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Wie können wir auf die Proteste in Belarus reagieren?

Erstellt von Barbara Dreiling |
Online-Seminar Friedensethik mit Prof. Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven. © KS / Barbara Dreiling
Online-Seminar Friedensethik mit Prof. Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven. © KS / Barbara Dreiling

Zivilgesellschaftliches Engagement und Deeskalation

Berlin. Nur zuzuschauen ist keine Option für Heinz-Gerhard Justenhoven. Der Professor für Friedensethik am Institut für Theologie und Frieden (Hamburg) hat konkrete Ideen, was Bürgerinnen und Bürger sowie gesellschaftliche Institutionen tun können, um den friedlichen Protest in Belarus zu unterstützen. 

In einem Online-Seminar Friedensethik, organisiert vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), beschrieb er die Ereignisse als „Aufstehen der Zivilgesellschaft“. Demnach sehen sich die Menschen in Belarus „nicht mehr nur als Objekt von Politik“, sondern wollten diese selbst gestalten. 

Position beziehen

Justenhoven forderte zivile Stiftungen und Organisationen in Deutschland auf, zunächst klar Stellung zu beziehen, dass Alexander Lukaschenka als Präsident nicht anerkannt ist. Was in Belarus aktuell passiert, sollte in Deutschland stärker verbreitet werden. Andererseits sollten die Menschen in Belarus mit verlässlichen Informationen zur Situation im Land unterstützt werden, so der Friedensethiker.

Hier könnten Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv werden, indem sie sich informieren oder Informationen weitergeben. Mit Kampagnen kann man die Bundesregierung zum Handeln auffordern, zivilgesellschaftliche Organisationen könnten Partnerorganisationen in Belarus unterstützen. Darüber hinaus gelte es, Verbrechen von Polizeigewalt für eine spätere Strafverfolgung zu dokumentieren, führte Professor Justenhoven aus.

Deeskalation

Er warnte jedoch davor, die „Befindlichkeiten“ Russlands „an der Grenze zwischen zwei politischen Systemen“ zu missachten. Das, was wir jetzt in Europa machen, provoziere einen Systemsturz und sei existenzgefährdend für die russische Regierung: „Ich bin dafür, dass wir jede Unterstützung, die möglich ist, seitens Europas geben, doch wir müssen uns bewusst sein, dass das für die Machthaber in Russland eine eminente Gefahr bedeutet. Kluge Politik der Zivilgesellschaft heißt, den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen und dennoch die Zivilgesellschaft weiter unterstützen“, so der Friedensethiker.

Zu Beginn des Online-Seminars hatte ein Mitglied einer belarussischen Jugendorganisation über die aktuelle Situation in dem Land berichtet. Demnach werde der Konflikt als innenpolitischer Konflikt wahrgenommen, es gebe keine einseitige Entscheidung für die EU oder für Russland. Dennoch sehen die Menschen die Gefahr eines Bürgerkrieges und die Protestierenden schauten, welche Unterstützung ihnen die EU geben kann.

Das Institut für Theologie und Frieden (ithf) ist eine wissenschaftliche Forschungseinrichtung der Katholischen Militärseelsorge zum Zweck der ethischen Auseinandersetzung mit Fragen des Friedens und der Friedensgefährdungen. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden mit rund 660.000 Mitgliedern. Er vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kirche und Gesellschaft.

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