Am 31. Dezember 2025 jährt sich der Tod von Joseph Kardinal Wendel zum 65. Mal. Er war der erste Katholische Militärbischof für die neue Bundeswehr und prägte in nur wenigen Jahren die Militärseelsorge nachhaltig.
Wahrheit und Liebe als Programm
Joseph Wendel wurde 1901 in Blieskastel geboren. Nach Studienjahren in Rom, Priesterweihe und Promotion wurde er 1941 zum Bischof geweiht, 1952 Erzbischof von München und Freising und 1953 Kardinal. Sein Wahlspruch „Veritati et Caritati“ – der Wahrheit und der Liebe (dienen) wurde zu einem Leitwort seines gesamten kirchlichen Wirkens.
Auftrag zur Seelsorge unter Soldaten
Am 4.Februar 1956 wurde Kardinal Wendel durch päpstliches Dekret zum ersten Katholischen Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr ernannt. Dieser Schritt war Ergebnis langer Verhandlungen zwischen Staat und Kirchen nach der Wiederbewaffnung und dem Aufbau neuer Streitkräfte der jungen Bundesrepublik. Bereits zuvor hatte Wendel seelsorgliche Verantwortung für die „Labor Service“-Seelsorge übernommen, wo sich ein enger Kontakt zu Prälat Georg Werthmann entwickelte – jenem Geistlichen, der später als Militärgeneralvikar zu seinem wichtigsten Mitarbeiter wurde.
Kardinal Wendel leitete die Militärseelsorge nicht von irgendeiner Zweckmäßigkeit ab, sondern sah in ihr einen Auftrag und eine Verantwortung der Kirche vor Gott. Er stellte sich schützend vor den Soldaten und deklarierte dessen Anrecht auf Seelsorge.
Strukturelle und geistliche Aufbauarbeit
Wendel schuf Strukturen, gewann Seelsorger, leitete Konferenzen der Militärpfarrer und besuchte Truppenteile in allen Wehrbereichen. Er legte damit die geistlichen und organisatorischen Fundamente für eine Militärseelsorge, die auch heute Kirche mitten unter Soldatinnen und Soldaten ist.
Diese Grundidee trägt in die Gegenwart: Militärseelsorge begleitet Menschen in Uniform, stärkt Gewissen und Persönlichkeit, gibt Raum für Glauben, Zweifel, Trost und Orientierung – im Inland, in Einsätzen, in Krisen- und Belastungssituationen. Wendel formulierte dafür die Richtung: Kirche steht an der Seite der Soldaten.
Der plötzliche Tod am Silvesterabend 1960
Unvergesslich bleibt der Silvesterabend 1960. Im Münchner Dom predigte der Kardinal eindringlich über Vergänglichkeit in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Kathedrale. Sein engster Mitarbeiter, Militärgeneralvikar Georg Werthmann, schilderte später im Artikel „Ars moriendi“ eindrücklich die letzten Minuten des Kardinals:
Er sprach ein sehr kräftiges memento mori – „Gedenke, dass du sterblich bist!“ – und Zeugen seiner Predigt stellen fest, dass die sonstige Eindringlichkeit diesmal noch überhöht, ist von einer tiefen inneren Erregung, die aufhorchen lässt.
Werthmann beschreibt weiter: „Segnend verabschiedet er sich nach Abschluss der Andacht vom Volke […] Er zieht sich in seine Gemächer zurück, um ein wenig auszuruhen. Ohne eine letzte Bitte, ohne eine letzte Frage und ohne eine letzte Hilfe wandert der müde gewordene Kardinal hinüber vor das Angesicht seines Gottes.“
Kardinal Joseph Wendel starb am 31. Dezember 1960 – mitten im Dienst, den Menschen zugewandt und fest in der Kirche verankert.
Bleibender Auftrag
Auch 65 Jahre später trägt die Katholische Militärseelsorge die Handschrift ihres ersten Bischofs. Wendel verstand Seelsorge an Soldaten als Christusdienst und als Dienst an der Würde des Menschen – unabhängig von gesellschaftlichen Debatten und politischen Spannungen. Er verkörperte das, was sein Wahlspruch verkündete: der Wahrheit und der Liebe dienen.
So bleibt sein Vermächtnis Auftrag und Ermutigung: den Menschen in Uniform seelsorglich nahe zu sein, ihnen geistliche Heimat zu geben und das Evangelium glaubwürdig in ihrem Lebensumfeld zu verkünden.
Doreen Bierdel

