Unter dieser Frage standen Ende Oktober drei abwechslungsreiche Tage in Mülheim an der Ruhr, an der rund zwanzig Unteroffiziere aus dem westlichen Bereich der Bundesrepublik mit großem Gewinn teilnahmen. Die Teilnehmer brauchen hier nicht gegendert werden, weil unter ihnen und auch den Referenten tatsächlich nur eine Frau war: In der Mitte des Seminars führte eine ganztägige Exkursion zum NATO-Standort in Geilenkirchen an der niederländischen Grenze, wo die zuständige Militärseelsorgerin aus Aachen, Pastoralreferentin Maike Seelhorst, die Gruppe empfing und begleitete. Von der veranstaltenden Akademie des Bistums Essen „Die Wolfsburg“ gestaltete Dozent Dr. Jens Oboth das Programm. Referenten waren Kapitän zur See Christian Scherrer aus dem Stab des Deutschen Militärischen Vertreters im Militärausschuss der NATO und EU in Brüssel sowie Generalleutnant a. D. Dr. Ansgar Rieks. Pater Roman Fries SAC vom Katholischen Militärpfarramt Ahlen feierte eine Abend-Andacht und begleitete das ganze Seminar.
„Vom Kalten Krieg zur Krisenallianz“
Die NATO (North Atlantic Treaty Organization) als militärische und vor allem politische Gemeinschaft war als Thema in einer der vorigen, inzwischen schon bewährten Akademie-Veranstaltungen gewünscht worden. Der Brüsseler Fachmann Scherrer von der Marine erläuterte dazu in drei Unterthemen die knapp 80-jährige Geschichte des Bündnisses seit Ende des Zweiten Weltkriegs, seine Strukturen und gab einen fundierten Ausblick auf die „Zukunftsgarantin“, als die er das Bündnis durchaus sieht. Bei allen Vorträgen der drei Tage setzten die Referenten ihre PowerPoint-Präsentationen sehr lebendig ein und ließen sich immer wieder gerne durch Rückfragen und Diskussionsbeiträge der engagierten Unteroffiziere unterbrechen.
Einblicke in den multinationalen fliegenden Verband und die Militärseelsorge an der Grenze
Der zweite Tag, der in guter Tradition durch eine Exkursion zu einem interessanten Ziel außerhalb Mülheims geprägt ist, bot durch die längere Busfahrt zusätzlich Gelegenheiten zum Austausch zwischen den Teilnehmern. Dabei sprachen sie offen manches Problem in ihrem Dienstalltag an und drückten Unzufriedenheit beispielsweise mit der Bürokratie und dem Sanitätswesen aus. „Wir als Reservisten stoßen auf wenig Interesse“, äußerten außerdem Einzelne, die diesmal Gelegenheit zur Teilnahme hatten.
Passend zur Überschrift steuerte der Reisebus die „NATO Airborne Early Warning & Control Force Headquarters“ in der Nähe des Dreiländerecks Niederlande-Belgien-Deutschland an, bekannt vor allem durch die AWACS-Flugzeuge. Bevor eine der Überwachungsmaschinen auf dem hochgesicherten Flugfeld von außen und innen besichtigt wurde, stellte Stabsfeldwebel Andreas Bong im AWACS-Museum die Entwicklung der Luftraum-Überwachung und speziell den großen Standort und die unterschiedlichen Flugzeugtypen seit etwa 45 Jahren vor. Einzelheiten und vor allem Fotos können hier nicht dargestellt werden.
Zur Abrundung des Besuchs in dieser sehr international und englischsprachig geprägten Kaserne zeigten Militärseelsorgerin Seelhorst und ihr US-amerikanischer Kollege den Gästen den multireligiösen Andachtsraum und standen für vielfältige Fragen – vor allem zu NATO- und USA-Themen – zur Verfügung. Dabei betonte der Mitarbeiter der amerikanischen Militärseelsorge, dass er in Uniform keinesfalls über Politik spreche.
„Die Welt der neuen Herausforderungen“
Am Abschlusstag weitete der vormalige stellvertretende Luftwaffen-Inspekteur Rieks, der die Militärseelsorge weiterhin im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) vertritt, den Blick: In einem ersten Vortrag sprach er u. a. über „Ethische Herausforderungen von Digitalisierung in den Streitkräften“ und somit über den „Krieg der Zukunft“. Eher überraschend für die Teilnehmer und sehr anschaulich stellte der letzte Vortrag die Arktis als geopolitischen Schauplatz und Einsatzgebiet der NATO dar.
In einer Abschlussrunde wurde unter anderem angesprochen, dass die Dienststellen der NATO in Deutschland wie auch in Belgien – zum Beispiel die Hauptquartiere in Brüssel und SHAPE in Mons – zwar für viele interessant seien, aber sich kaum jemand dorthin bewerben wolle. Auch beim Stichwort der neuen Brigade in Litauen, die derzeit in aller Munde ist, gab es wenig persönliches Interesse – wohl auch wegen des diesmal etwas höheren Altersdurchschnitts der Unteroffiziere. Für die nächsten Veranstaltungen dieser Art möchten aber die meisten gerne Werbung machen und dafür sorgen, dass sie in der Breite bekannter werden.
Ausblick und Einladung
Weitere Unteroffiziers-Akademien für Soldatinnen und Soldaten im Bereich des Katholischen Militärdekanats Köln (Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen) in der „Wolfsburg“ sind in Vorbereitung und werden empfohlen, vor allem auch für jüngere Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
23.–25.3.2026 über die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Landes- und Bündnisverteidigung sowie
15.–17.6.2026 zu Kriegen und Krisen der Zukunft.
Anmeldung über Ihr Katholisches Militärpfarramt und das Militärdekanat Köln bei der Akademie „Die Wolfsburg“!
Jörg Volpers




