Zum Inhalt springen

Trauer um Eberhard Schockenhoff

Eberhard Schockenhoff bei seinem Vortrag auf der Gesamtkonferenz 2018 © KS / Doreen Bierdel
Eberhard Schockenhoff bei seinem Vortrag auf der Gesamtkonferenz 2018 © KS / Doreen Bierdel

Militärgeneralvikar würdigt Moraltheologen und Friedensethiker

Von Thomas R. Elßner

„Mit dem Tod von Eberhard Schockenhoff hat die Katholische Militärseelsorge einen einfühlsamen Menschen, Kollegen und aufrüttelnden Wegbegleiter verloren“, würdigte Reinhold Bartmann, Militärgeneralvikar der Katholischen Militärseelsorge, den Moraltheologen und Friedensethiker. Im September 2018 hatte er zuletzt die Angehörigen der Katholischen Militärseelsorge mit einer von profundem Wissen gekennzeichneten Rede „Kein Ende der Gewalt?“ dazu aufgefordert, den Einsatz von Gewalt und Waffen als eine immer drängendere friedensethische Herausforderung auf den Prüfstand zu stellen, und zwar vor dem Hintergrund des Leitbildes des gerechten Friedens. 

Handlungsfelder für gerechten Frieden

Professor Schockenhoff nutzte sein immenses Wissen und seine Erfahrung als Hochschullehrer, Theologe und langjähriger Angehöriger des Ethikrats, um den Militärseelsorgerinnen und -seelsorgern die sich stets erweiternden Wirkungsfelder für einen gerechten Frieden in einer globalisierten Welt aus ethischer Sicht zu verdeutlichen,  und dabei Reibungspunkte und Handlungsfelder aufzuzeigen. 

Eberhard Schockenhoff war in diesem Jahr eingeladen, mit militärischen Führungskräften am Besinnungstag für Generale und Admirale der Bundeswehr zu grundsätzlichen und aktuellen Fragen ins Gespräch zu kommen. Covid-19 hat das verhindert. Was bleibt? Anregungen und Stoff für Diskussionen vor dem Hintergrund einer komplexen Welt hat Schockenhoff für die Militärseelsorge genügend hinterlassen – seine lebendige Stimme aber wird fehlen.

Verbunden mit dem Institut für Theologie und Frieden

Mit dem Institut für Theologie und Frieden (ithf), einer wissenschaftlichen Einrichtung der katholischen Kirche in Trägerschaft des Katholischen Militärbischofs, war Professor Schockenhoff seit vielen Jahrzehnten eng verbunden. Als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats agierte er stets in seiner umsichtigen und ausgleichenden Art, für die er auch außerhalb der Theologie großes Ansehen genoss – auch jenseits seiner vielfältigen und herausragenden Schriften. Schockenhoff hat außerdem als Doktorvater und Habilitationsbetreuer zahlreiche Arbeiten, die am ithf entstanden sind, mit großer Sachkunde begleitet. Allen, die ihn kennenlernten, wird er auch in dieser Eigenschaft in dankbarer Erinnerung bleiben.

Kleine Schritte zum Frieden

Eberhard Schockenhoff war es wichtig, Mut zu machen für die Unterstützung ethischer Bildung im Rahmen des Lebenskundlichen Unterrichts bei Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr: „Schon immer erforderte die Arbeit für den Frieden Mut und visionäre Kraft, vor allem aber Geduld, langen Atem, Ausdauer und Bereitschaft, trotz mancher Rückschläge auf dem Weg der kleinen Schritte voranzugehen,“ schloss er damals 2018 in Freiburg seinen Vortrag.

„Wir werden Eberhard Schockenhoff als Theologen, Friedensethiker und nicht zuletzt als einen bedachtsamen Menschen in guter Erinnerung behalten“, sagte Reinhold Bartmann. „Seine Ideen und Anreize werden uns fehlen“.

Nachrichtenarchiv