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20. Juli – Mahnung zu Wachsamkeit gegen Nationalismus

Erstellt von KNA / Barbara Dreiling |
Gelöbnis am 20. Juli 2019 © Bundeswehr / Jonas Weber
Gelöbnis am 20. Juli 2019 © Bundeswehr / Jonas Weber

Bundeskanzlerin nimmt am Gelöbnis von 400 Soldaten teil.

Berlin (KNA / dr). Nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnt das Gedenken an die Männer und Frauen des 20. Juli zur Wachsamkeit: „Sie mahnen uns, wachsam zu sein und Rassismus und Nationalismus in all seinen Facetten entgegenzutreten", sagte sie am Samstagmittag beim Feierlichen Gelöbnis gegenüber Bundeswehrsoldaten in Berlin.

„Es gibt Momente, in denen Ungehorsam eine Pflicht sein kann“, sprach Merkel zu Beginn ihrer Rede. Damit verwies sie auf die Freiheit des Gewissens (Artikel 4 Grundgesetz) und auf das Recht auf Widerstand gegen Gefahren der Demokratie (Artikel 20 Grundgesetz). Obwohl das Nazi-Regime blinden Gehorsam verlangte, haben sich die Soldaten des militärischen Widerstands auf ihr Gewissen und ihre Pflicht berufen, für die Menschenwürde einzutreten.

Widerstand als Teil der Tradition 

Der Mut aller Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus müsse „uns auch heute leiten", ergänzte Merkel. Deren Entschlossenheit und Opfer seien eine bleibende Mahnung für alle: „Ihrem Gewissen folgend erwiesen sie sich als wahre Patrioten." Die Erinnerung an diese Zeit sei heute umso wichtiger, weil es immer weniger Zeitzeugen gebe, so die Kanzlerin weiter. 

Deutschland habe sich lange schwer getan mit dem Bekenntnis zum Deutschen Widerstand, doch er gehöre zur Traditionspflege, betonte sie. Die Wehrmacht sei kein Vorbild für die Bundeswehr, hingegen Angehörige der Wehrmacht, die Widerstand geleistet haben, schon, stellte Merkel klar. Damit verwies sie auf den Traditionserlass der Bundeswehr und wandte sich gegen eine unkritische Verklärung der Wehrmacht. 

Die Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer erklärte gegenüber den Rekruten, dass sie als Soldaten der Bundeswehr für Demokratie, Rechtsstaat und Menschenwürde eintreten. Dies erfordere „keinen blinden Gehorsam, aber Gewissen“. Sie erinnerte, dass die Widerstandskämpfer um Stauffenberg für die „Freiheit und Würde des Einzelnen“ das „Recht über den unrechtmäßigen Befehl“ gestellt haben. 

Bundeswehr unterstützt auch Verbündete

Auch heute würden „rechtmäßige und demokratische Amtsträger als Volksverräter beschimpft“, kritisierte Kramp-Karrenbauer. Sie wandte sich gegen „Hetze von Populisten und politischen Brandstiftern“. Sowohl Bundeskanzlerin Merkel als auch Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer betonten, dass auch die Unterstützung der Partner der NATO und innerhalb Europas zu den Aufgaben der Bundeswehr gehört.

400 Rekruten und Soldaten auf Zeit haben heute im Bendlerblock ihr Gelöbnis abgelegt. Die Soldaten des Heeres, der Luftwaffe und der Marine kamen aus Augustdorf, Berlin, Burg, Weißenfels, Roth, Dillingen und Plön. Hunderte Angehörige haben als Gäste am Gelöbnis teilgenommen.

Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel

Rede von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer

 

Militärischer Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime

Vor 75 Jahren, am 20. Juli 1944, versuchten Offiziere und Generale der Wehrmacht um den Grafen Claus Schenk von Stauffenberg vergeblich, Adolf Hitler durch eine Bombe zu töten und das nationalsozialistische Terrorregime dadurch zu beenden. Einige von ihnen wurden noch in der Nacht zum 21. Juli 1944 im Bendlerblock hingerichtet. Um den 75. Jahrestag des militärischen Widerstands finden mehrere Gedenkveranstaltungen statt. Im Rahmen der zentralen Gedenkfeier im Bendlerblock in Berlin hat Bundeskanzlerin Merkel einen Kranz an der Stelle niedergelegt, an der Stauffenberg und andere erschossen worden waren.

Gelöbnis

Während der Grundausbildung legen die Rekrutinnen und Rekruten der Bundeswehr öffentlich ihr Gelöbnis ab. Dabei sprechen sie: Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe." Soldatinnen und Soldaten auf Zeit sprechen „Ich schwöre“ statt „Ich gelobe“.

Feierliches Gelöbnis am 20. Juli im Bendlerblock

Zu Ehren des deutschen Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime legen Rekrutinnen und Rekruten aus ganz Deutschland jedes Jahr am 20. Juli ihr Feierliches Gelöbnis auf dem Paradeplatz des Bundesministeriums der Verteidigung in Berlin ab. An diesem sogenannten Bendlerblock befindet sich auch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand an dem Ort, wo die Verschwörer des 20. Juli 1944 hingerichtet worden waren. 

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