Overbeck für Fortentwicklung der katholischen Soziallehre

© Bistum Essen / Nicole Cronauge
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Berlin (KNA) Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat sich für eine Fortentwicklung der katholischen Soziallehre ausgesprochen. Grundlage dafür sei die vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eingeleitete Öffnung der Kirche zur Welt, sagte Overbeck am Donnerstagabend in der Berliner Katholischen Akademie.

Das vor 50 Jahren verabschiedete Grundsatzdokument "Gaudium et Spes" (Freude und Hoffnung) des Konzils habe das kirchliche Selbstverständnis als einer "perfekten Gesellschaft" abgelöst. Nun beschränke sich die Kirche auf ihre religiöse Kompetenz und auf ihre Rolle als weltweit engagierte Menschenrechtsagentur. Overbeck leitet die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz

Als Themen einer zeitgemäßen "Soziallehre" bezeichnete der Essener Bischof den "Lebensschutz am Anfang wie am Ende des Lebens". Weiter nannte er die durch Familienpolitik und Wohlfahrtsstaat geschaffenen Bedingungen, "in personalen Beziehungen leben zu können". Wichtige Bereiche seien überdies Menschenrechtspolitik und Friedensethik, betonte Overbeck, der auch katholischer Militärbischof ist. Er warnte zugleich vor der Wiederkehr des "Integralismus einer katholischen Gegengesellschaft", wie es ihn vor dem Konzil gegeben habe. "Heute müssen wir aufpassen, dass er nicht in neuer Gestalt eines reflexhaften öffentlich-moralischen Wächteramtes für alle Themen wiederkehrt."   

Bei der Veranstaltung der Deutschen Bischofskonferenz zu "50 Jahre Gaudium et Spes" hob auch der emeritierte Bonner Soziologe Franz-Xaver Kaufmann die tiefgreifende Wende im kirchlichen Selbstverständnis hervor. So habe das Konzil die Glaubens- und Gewissensfreiheit anerkannt.

Die Landesvorsitzende der Berliner Grünen, Bettina Jarasch, sagte, die vom Konzil eingeleitete Entwicklung habe es ermöglicht, dass ihre Partei und die Kirche in zahlreichen Fragen gemeinsam für die Menschenwürde einträten. Zugleich gebe es aus Sicht der Grünen etwa beim Thema Abtreibung weiter "problematische Spannungen mit kirchlichen Positionen". Jarasch räumte ein, dass in ihrer Partei das Recht auf Selbstbestimmung "teilweise überbetont" werde.

Der Mainzer Sozialethiker Gerhard Kruip wertete das gegenwärtige "starke Engagement" für Flüchtlinge als große Chance für die Kirche, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Es biete auch "ein enormes Potenzial zur Erneuerung des Gemeindelebens".

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Overbeck: Gedenken an 1517 ist kein Grund zum Feiern

Berlin (KNA) Das bevorstehende 500-Jahr-Gedenken an den Reformationsbeginn von 1517 ist aus Sicht des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck kein Grund zum Jubeln. Das von Protestanten so bezeichnete Reformationsjubiläum erinnere an ein historisches Ereignis, das zu einer Kirchenspaltung führte, und diese sei zu bedauern, erklärte er am Donnerstagabend in Berlin. Overbeck äußerte sich bei einer Podiumsdiskussion in der Katholischen Akademie in Berlin aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965).

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