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Altar- bzw. Kultkoffer und Kulttornister Teil 2

Kulttornister

Alternativ zum Kultkoffer gab es den sogenannten Kulttornister. Bei der Wehrmacht auch Feldtornister genannt, der - aus feldgrauem bzw. olivgrünem Leinenstoff bestehend - für das Tragen auf dem Rücken konzipiert war. Darin fanden die wichtigsten und notwendigsten Geräte und Paramente Aufnahme.

Das ideale Kultusgerät ist der Tornister. Er enthält alles Notwendige, nimmt nicht viel Platz ein und ist nicht so schwer, daß er nicht ein paar Kilometer auf dem Rücken getragen werden kann. Im Feldtornister ist ein vollständiges Meßbuch, das sehr handlich ist, im Koffer aber nur ein Büchlein, das die vier Formulare enthält und in seinem Schwarzdruck schwer leserlich ist.

Neben der Wehrmacht stellte - als zivile kirchliche Institution die Kirchliche Kriegshilfe beim Caritasverband Freiburg für die in die Wehrmacht eingezogenen Priestersoldaten (als Soldaten eingezogene Geistliche) vergleichbare Stofftaschen zur Verfügung.

Kulttornister

Auch vom München-Freisinger Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber ist bekannt, dass er für seine zur Wehrmacht eingezogenen Diözesanpriester ca. 200 Feldmesskoffer fertigen ließ (vgl. Zitat). Auf Grund ihrer handlichen Größe und des leichten Materials, ausgestattet mit den notwendigsten Gegenständen für die Messfeier (s. u.), waren diese Kultkoffer sehr funktional. Die Kulttaschen der Kirchlichen Kriegshilfe bzw. aus den Heimatdiözesen waren zudem als persönliche Ausrüstung des einzelnen Priesters gedacht. Die vom Heereszeugamt Spandau bzw. der Feldzeugdienststelle ausgegebenen Koffer und Tornister hingegen gehörten als Eigentum der Wehrmacht zur Ausstattung der Dienststellen.

So schrieb die Heeres-Druckvorschrift (H. Dv.) 373 Bestimmungen für besondere Dienstverhältnisse der Kriegspfarrer beim Feldheer (Krpf. Best.) vom 18. Juni 1941, Berlin 1941, in Ziffer 22 fest:
Die Kriegspfarrer haben sich wegen der Feldkoffer oder Feldtornister ausschließlich an die zuständige Abteilung ihrer Kriegsdienststelle und nicht an das OKH (AHA/Ag/S oder AHA/Fz Jn) oder an die Feldbischöfe zu wenden. Die Kriegsdienststelle veranlasst die Anforderung etwa fehlender Feldkoffer und Feldtornister auf dem Nachschubdienstweg. Die Feldkoffer und Feldtornister gehören zur Dienststelle, nicht zur Person des Kriegspfarrers, und sind daher bei Versetzung (nicht Kommandierung) bei der Dienststelle für den Nachfolger zurückzulassen. Vgl. Oberkommando des Heeres (Ch H Rüst u. BdE) Az 64 o AHA/Fz Jn IV g (1) vom 4. Februar 1943: Da dieses Gerät zur Ausstattung der Einheit und nicht zur persönlichen Ausrüstung des Mannes gehört, wird gebeten, die Feldgeistlichen anzuweisen, künftig bei Versetzungen usw. das Kultusgerät bei der Einheit zu belassen.

Die Verfügung, die Feldkoffer bzw. die Feldtornister bei der Dienststelle für den Nachfolger zurückzulassen, wurde offenbar stellenweise ignoriert, weshalb an sie mit weiteren Verfügungen des Oberkommandos des Heeres sowie im Verordnungsblatt des Katholischen Feldbischofs der Wehrmacht wiederholt erinnert werden musste.

Inhalt eines von den Heimatdiözesen bzw. der Kirchlichen Kriegshilfe verschickten Kultkoffers:

Feldtornister
Detail
  • Kruzifix mit Corpus
  • 2 Kerzenhalter, Kerzen
  • 1 Kelch mit Patene (Löffel), vergoldet, mit Samtbeutel zur Aufnahme
  • 1 Ölfass in Messing vergoldet, dreiteilig
  • 1 Hostiendose in Messing mit Burse
  • 1 Taschenaspergill mit Behälter für Weihwasser
  • 1 Kasel, doppelseitig in weiß/grün, einschließlich Stola, Manipel
  • 1 einfache Albe aus Leinen
  • 1 Schultertuch mit gesticktem Kreuz und Leinenbänder
  • Kelchwäsche in Leinen, bestehend aus Korporale, Purifikatorium (Kelchtüchlein), Palla
  • Tischvelum
  • 1 Cingulum aus Leinenkordel und Quasten
  • 1 kleines Messbuch

Text: Dr. Monica Sinderhauf