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„Ihre Hilfe ist mehr als willkommen“.

Torsten Stemmer als Leitender Militärdekan in Kiel ins Amt eingeführt

Mit einem Pontifikalamt in der Kieler St. Heinrichkirche ist Torsten Stemmer offiziell in sein Amt als Leitender Militärdekan eingeführt worden.

Wirkliches Neuland hat Torsten Stemmer in dieser Woche nicht betreten. Bereits seit vergangenem Sommer leitet er das Katholische Militärdekanat Kiel, damals trat er die Nachfolge von Msgr. Rainer Schadt an. Dennoch: Der Gottesdienst mit dem Katholischen Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck und der anschließende Empfang im Kieler Marinestützpunkt boten die Gelegenheit, den nicht mehr ganz so neuen Leiter des Dekanats nochmals offiziell zu begrüßen, ihm alles Gute für seine herausfordernde neue Aufgabe zu wünschen und ihn – wer dazu bislang noch nicht die Gelegenheit hatte – besser kennenzulernen.

Wobei letzteres wohl kaum nötig ist. Torsten Stemmer ist zwar erst 41 Jahre alt, hat aber schon reichlich Erfahrung im Dienst der Katholischen Militärseelsorge gesammelt und ist im Norden wohlbekannt. 2017 trat der aus Voerde am Niederrhein stammende Pfarrer – vom Münsteraner Bischof Dr. Felix Genn hat er sechs Jahre zuvor die Priesterweihe empfangen – seinen Dienst im Militärpfarramt Wilhelmshaven an. Vier Jahre später wechselte Torsten Stemmer nach Rostock, um dann im Juni 2023 sein Büro im Militärdekanat Kiel zu beziehen. Aber nicht nur seine Stationen in Kirche und Militärseelsorge haben ihn auf seine Aufgabe vorbereitet. Ursprünglich wollte er Marineoffizier werden, war sogar auf der Gorch Fock, die er nun von seinem Bürofenster aus bewundern kann, ehe er die Offiziersausbildung beendete, für den Rest seines Wehrdienstes als Geschäftszimmersoldat im Katholischen Militärpfarramt eingesetzt war und dort erste Erfahrungen in der Militärseelsorge sammelte.

Wichtige Erfahrungen waren das, wie Torsten Stemmer selbst sagt: „Ich habe gemerkt, das ist es, was mir immer gefehlt hat.“ Eine Erfahrung, die ihm sicherlich auch bei der Bewältigung seiner jetzigen Aufgabe helfen werde, wie die Vizepräsidentin des schleswig-holsteinischen Landtags Eka von Kalben beim Empfang im Marinestützpunkt sagte. „Sie werden in Kiel Seelsorger, Ratgeber und Mutmacher sein, aber noch mehr als das, nämlich ein Kamerad“, sagte die Politikerin in Bezug auf Stemmers militärische Erfahrungen. Er sei seiner Berufung gefolgt, sagte sie, und das sei gut, denn „Sie wissen, was Soldatinnen und Soldaten leisten müssen, Sie kennen ihre Sorgen“. Ausdrücklich dankte Eka von Kalben dem Katholischen Militärbischof Franz-Josef Overbeck für seine Predigt in der St. Heinrichkirche. Als Politikerin und als Christin fühle sie sich davon angesprochen, „das hat mich sehr berührt“.

Militärbischof Overbeck hatte im Pontifikalgottesdienst von den Aufgaben der Militärseelsorge gesprochen, die den Soldatinnen und Soldaten bei ihren Gewissensentscheidungen zur Seite steht. „Seelsorge heißt vor allem Nähe zu den Soldatinnen und Soldaten, ihren Familien und den Beschäftigten der Bundeswehr, wir sind für alle da.“ Das gelte nicht zuletzt für die Gewissensfragen, wenn entschieden werden müsse, was richtig und was falsch sei. „Niemand ist wertfrei. Wir müssen uns bekennen.“ Das gelte auch für die Haltung zum Ukrainekrieg, den der Militärbischof als Systemkonflikt bezeichnete. Es gehe darum, wie wir leben - autoritär oder demokratisch“.

Der Pontifikalgottesdienst in der St. Heinrichkirche ist wie der anschließende Empfang vom Marinemusikkorps Kiel musikalisch begleitet worden. Im Marinestützpunkt hatte Militärbischof Overbeck dem neuen Leitenden Militärdekan die Ernennungsurkunde übergeben und ihm viel Freude an der neuen Aufgabe gewünscht, die er mit Geist, Kraft und Empathie angehen möge.

Oberst Axel Schneider, der Kommandeur des Landeskommandos Schleswig-Holstein, sieht die Soldatinnen und Soldaten bei den Militärseelsorgern in guten Händen. „Sie finden den Zugang zu ihnen, der Funke springt über.“

Flottillenadmiral Sascha Helge Rackwitz, der Kommandeur der Einsatzflottille 1, hieß den Leitenden Militärdekan herzlich willkommen und hoffte, „dass Sie uns möglichst lange verbunden bleiben“. Schließlich sei die Notwendigkeit, sich mit den letzten Fragen zu beschäftigen, mehr denn je gegeben, „Ihre Hilfe ist mehr als willkommen“.

Ernst Raunig, der evangelische Leitende Militärdekan, ist nicht nur so lange im Amt wie Torsten Stemmer, er stammt ebenfalls vom Niederrhein und residiert im selben Gebäude wie sein katholischer Kollege. Grund genug, das Gemeinsame und die gute Zusammenarbeit zu betonen, die notwendig sei, damit die Seelsorge gelinge.

Militärisch knapp und deutlich sagte Hauptmann Michael Soltner als Vertreter des Laienapostolats, was er von Dekan Stemmer erwarte: Weitermachen. Nämlich so, wie er ihn in den vergangenen Monaten bereits erlebt habe – offen und mit klaren Vorstellungen, berechenbar und authentisch.

Das wird der Leitende Militärdekan sicherlich gerne auch bleiben, aber noch einiges mehr, wie er selbst im Anschluss sagte. An Militärbischof Overbeck gewandt, sagte er: „Ich kann Ihnen versichern, dass wir mit Ihnen zusammen das Evangelium Jesu Christi verkündigen wollen, gerade auch dort, wo Krieg und Terror herrscht, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden und wo unser christliches Menschenbild durch Menschen verachtenden, totalitäre und antidemokratische Bestrebungen in Gefahr gerät.“

Theo Weisenburger