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Festgottesdienst und Empfang aus Anlass des Jubiläums des ersten Standortgottesdienstes 1956

Köln, 06.10.2016. Der Auftrag ist immer noch der gleiche: Dienst am Soldaten als Mensch und Dienst für seine Angehörigen. Im Jahr 1956 feierte die Katholische Militärseelsorge ihren ersten Standortgottesdienst mit Bundeswehrsoldaten in Köln. Seitdem ist sie Kirche unter Soldaten, auch, wenn sich im Lauf der 60 Jahre manches verändert hat.

Unter den 200 Gästen beim Empfang aus Anlass des Jubiläums waren Soldatinnen und Soldaten, Militärseelsorger und viele ehemalige Militärgeistliche. Eingeladen hatte das Katholische Militärdekanat Köln. Jedes Jahr feiern die Kölner Militärgemeinden um den 10. Oktober, den Gedenktag des Heiligen Gereon, ihr Patronatsfest. In diesem Jahr hielt der Katholische Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr, Dr. Franz-Josef Overbeck, den Festgottesdienst in der Basilika St. Gereon. Anschließend lud der Leitende Militärdekan Rainer Schnettker zum Empfang ein.

 

Zeitzeuge Prälat Heinrich Hecker

Waren in den fünfziger und sechziger Jahren die Wehrpflichtigen die größte Zielgruppe der Militärseelsorge, sind es heute die Berufs- und Zeitsoldaten, aber auch die Freiwilligen Wehrdienst Leistenden. Entsprechend verstanden viele Militärpfarrer der damaligen Zeit „ihren Dienst als Fortsetzung der Jugendarbeit in einer Armee, die zum großen Teil aus Wehrpflichtigen bestand“. Diese Erfahrung berichtete Prälat Heinrich Hecker, der 1969 Katholischer Militärpfarrer in Schwanewede wurde. Später wurde er Leitender Militärdekan und auch Referatsleiter im Katholischen Militärbischofsamt in Bonn und war somit einer der wichtigsten Zeitzeugen unter den Gästen des Empfangs.

Hecker kam 1969 direkt aus der Jugendarbeit und noch heute merkt man ihm an, dass er leidenschaftlicher Jugendpfarrer war: interessiert, kritisch und herausfordernd begegnet er seinen Zeitgenossen. Als Priester des Bistums Essen hatte ihn Bischof Franz Hengsbach in den sechziger Jahren mit der Beratung von Kriegsdienstverweigerern beauftragt. Als er dann Militärpfarrer wurde, „ging“ Prälat Hecker den Jugendlichen an den Bundeswehrstandort „nach“, wie er sagt.

 

Wehrdienst und Ersatzdienst nicht gegeneinander ausgespielt

Wehrdienst oder Wehrersatzdienst – so hieß der Zivildienst offiziell – waren für ihn kein Widerspruch. Denn „als Kirche kümmern wir uns um Leute, die staatlichen Pflichtdienst machen müssen, in welcher Form auch immer“, so formuliert Hecker den Gedanken seines Bischofs. Auch Hengsbach war nicht nur Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Wehrersatzdienst Leistende, sondern gleichzeitig Katholischer Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr.

So begriffen Hecker und viele andere Militärpfarrer ihren Auftrag darin, Soldaten zu unterstützen, selbst eine Gewissensentscheidung für oder gegen den Militärdienst zu treffen. Dafür standen sie ihnen in persönlichen Gesprächen zur Verfügung. Gewissensbildung und Grundwissen über moralische Handlungsprinzipien sind auch heute Ziel des Lebenskundlichen Unterrichts – ein Ethik-Unterricht, den die Militärseelsorger für Soldatinnen und Soldaten anbieten.

 

Gewissensfrage

Die Frage, ob und wie man Soldat und gleichzeitig Christ sein kann, stellten sich nicht nur Wehrpflichtige vergangener Jahrzehnte, sondern auch heutige Berufs- und Zeitsoldaten suchen darauf eine Antwort. So bedankte sich der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Köln I, Hauptmann Jürgen Dierich, in seiner Ansprache dafür, dass die Militärseelsorger ihn und seine Kameraden unterstützen, wenn es um eigene moralische Entscheidungen geht. Auch der Bundeswehr dankte er, dass Militärseelsorger für die Soldaten als Menschen und ihre Familien am Standort, aber auch im Einsatz da sind – als vertrauliche Gesprächspartner außerhalb der militärischen Hierarchie, aber dennoch nah an der Truppe.

Militärseelsorge in der Bundeswehr verstehe sich „als ganzheitliches Angebot der Lebenshilfe für Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien“ und sei eben nicht auf Gottesdienste und Verkündigung reduziert, sagte Militärbischof Overbeck in seiner Predigt. Deshalb stehen Familienwochenenden, Werkwochen oder Wallfahrten allen Bundeswehrangehörigen offen, egal ob sie gläubig sind oder nicht. Im Gegensatz zu den fünfziger und sechziger Jahren bekennen sich heute etwa die Hälfte aller Soldatinnen und Soldaten zu einer Religionsgemeinschaft. 1956 gehörten noch 96 Prozent einer christlichen Kirche an, wie Dr. Markus Seemann in seinem Vortrag erklärte. Der Leiter des Archivs des Katholischen Militärbischofs in Berlin zeigte Schlaglichter und Veränderungen der letzten 60 Jahre in der Katholischen Militärseelsorge.

Es geht um den Frieden

Dazu gehört sicherlich die gewachsene Bedeutung der Bundeswehr in der Welt und der Wandel zu einer Einsatzarmee seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Seitdem werden auch katholische und evangelische Militärseelsorger in die Einsatzgebiete der Bundeswehr entsandt.
Doch nach wie vor gilt in der Militärseelsorge, was auch der damalige Erzbischof von Köln, Josef Kardinal Frings, in seiner Predigt beim ersten Standortgottesdienst 1956 sagte: „Soldatenstand ist also keineswegs Selbstzweck, sondern ist Dienst für andere, und die Menschheitsentwicklung sollte dahin gehen, dass immer weniger bewaffnete Macht notwendig wäre, um den Frieden in der Welt aufrecht zu erhalten, Ziel allen Soldatentums ist nicht der Krieg, sondern der Frieden!“

Overbeck: "Es geht um den Frieden"


Köln, 06.10.2016.In Erinnerung an den Soldaten-Gottesdienst mit Josef Kardinal Frings am 10. Oktober 1956 in der teilweise kriegszerstörten Gereon-Kirche, feierte der Katholische Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr ein Pontifikalamt mit 200 Gästen aus Bundeswehr und Militärseelsorge.

In seiner Predigt schlug Dr. Franz-Josef Overbeck, zugleich Bischof von Essen, Brücken von der Ernennung seines ersten Vorgängers, Joseph Kardinal Wendel, am 4. Februar 1956, über die ersten Schritte der neuen Katholischen Militärseelsorge und das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) bis hinein in dieses Jahrhundert mit neuen Herausforderungen für die Soldatinnen und Soldaten wie auch für die Kirche. Mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg sagte er wörtlich: „Ein wie immer gearteter Geist des Militarismus oder eines ungebrochenen Freund-/Feind-Denkens darf niemals mehr Raum gewinnen!“
 

Militärbischof Overbeck benannte fünf „Aufgabenfelder … des seelsorglichen Handelns für die Militärseelsorge“. Als erstes wies er auf die ethische Bildung und Führungskultur hin: „… wir, die Verantwortlichen der Militärseelsorge, [werden] mit großem Nachdruck immer wieder darauf hinweisen …, dass die sittlichen Grundlagen des soldatischen Dienstes und die bewährten Prinzipien der Menschenführung nicht zur Disposition stehen.“ Ferner griff er das aktuelle Thema einer islamischen Militärseelsorge auf: „Es muss sich zudem erweisen, welche Form von Militärseelsorge für die Soldatinnen und Soldaten gefunden wird, die keine Christen sind, aber religiös gebunden leben, wie z. B. die Muslime unter den Soldatinnen und Soldaten.“
 

Abschließend dankte Militärbischof Franz-Josef Overbeck allen, „die in der Militärseelsorge ihren Dienst getan haben und tun.“ Er setzte hinzu: „Es geht um Gott und den Menschen in seiner Würde. Es geht um den Frieden. Diese Linie setzen wir unbeirrbar fort.“

Jörg Volpers