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Auf dem Weg zur Schwarzen Madonna

Eine Reportage von David N. Böhm und Doreen Bierdel

Pilger der Hoffnung unterwegs von Warschau nach Tschenstochau

2025 ist für die katholische Kirche ein besonderes Jahr – ein Heiliges Jahr, das unter dem Leitwort „Pilger der Hoffnung“ steht. Überall auf der Welt brechen Gläubige zu Wallfahrten auf, um Zeichen des Vertrauens, der Gemeinschaft und der Zuversicht zu setzen.

Auch in Polen wird dieser Gedanke sichtbar: Anfang August machen sich Soldatinnen und Soldaten aus Polen, Litauen, der Slowakei, den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland gemeinsam auf den Weg. Ihr Ziel ist das Heiligtum der Schwarzen Madonna in Tschenstochau – 300 Kilometer zu Fuß von Warschau aus. Dabei ist das Motto „Pilger der Hoffnung“ mehr als ein Slogan. Er zeigt, dass selbst in einer Welt voller Unsicherheiten und Konflikte der Glaube Menschen verbindet. 

Ein Segen im Rucksack

Für die deutsche Pilgergruppe beginnt die Reise schon zwei Tage zuvor in der Kapelle des Katholischen Militärbischofs in Berlin. Militärseelsorger Mateusz Szeliga spendet den Reisesegen und segnet Rosenkränze, die die Pilger als Zeichen des Glaubens und als geistliche Wegbegleiter mitnehmen. Die Rosenkränze sind nicht nur ein Symbol; sie werden zu festen Begleitern auf den langen Etappen und erinnern die Pilger daran, dass jeder Schritt eingebettet ist in ein größeres, spirituelles Ziel.

Ankommen in Polens Herz – Geschichte, Gebet und Gemeinschaft

Nach der Anreise nach Warschau führt Militärpfarrer Szeliga die Gruppe durch die Geschichte und Spiritualität des Landes: vom imposanten Kulturpalast über das bewegende Museum des Warschauer Aufstands bis zur Kathedrale des polnischen Militärbischofs. Besonders eindrucksvoll ist der Besuch der ehemaligen Grenze des Warschauer Ghettos. Heute ist sie ein stilles Mahnmal für die Schrecken der Geschichte, ein Ort der Erinnerung und Besinnung. Die Pilger spüren, wie eng Glaube, Geschichte und Gegenwart miteinander verbunden sind. Die Besichtigungen bieten nicht nur Hintergrundwissen, sondern stimmen auf die bevorstehende Wallfahrt ein und sind auch ein langsames Loslassen des Alltags.

Wenn die Fahnen im Morgenlicht glänzen

Der Starttag beginnt mit Trompetenklang und dem Duft von Weihrauch. Über den Platz vor der Militärkathedrale ziehen erste Sonnenstrahlen, die die polierten Metallflächen der mitgeführten Fahnen aufblitzen lassen. In den Reihen stehen Pilger aus fünf Nationen, Schulter an Schulter. Noch sind es 300 Kilometer bis zur Schwarzen Madonna. Ein Weg, der Blasen verspricht, aber auch Begegnungen, Gebete und das stille Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.

Die erste Etappe misst 44 Kilometer und führt zu 95 Prozent über harten Asphalt – eine Belastung für Füße und Gelenke. Doch jedes Mal, wenn die Pilger eine Ortschaft erreichen, läuten bereits die Kirchenglocken. Für viele ist das Trost genug, um weiterzugehen. Am Straßenrand stehen Menschen, winken, reichen Wasserflaschen, Äpfel oder belegte Brote. „Dziekuje“ – Danke – wird zum meistgesagten Wort des Tages.

Ein Tagesrhythmus aus Gebet und Schritten

Die Tage folgen einem festen Ablauf: Wecken mit Trompetensignal und Popmusik, Morgengottesdienst, stundenlanges Gehen, durchzogen von Gebeten, die über Lautsprecher vorgebetet werden. Dabei entsteht ein eigenes Tempo, ein Rhythmus zwischen Schritt und Gebet, der Sicherheit und Orientierung gibt.

Die Feldgottesdienste zeigen die Vielfalt und Einfachheit im Glauben. Mal im schlichten Grün am Wegesrand, mal in prächtigen Kirchen, begleitet von Geige und Cello. Die Melodien sind den deutschen Pilgern oft vertraut, die Texte unverständlich, doch auch das Mitsummen verbindet. Die Momente gelebter Begegnung werden dann besonders sichtbar, wenn immer wieder Menschen aus der Umgebung hinzukommen und an der Messe teilnehmen.

Fünf Nationen, ein Rosenkranz

Rund 25 bis 35 Kilometer liegen täglich vor den Pilgern. Wer nicht mehr kann, darf auf den LKW – doch die deutsche Gruppe bleibt geschlossen auf den Beinen. Das Rosenkranzgebet von fünf Nationen in fünf Sprachen ist für viele Pilger besonders eindrucksvoll. Jeder Abschnitt wird von der jeweiligen Nation übernommen, ein harmonisches Zusammenspiel von Stimmen, Gebeten und Musik. Beim Abendappell bringt die deutsche Delegation jeden Abend ein Marienlied ein, das Pfarrer Szeliga zuvor übersetzt hat. In dieser Mischung aus Musik, Sprache und Gebet spiegelt sich der Geist des Heiligen Jahres wider: die Hoffnung, die Gemeinschaft und die internationale Verbundenheit im Glauben.

Unterwegs zwischen Regen und Sonne

Ein Teil der Route gehört zum Jakobsweg. Mal regnet es in Strömen, mal brennt die Sonne bei fast 30 Grad. Die Pilger trotzen Wind und Wetter, genießen aber auch kleine Momente der Stille, der Natur und der Gemeinschaft. Die Glocken der Ortschaften begleiten jeden Schritt, läuten Trost und Ermutigung. Sie markieren Etappen, zeigen: Ihr seid willkommen, ihr seid gesehen, ihr seid nicht allein.

„Es ist gut, dass ihr hier seid“

Der polnische Militärbischof Wieslaw Lechowicz läuft eine Etappe mit, spricht fließend Deutsch und sagt im Gespräch mit den deutschen Soldaten: „Es ist gut, dass ihr hier seid“. Sein Gang an der Seite der Pilger und seine Worte erinnern daran, dass die Wallfahrt kein Einzelereignis ist, sondern ein gemeinsames Zeugnis des Glaubens.

Nach einem langen Anstieg durch den Wald öffnet sich die Landschaft. In der Ebene zeichnet sich das Dominikanerkloster Gidle ab, die Türme sind schon von weitem zu erahnen. In der kleinen, reich verzierten Marienkapelle nehmen sich die Pilger einen Moment der Stille. Hier ist es Tradition, auf den Knien um die Madonna zu gehen.

Nicht mehr weit bis Tschenstochau

Die nächste Etappe ist mit 26 Kilometern kürzer, doch die Hitze drückt: wieder nahe 30 Grad, oft in praller Sonne. Der Feldgottesdienst wird von einer großen Zahl an Priestern zelebriert. Am Wegesrand begegnen den Pilgern weiterhin kleine Kapellen, stille Marker der Volksfrömmigkeit, die den Takt des Tages mitbestimmen. Am Abend stößt Brigadegeneral Hammerstein zur Gruppe. Gemeinsam mit Brigadier General Krzysztof Zielski (Deputy Chief of the General Staff of the Polish Armed Forces) sowie amerikanischen Kameraden gibt es Pizza.

14. August – Zielgerade

Der Morgen beginnt mit einem Feldgottesdienst. Dann folgen die letzten zehn Kilometer. Nach sieben Kilometern die letzte Wasserpause. Brigadegeneral Hammerstein überreicht den Kommandeurs-Coin an Staff Sergeant Birtch, mit herzlichem Dank für die länderübergreifende Unterstützung bei der Versorgung von Blasen und wunden Füßen.

Ankommen bei der Schwarzen Madonna

Es ist geschafft. Die Pilger erreichen das Heiligtum; viele Menschen drängen nach vorne, der Moment vor dem Gnadenbild ist kurz, fast flüchtig. Zum Abschluss dankt Brigadegeneral Hammerstein der Gruppe und überreicht einen weiteren Kommandeurs-Coin an Oberstabsgefreiten Nguyen für sein starkes organisatorisches Engagement.

Die Wallfahrt ist mehr als ein Marsch. Sie ist ein sichtbares Zeichen der internationalen Solidarität im Glauben, ein geistlicher Weg voller Begegnungen und ein Beitrag zum weltweiten Motto des Heiligen Jahres: „Pilger der Hoffnung“. Jeder Schritt, jede Etappe, jedes gemeinsame Gebet ist ein Bekenntnis, dass Glaube verbindet, tröstet und über Grenzen hinweg Hoffnung schenkt.

 

 

Mehr Eindrücke von der internationalen Militärwallfahrt nach Jasna Góra finden Sie im Bericht des polnischen Militärordinariats:Zum Artikel

Erfüllt vom Heiligen Geist durch Polen! Doch, was ist das eigentlich für eine Wallfahrt?: Zum Artikel

Die Schwarze Madonna von Tschenstochau

  • Ort: Kloster Jasna Góra, Tschenstochau (Polen)
  • Entstehung: Wahrscheinlich zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert in der byzantinischen Tradition gemalt. Der Legende nach vom Evangelisten Lukas auf Holz vom Tisch der Heiligen Familie gefertigt. Der Legende zufolge brachte Fürst Ladislaus von Oppeln die Ikone im 14. Jahrhundert nach Jasna Góra.
     
  • Darstellung: Ikone der Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind. Der dunkle Teint der Gesichter gab dem Bild den Namen „Schwarze Madonna“.
  • Berühmte Narben: Zwei parallele Schnitte auf der rechten Wange Mariens stammen laut Überlieferung von einem Raubüberfall im Jahr 1430.
  • Bedeutung: Das Bild wird als mächtige Fürsprecherin und Beschützerin Polens verehrt. Besonders in Zeiten nationaler Bedrohung wurde Jasna Góra zum Zentrum des Gebets und Widerstands. Das Gnadenbild gilt als Nationalsymbol Polens und Ziel der bedeutendsten Wallfahrt des Landes. Jährlich kommen mehrere Millionen Pilger aus aller Welt.
     
  • Feiertag: 15. August (Mariä Himmelfahrt)