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Antimensium

Ein aus Leinen oder Seide gefertigtes Tuch, in das Reliquien von hl. Märtyrern eingenäht sind und das vom Bischof geweiht wird. Schon im 9. Jahrhundert nachweisbar, war es zunächst und vor allem im griechischen Raum bekannt.
Etymologisch ist Antiminsion ein lat.-grch. Wort, gebildet aus anti und mensa in der Übersetzung als "Ersatztisch" bzw. "Ersatzaltar".     

Während des Zweiten Weltkrieges kam das Antimensium als Alternative zum fragilen Altarstein verstärkt in Gebrauch. So dokumentiert im Verordnungsblatt des Katholischen Feldbischofs der Wehrmacht (KFVBl.) 4/1942 vom 15.4.42 Ziffer 43 S. 22 und im KFVBl. 8/1942 vom 15.8.42 Ziffer 75 S. 43 und im KFVBl. 9/1942 vom 15.9.42 Ziffer 93 S. 51:  

Gebrauch des Antimensium als Ersatz für den Altarstein

Auf Grund der im Reskript der Apostolischen Nuntiatur Nr. 46.119 vom 26.3.1942 gewährten Vollmacht erteilt der Katholische Feldbischof der Wehrmacht allen im Felde stehenden Kriegspfarrern bei Ausübung ihrer Tätigkeit und den Priestersoldaten bei privater Zelebration die Erlaubnis, an Stelle des Altarsteins das sog. Antimensium zu gebrauchen.

Folgendes ist hierbei zu beachten:

  1. Die erteilte Erlaubnis gilt für die Dauer des gegenwärtigen Krieges.
  2. Nur die im Felde stehenden Kriegspfarrer und Priestersoldaten dürfen von der Vollmacht Gebrauch machen.
  3. Das von Papst Benedikt XIV. der griechischen Kirche gestattete Antimensium (auch Antiminsion) ist ein Tuch aus Leinen oder Seide, welches eingenähte Reliquien enthält.

Aus einer Antwort der Ritenkongregation ergibt sich, daß das für die Zelebration zugelassene Tuch aus Leinen oder Seide mit eingenähten Reliquien keiner Benediktion bedarf und daß durch die Verwendung desselben bei der Feier der heiligen Messe die Benutzung des Korporale nicht ausgeschlossen ist, daß also jedesmal auf dieses Reliquientuch das Korporale auszubreiten ist.

 

Antimensium für Kriegspfarrer und Priestersoldaten

Alle Anfragen betr. vorschriftsmäßige Anfertigung und Beschaffung von sogenannten Antimensien für Kriegspfarrer und Priestersoldaten mögen künftig an die Kirchliche Kriegshilfe in Freiburg, Br. (Werthmannhaus) gerichtet werden.

Das hier abgebildete Antimensium stammt aus dem Nachlass des Kölner Diözesanpriesters und ehemaligen Marinekriegspfarrers Heinrich Schwamborn (1911-1996), das er aus russischer Kriegsgefangenschaft (1945-1949) mit nach Hause gebracht hatte. Möglicherweise zum Zwecke der Reinigung sind die nochmals eigens eingenähten und versiegelten Reliquien aus ihrem Stofftäschchen, das sie mit dem Leinentuch verbunden hatte, gelöst worden. Am Rand sind noch entsprechende Nahtspuren um eine besonders mit Stickgarn markierte Stelle (in Form einer kleinen Mandorla, die von einem Kreuz bekrönt wird) zu erkennen. In der Mitte des Tuches ist in weißem und hellbraunem Stickgarn ein gleichschenkliges Kreuz aufgestickt.

Text: Dr. Monica Sinderhauf