurteil auf sich nimmt. Gleichzeitig beschreibt er die Bedingungen für eine neue Gesellschaft und einen neuen Staat aus christlicher Sicht. Ein Buch, das dazu beiträgt, die Haltung der Christen im Widerstand kennenzulernen, ebenso wie die Texte des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, die unter dem Titel „Widerstand und Ergebung“ erschienen sind.

 

Ulrich Schlie, Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Biografie; 2018; ISBN 978-3-451-03147-2

Die Biografie „Claus Schenk Graf von Stauffenberg“ von Ulrich Schlie ist ein kompakter Überblick über die Person Stauffenberg und die Gruppe des militärischen Widerstands gegen Hitler. Stauffenberg war kein Einzeltäter. Das wird gleich im ersten Kapitel deutlich, in dem der Autor die Personen und die ihnen zugewiesenen Aufgaben bei der Operation „Walküre“ sowie den Verlauf des 20. Juli 1944 beschreibt. 

Ein eigenes Kapitel unter dem Titel „Dienen und Kämpfen“ widmet sich dem Soldaten Stauffenberg und seinem Verständnis vom Beruf des Soldaten, das mit den Zielen der Nationalsozialisten nicht vereinbar war. Das letzte Kapitel „Ein schwieriger Held“ zeigt, wie der militärische Widerstand die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland geprägt hat.