Zum Inhalt springen

Moral Injury

Erstellt von Friederike Frücht |
Rupert Dirk Fischer. © KS / Doreen Bierdel
Rupert Dirk Fischer. © KS / Doreen Bierdel
Rupert Dirk Fischer. © KS / Doreen Bierdel
Rupert Dirk Fischer. © KS / Doreen Bierdel

„Verletzte Moral – moralische Verletzung: PTBS als Thema der Ethik“ hieß am Dienstag der Vortrag auf der Gesamtkonferenz von Rupert Dirk Fischer. Im Anschluss daran beschäftigten sich die Militärseelsorger in Arbeitsgruppen mit dieser Thematik.

Was ist eine moralische Verletzung?

Moralische Verletzungen (moral injuries) sind Verletzungen des Wertesystems eines Menschen, das heißt der Überzeugungen, wie man als Mensch handeln soll: andere mit Respekt behandeln, ihre Würde achten, ehrlich sein, Schwache schützen und ihnen helfen, das Eigentum anderer achten. Wird dieses Wertesystem eines Menschen erschüttert, kann er seelisch krank werden.

Wie kommt es zu moralischen Verletzungen?

Moralische Verletzungen treten ein, wenn ein Mensch in Konflikt mit seinen eigenen Werten kommt. Ein Soldat beobachtet im Auslandseinsatz Gewalt gegen Minderheiten oder gegen Frauen und Kinder. Er erkennt, dass dort Unrecht geschieht und seine Moral sagt ihm klar: „Du musst etwas tun und diese Menschen schützen!“ Doch er kann oder darf nicht eingreifen, um seinen militärischen Auftrag nicht zu übertreten, oder weil er aufgrund der Situation, z. B. der Entfernung, nicht dazu in der Lage ist. Er weiß, wie er helfen könnte, doch es ist ihm nicht möglich und er erleidet eine moralische Verletzung.

Was bewirken moralische Verletzungen für den Betroffenen?

Solche Ereignisse können zu Schuldgefühlen und Selbstanklagen führen: „Du hast nicht geholfen!“, „Du hättest helfen können!“, „Du bist mitschuldig am Leid des Opfers!“, „Du warst feige!“ – Die Erinnerung an diese Situation lässt den Betroffenen nicht los. Er beginnt zu grübeln und spielt das Geschehen immer wieder gedanklich durch, um etwas zu finden, das ihn entlastet. Doch das gelingt meist nicht. 

In Folge dessen hält er sich nicht mehr für einen liebenswerten Menschen, im Gegenteil: Er fühlt sich schuldig, hält sich für einen Feigling oder Versager und zieht sich von den Menschen in seinem Umfeld zurück.

Wie merkt man, dass jemand im Einsatz psychisch oder moralisch verletzt worden ist?

Oft kann man psychische oder moralische Verletzungen an Verhaltensauffälligkeiten oder Stimmungen erkennen, die jemand vor dem Auslandseinsatz nicht gezeigt hat. Dazu gehören Rückzug von Familie und Freunden, Niedergeschlagenheit, Ängste, Aggression und schnelle Gereiztheit. Manche Betroffene zeigen auffällige neue Verhaltensweisen, indem sie zum Beispiel Orte oder Situationen meiden. Schlafstörungen, Albträume, Süchte und offensichtliches Verschweigen des Erlebten können Hinweise auf einsatzbedingte Erkrankungen sein. 

Wie kann man helfen?

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie selbst, ihre Kameraden oder Freunde und Familienmitglieder seelische oder moralische Verletzungen erlitten haben, erhalten Sie Informationen beim Psychosozialen Netzwerk am Bundeswehr-Standort oder im Internet:  

Hilfe bei PTBS
Telefonhotline: 0800 5887957
Internet: www.ptbs-hilfe.de
PTBS-Beauftragter: BMVgBeauftrPTBS@BMVg.BUND.DE

Nachrichtenarchiv