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Mertes: „Verbrecherische Befehle tarnen sich immer mit der Sprache des Rechts“

Erstellt von bd |
Pater Mertes bei der Gelöbnisrede im Bendlerblock. © KS / Jörg Volpers
Pater Mertes bei der Gelöbnisrede im Bendlerblock. © KS / Jörg Volpers

Der Jesuit Klaus Mertes hat als Ehrengast beim Feierlichen Gelöbnis eine Rede gehalten. Er ermutigte die Rekruten zu Gewissensbildung und Gewissensentscheidungen, die viel öfter getroffen werden müssen, als mancher denkt.

Berlin. Der Direktor des Kollegs St. Blasien und seit 2008 Mitglied im Kuratorium der Stiftung 20. Juli 1944, Klaus Mertes SJ, hat Soldaten dazu ermahnt, ihr Gewissen zu bilden. „Sie legen heute ein Gelöbnis ab. Aber Sie geben Ihr Gewissen nicht ab. Mehr noch: Das Gegenteil wird von Ihnen erwartet: Dass sie es ernstnehmen und schon im Alltag schärfen“, sagte Mertes beim Feierlichen Gelöbnis vor 400 Rekruten der Bundeswehr.

Er forderte die Soldaten auf, ihr Gelöbnis „im Alltag mit den kleineren Taten des Widerstandes einzulösen: Anpassungsdruck widerstehen. Nicht mitmachen bei demütigenden Späßen und Initiationsritualen; Angst überwinden und Widerspruch riskieren; Verantwortung übernehmen“, so der Jesuit.

Zu Ehren des militärischen Widerstands gegen das Naziregime am 20. Juli 1944 legten Rekruten aus ganz Deutschland am 20. Juli ihr Gelöbnis im Bendlerblock ab, wo sich auch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand befindet. Der Jesuit Klaus Mertes sprach als Ehrengast neben der Bundesministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen.

Die Loyalitätspflicht von Soldaten ende da, „wo von Ihnen verlangt wird, verbrecherischen Befehlen zu folgen, auch dann, wenn diese „im Namen des Volkes“ an Sie ergehen“, sagte Mertes. Er mahnte die Soldaten zur Achtsamkeit, was in einer Gesellschaft für Recht erklärt wird, denn „verbrecherische Befehle tarnen sich immer mit der Sprache des Rechts.“ Auch die Grundsätze der Inneren Führung der Bundeswehr verpflichten die Soldaten, ihrem Gewissen zu folgen und „für Menschenwürde, Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität und Demokratie als den leitenden Werten unseres Staates aktiv eintreten“ (Innere Führung, 106)

Am 20. Juli 1944 hatten Offiziere der Wehrmacht gemeinsam mit Zivilisten versucht, die nationalsozialistische Diktatur zu stürzen. Die Widerstandskämpfer wurden noch am selben Abend im Bendlerblock hingerichtet, weitere hunderte Menschen wurden in den folgenden Monaten zum Tod verurteilt und ermordet. (bd)

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