Das Konzept der Unteroffiziersakademie bietet Unteroffizieren Raum für Austausch, Orientierung und Impulse für die eigene Führungsaufgabe. Innerhalb derselben Dienstgradgruppe kann, darf und soll diskutiert, kritisch hinterfragt und gemeinsam ins Gespräch gekommen werden. Angeboten wird das Format dreimal im Jahr vom Katholischen Militärdekanat Köln. Dieses Jahr ist als neuer Co-Partner auch die Gemeinschaft-Katholischer Soldaten (GKS) mit dabei.
Zwischen Sicherheitslage und gesellschaftlicher Verantwortung
Akademiedozent Dr. Jens Oboth begrüßte die knapp 30 Teilnehmenden und leitete mit einem Überblick in die folgenden Tage thematisch ein. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen fordern Deutschland in einem Ausmaß heraus, die weit über militärische Fragen hinausgehen. Wie krisenfest ist unsere Gesellschaft und wie gelingt im Ernstfall das abgestimmte Zusammenspiel von Bundeswehr, Behörden und der zivilen Bevölkerung?
Das Glas ist eher halb voll als halb leer
Die Tagung begann mit der Perspektive der Bundeswehr auf die aktuellen Geschehnisse. „Wir sind nicht im Krieg, aber auch nicht mehr richtig im Frieden.“ So Dr. Jörg Wissendorf (Oberst d. Res) mit Blick auf die hybride Bedrohungslage und Kriegsführung in seinem Vortrag. Major Sebastian Nieborowski aus dem Landeskommando NRW trug anschließend zum Operationsplan Deutschland und der Rolle Deutschlands als logistische Drehscheibe im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung an der Nato-Ostflanke vor. Seine Einschätzung – es ist noch einiges zu tun, aber das Glas ist eher halb voll als halb leer! Als letzter Dozent des Tages gab Hauptmann Ron Hendricks (Jugendoffizier in Hilden) einen spannenden, aber auch erschreckenden Einblick in die Welt von Deepfakes, Bots und Clickbait. Dabei wurde sehr deutlich, wie Desinformationen als Waffe in der hybriden Kriegsführung genutzt werden.
Der Nachwuchs ging mit der Wehrpflicht verloren
Zivilschutz war das große Thema des zweiten Tages. Mit Dr. Bo Tackenberg und Bernd Johnen standen gleich zwei Referenten aus dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit ihrem Fachwissen zur Verfügung. Während Dr. Tackenberg mit einer Auswertung der „Resilienten Gesellschaft“ das Bevölkerungsverhalten in Krisen und Katastrophen skizzierte, stellte Herr Johnen die Rolle des BBKs dem gegenüber und welche Herausforderungen sich hieraus in der heutigen Zeit ergeben. Praktischer und zum Anfassen wurde es im Anschluss bei einer Besichtigung des Fuhrparks vom THW-Ortsverband in Essen. Nach einem kurzweiligen, aber äußerst informativen Vortrag über die Struktur des THW und die mannigfaltigen Herausforderungen an der Basis der Ortsverbände konnte mit dem Leiter Frank Schöpper auch über die Möglichkeit von Schnittstellen in der Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und THW gefachsimpelt werden. In diesem Zusammenhang wies Herr Schöpper darauf hin, dass durch die ausgesetzte Wehrpflicht und die damit ausbleibenden Zivildienstleistenden das Ehrenamt beim THW kaum noch Nachwuchs gewinnt – obwohl dieser für den Zivilschutz dringend benötigt wird.
Was ich erlebte, ließ meine pazifistische Einstellung einstürzen
„Die Grundhaltung zur Bundeswehr in der Bevölkerung ist positiv!“ - Diese wertvolle Einsicht lieferte Dr. Timo Graf vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften am letzten Tag. Demnach ist das Empfinden einer eher ablehnenden Haltung gegenüber der Bundeswehr oft Folge einer einseitigen Berichterstattung. Als Leiter der jährlichen Bevölkerungsbefragung im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung kann er dieses Fazit belegen.
Den Abschluss der Tagung machte Artur Weingardt, Journalist und Autor. Er berichtete von seinem Engagement als Dolmetscher im Rahmen der Ausbildung ukrainischer Soldaten. Viele Besuche in der Ukraine – insbesondere der Austausch mit Soldaten an der Front – hätten seine pazifistische Weltanschauung so sehr ins Wanken gebracht, dass er darüber sogar ein Buch schrieb. („Für euch würde ich kämpfen. Mein Bruch mit dem Pazifismus“)
Drei Tage, viele Perspektiven – ein klares Signal
Intensive Einblicke aus unterschiedlichsten Perspektiven prägten die vergangenen Tage – und ließen sie viel zu schnell vergehen. Die Teilnehmenden honorierten dies mit großem Lob für das Veranstaltungsformat. Ein Ausblick auf die kommenden Veranstaltungen im Jahr beendete die Tagung in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“.
Ein Blick nach vorn: Die nächsten Themen im Fokus
- Part II der Unteroffiziersakademie 2026 wird sich im Juni mit der Frage beschäftigen: „Wie sehen die Kriege der Zukunft aus? Perspektiven für die Bundeswehr“
Nicht nur geopolitische Verschiebungen, auch der technische Fortschritt wird die Kriege verändern. Sind wir dafür bereit? Es freut uns sehr, dass wir unter den Vortragenden unseren Katholischen Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck begrüßen werden können.
- Den Jahresabschluss bildet das Thema: „Demokratiedämmerung? Der Globale Aufstieg autoritärer Systeme“ Warum sind weltweit autoritäre Staatsformen und Bewegungen auf dem Vormarsch? Wie kann die Demokratie gerettet werden? Vortragen wird hierzu u. a. André Kuper, Präsident des Landtags NRW.
Anmerkung: Dieses Format gibt es auch für die Dienstgradgruppe der Offiziere. Anmeldungen werden regelmäßig über die Kkatholischen Militärpfarrämter verteilt.
Marcus Strzoda







