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„Wie zu Hause“


Soldaten aus über 40 Nationen treffen sich jedes Jahr bei der Internationalen Soldatenwallfahrt in Lourdes. © Christina Lux
Soldaten aus über 40 Nationen treffen sich jedes Jahr bei der Internationalen Soldatenwallfahrt in Lourdes. © Christina Lux

Lourdes / Nordholz, 24.05.2018. Er war in diesem Jahr zum ersten Mal in Lourdes: 2.000 Kilometer Zugfahrt, Begegnung mit Soldaten aus aller Welt, Gottesdienste, Firmung, Konzerte und lange Abende beim Bier. Oberbootsmann Felix Winkler hat die Internationale Soldatenwallfahrt vom 16. bis 22. Mai 2018 miterlebt.

Gemeinsam mit 880 Pilgern aus Deutschland – Soldaten, Familienangehörige und Militärseelsorger – reiste der 26-Jährige in den südfranzösischen Wallfahrtsort am Rand der Pyrenäen. Die anderthalbtägige Fahrt im Sonderzug schreckte ihn nicht. Stattdessen erzählte er von seiner Vorfreude, dass er Lourdes einfach mal erleben möchte und „der Gottesdienst auf dem Bahnsteig, der war echt klasse“. 

Eröffnungsgottesdienst an der Grotte Massabielle © Christina Lux
Eröffnungsgottesdienst an der Grotte Massabielle © Christina Lux

Felix Winkler ist Soldat bei der Marine in Nordholz und IT-Spezialist. Er ist zuständig für Computersysteme, die in Einsatzgebieten oder bei Manövern benötigt werden. Doch für die nächsten sieben Tage ist er Pilger. 

Nach der Ankunft in Lourdes am 17. Mai 2018 führt Militärpfarrer Mirko Zawiasa die Gruppe aus Nordholz zunächst durch den Heiligen Bezirk und an die Grotte Massabielle. Das ist der Ort, an dem die Müllerstochter Bernadette Soubirous 18 Erscheinungen der Gottesmutter Maria erlebte.

Oberbootsmann Felix Winkler (3.v.l.) während der Firmung © Christina Lux
Oberbootsmann Felix Winkler (3.v.l.) während der Firmung © Christina Lux

Die Soldaten aus Nordholz stellen sich in der langen Schlange an und flüstern nur noch. Nach ein paar Metern nehmen sie ihre Schiffchen ab. Sogar die Schweizer Gardisten klemmen ihre sperrigen Helme mit den roten Federn unter den Arm. Stille. Sie gehen weiter und tasten mit der linken Hand am Felsen entlang. Sie berühren die kalten Steine, spüren den Ort, an dem Maria dem Mädchen Bernadette Soubirous ganz nahe war. Die Felsen sind von Millionen Händen poliert. Seit den Erscheinungen im Jahr 1858 riss der Pilgerstrom nicht ab. In den wenigen Ritzen stecken kleine Papierzettel. Andere werfen Zettel mit Gebetsanliegen in eine große Box in der Mitte der Grotte. Oberbootsmann Winkler glaubt an Wunder. „Es gibt so viel, das wir nicht erklären können“, und „solange mir keiner das Gegenteil beweist, bin ich erstmal weltoffen“, sagte er an der Grotte. 

Fackelträger bei der Lichterprozession © Christina Lux
Fackelträger bei der Lichterprozession © Christina Lux

Zwei Tage später beim Gottesdienst im Zeltlager empfängt er von Militärbischof Overbeck das Sakrament der Firmung. Zuvor hatte Militärpfarrer Zawiasa ihn, der bisher evangelisch war, in die katholische Kirche aufgenommen. „Je mehr ich mit der katholischen Kirche zu tun hatte, desto mehr habe ich entdeckt, dass das mein Weg des Glaubens ist“, sagt er zu seiner Entscheidung.

Im Anschluss an den Gottesdienst schüttelt er dutzende Hände der Gratulanten zu seiner Firmung, dann noch ein Foto der Firmlinge mit dem Bischof, dann noch Fragen von Journalisten beantworten. Abends ist er Fackelträger bei der Lichterprozession, ganz nah an der Figur der Muttergottes, die zwischen tausenden Gläubigen in der Prozession mitgetragen wird.

Auf der Rückfahrt nach seinen Erlebnissen gefragt, antwortet er: „Es war unbeschreiblich, absolut nicht in Worte zu fassen, was da in der Luft liegt, die Freundlichkeit, das Miteinander, auf der Straße zusammensitzen, neue Freunde treffen, darauf habe ich mich jeden Abend gefreut.“ Insgesamt haben 14.000 Soldaten aus über 40 Nationen an der Wallfahrt teilgenommen. 

Tausende Pilger haben an der Lichterprozession teilgenommen. © Christina Lux
Tausende Pilger haben an der Lichterprozession teilgenommen. © Christina Lux

Oberbootsmann Winkler schlief nicht im Hotel, sondern gemeinsam mit seinen Kameraden in Feldbetten im Zeltlager oberhalb der heiligen Stätten. Man sagt, das Zeltlager sei das Herz der Wallfahrt, denn dort sind Soldaten aus fast allen europäischen Ländern untergebracht: aus Österreich, der Schweiz, Polen, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Großbritannien, der Ukraine, Kroatien. Für ihn war Lourdes ein „Ort voller Widersprüche im positiven Sinn“, ein Ort, der ihm vorher unbekannt war, an dem er viele fremde Soldaten getroffen hat und sich „trotzdem wie zu Hause fühlte“.

Barbara Dreiling



Bildergalerie

Bildergalerie der 60. Internationalen Soldatenwallfahrt nach Lourdes unter diesem Link.

Urheberhinweis: Die Bilder können kostenlos zur Berichterstattung über die 60. Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes genutzt werden. Bei Verwendung ist der Urheber zu nennen. Darüber hinaus ist die Weitergabe oder Nutzung der Bilder zu kommerziellen Zwecken nicht gestattet.

Link zur Bildergalerie bei Klick auf das Bild. Foto: Christina Lux
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