Rund 350 Soldatinnen und Soldaten, Zivilbeschäftigte der Bundeswehr sowie Angehörige der Polizei feierten im Würzburger Kiliansdom gemeinsam mit Weihbischof und Dompropst Paul Reder ein Pontifikalamt, das ganz im Zeichen der Frage stand, wie Christinnen und Christen in Uniform ihren Auftrag im Licht des Glaubens leben können.
Glaube im Ernstfall des Dienstes
Weihbischof und Dompropst Paul Reder nahm in seiner Predigt die Soldatinnen und Soldaten direkt in den Blick und sprach vom „Ernstfall des Glaubens“, der dort beginnt, wo Christinnen und Christen Uniform tragen und für Recht und Freiheit Verantwortung übernehmen. Wer als Soldat oder Soldatin der Bundeswehr dient, stehe in einer „ungeheuren Spannung“: stark und durchsetzungsfähig zu sein, ohne zu verrohen; wachsam zu handeln, ohne den Gegner seiner Menschenwürde zu berauben.
Ausgehend von der biblischen Zusage „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“ machte Reder deutlich, dass der Friede Christi kein politischer Kompromiss und keine bloße Waffenruhe ist, sondern aus Versöhnung, Vertrauen und einer inneren „Entwaffnung des Herzens“ wächst. So deutete er den Dienst der Soldatinnen und Soldaten ausdrücklich nicht als Verherrlichung des Krieges, sondern als schweren Auftrag, Gewalt zu begrenzen, Leben zu schützen und Gerechtigkeit zu wahren.
Reder erinnerte an die Lehre der Kirche, dass Friede mehr ist als die Abwesenheit von Krieg und als „Werk der Gerechtigkeit“ immer wieder neu errungen werden muss. Wer als Christ Uniform trage, stehe dabei unter der besonderen Herausforderung, entschlossen zu handeln und zugleich im anderen – auch im Gegner – den Menschen mit unverlierbarer Würde zu sehen.
Militärseelsorge als Halt für Menschen in Uniform
In dieser Spannung verortete Reder die Militärseelsorge: Als geistlichen Dienst an Menschen, die ihren Auftrag mit ihrem Glauben in Einklang bringen wollen. Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger begleiten Soldatinnen und Soldaten in Übungen, Einsätzen und im Familienalltag, bieten Räume für Gewissensfragen, Zweifel und Trost und erinnern daran, dass auch im Einsatz der „Feind“ ein Mensch bleibt.
Der Weihbischof beschrieb den Dienst in Uniform als Haltung, Verantwortung zu übernehmen, im Frieden wie im Konfliktfall. Die Zusage Christi „Der Friede sei mit euch“ verstand er dabei als Zuspruch und Auftrag zugleich: Er verlange eine Haltung, Verantwortung zu übernehmen und auch im Konfliktfall menschlich zu bleiben.
Haltung, Auftrag und „Kriegstüchtigkeit“
Generalmajor Jörg See, Kommandeur der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim, knüpfte in seinem Grußwort direkt an das Stichwort „Haltung“ von Weihbischof Reder an. Haltung bedeute für ihn und für Soldatinnen und Soldaten mehr als Kameradschaft und gute Führungskultur: Sie verbindet den Eid auf Recht und Freiheit mit der inneren Überzeugung, dass Opferbereitschaft „für unser Land, unser Volk, unsere Freiheit, für den Frieden“ ihren Sinn erhält.
Zugleich benannte See klar die Realität des militärischen Auftrags: Vorbereitung auf Abschreckung, Verteidigung, im äußersten Fall auch Krieg. „Einsatzbereitschaft“ beziehungsweise „Kriegstüchtigkeit“ seien für ihn keine Kampfbegriffe, sondern notwendige Voraussetzung, um den Frieden wirksam schützen zu können.
Das kleine ‚UND‘ zwischen Soldatsein und Friedensverpflichtung sei dabei entscheidend, so See: Soldatinnen und Soldaten stünden nicht außerhalb, sondern mitten in der Verantwortung für den Frieden, den sie mit ihrem professionellen Können sichern und verteidigen sollen. Gerade an dieser Schnittstelle von militärischem Auftrag und persönlicher Gewissensverantwortung gewinnt Militärseelsorge ihr Profil: Sie unterstützt Menschen in Uniform dabei, ihr Handeln zu hinterfragen, tragfähige Entscheidungen zu treffen und dabei Menschlichkeit zu bewahren.
Seelsorge in Bewegung: Wechsel in Veitshöchheim und Berlin
Wie dynamisch die Strukturen der Militärseelsorge sind, zeigte sich in den personellen Veränderungen, die der Leitende Militärdekan Artur Wagner erläuterte. Bisher ist Alexander Prosche als Militärseelsorger für Veitshöchheim verantwortlich, nimmt aber zugleich die Aufgaben als stellvertretender Militärdekan für das Dekanat München wahr. Damit die seelsorgliche Begleitung an der 10. Panzerdivision gesichert bleibt, hat Militärpfarrer Frank Schneider die Dienststelle in Veitshöchheim bereits übernommen, auch wenn er sie offiziell erst am 1. April antritt.
Diese Vorverlegung ist nötig, weil Wagner im März nach Berlin wechselt, um dort das Amt des Generalvikars der Katholischen Militärseelsorge zu übernehmen. Kontinuität der Begleitung, Präsenz an den Standorten und verlässliche Ansprechbarkeit für die Soldatinnen und Soldaten stehen damit sichtbar im Mittelpunkt der organisatorischen Entscheidungen.
Liturgie als Raum des Friedens
Musikalisch gestaltet wurde das Pontifikalamt von einem Zehner-Ensemble des Heeresmusikkorps Veitshöchheim unter der Leitung von Oberfeldwebel Kai Begemann, von Hauptmann Georg Hagel an der Orgel sowie Kantor Andreas Niedermeier. In der Verbindung von Musik und festlicher Liturgie des Bistums Würzburg entstand so ein erfahrbarer Raum des Friedens, in dem Gebet und militärischer Auftrag einander begegneten.
Dabei wurde spürbar, was das Leitwort des Weltfriedenstages für die Militärseelsorge bedeutet: „Friede sei mit euch“ ist Zusage, Herausforderung und täglicher Auftrag für alle Menschen.
Doreen Bierdel
Link zur Predigt auf der Seite des Bistum Würzburg








