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Hl. Familie - Krippe für das Weihnachtsfest 1946

Material: dicke Pappe, mit Ölfarbe bemalt.

Maße: zwischen 7,8 cm und 21 cm (Höhe) und 11, 8 und 15,4 cm (Breite).

Künstler: Edmund Freiherr Gedult von Jungenfeld (1922-2009), kriegsgefangener Soldat im Lager 501 bei Chartres, im Block I, dem sogenannten Stacheldrahtseminar, seit 1951 Priester des Bistums Mainz.
Entstehungszeit: vor dem Weihnachtsfest 1946.

© Archiv des Katholischen Militärbischofs 2006

Die drei einzelnen Figuren der Hl. Familie wurden aus dicker Pappe ausgeschnitten und zum Aufstellen mit Ständern aus dem selben Material bestückt.

Diese kleine Weihnachtskrippe entstand zum Weihnachtsfest 1946 auf besonderen Wunsch für die Bibliothek des "Stacheldrahtseminars".

Für die Weihnachtszeit wurden im Block I des Kriegsgefangenenlagers 501 bei Chartres mehrere Krippen gefertigt: zum einen für die Kapelle in Ton ausgeführt und zum anderen für den großen Speisesaal eine großfigurige Krippe, die als Gemeinschaftsarbeit entstanden ist, wobei Edmund von Jungenfeld, der Schöpfer der "Bibliothekskrippe", die Figur eines Hirten beisteuerte.

Von 1945 bis 1947 bestand vor den Toren von Chartres im Block I des Kriegsgefangenenlagers 501 das sogenannte Stacheldrahtseminar. Dort wurde für einen Teil der Kriegsgefangenen auf die Initiative des Generals Boissau die Möglichkeit geschaffen, sich auf das Theologiestudium vorzubereiten und erste Studien zu absolvieren, die von den Universitäten in Freiburg und Mainz für das Hochschulstudium angerechnet wurden.

Ziel dieses von den Franzosen gewährten Seminars war, den jungen Menschen, die berufen waren, praktische und moralische Verantwortung zu übernehmen, für den moralischen Wiederaufbau Deutschlands eine geistige/geistliche Ausbildung zu geben, um einer möglichen neuen negativen Indoktrinierung, wie sie in Deutschland unter dem Nationalsozialismus erfolgte, entgegenzuwirken.

Insgesamt haben fast 1000 junge Männer in diesem Stacheldrahtseminar theologische Studien betrieben. Damit wurde dieses Seminar hinter Stacheldraht zum größten Priesterseminar der europäischen Geschichte.

© Archiv des Katholischen Militärbischofs 2006

Als Regens für das Seminar gewann die französische Militärseelsorge Abbé Franz Stock, der mit weiteren geistlichen Dozenten, unterstützt auch von Laien, einen regulären Seminarbetrieb aufzubauen versuchte. Franz Stock (1904-1948), Paderborner Priester, war seit 1934 als Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde in Paris tätig gewesen. Neben der Seelsorge war es ihm nach dem Ersten Weltkrieg auch ein Anliegen, einen Beitrag zur deutsch-französischen Verständigung zu leisten. Mit der Besetzung Frankreichs und vor allem von Paris wurde Franz Stock ab 1940 mit der Seelsorge in den Wehrmachtgefängnissen beauftragt. Man hatte ihm die schwierige Aufgabe übertragen, die zum Tode verurteilten Gefangenen zu betreuen.
Obwohl gesundheitlich schwer angegriffen, kehrte er nicht in die Heimat zurück, sondern ließ sich erneut einspannen, um als Regens an der geistigen und geistlichen Fortbildung einer jungen Männergeneration tatkräftig und federführend mitzuwirken.
Im Juni 1947 wurde das "Stacheldrahtseminar" aufgelöst und die kriegsgefangenen Seminaristen und ihre Dozenten in die Freiheit entlassen.
Am 24. Februar 1948 starb Franz Stock in Paris.

Text: Dr. Monica Sinderhauf