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Altar- bzw. Kultkoffer und Kulttornister Teil 1

Kultkoffer

Auch unter anderen Bezeichnungen wie Feldmesskoffer, Meßkoffer, Kirchenkoffer, Liturgiekoffer im sprachlichen Gebrauch.

In der Militärseelsorge aber auch für die Mission dienen spezielle Koffer mit entsprechender Inneneinrichtung dem Transport der liturgischen Geräte und Paramente. Als handlichere Variante gibt es auch Stofftaschen und Tornister.

Das hier vorgestellte Beispiel zeigt einen Feldmesskoffer, wie er dem katholischen Wehrmachtgeistlichen während des Zweiten Weltkriegs zur Verfügung stand.

1939 belieferte die Paramentenhandlung Erwin Puttrus in Berlin (Yorckstr. 88 - im Hause der St. Bonifatiuskirche) das Heeresbeschaffungsamt in Berlin mit einer größeren Zahl von Feldmeßkoffern, die aus Sperrholzplatten mit Kunstlederbezug (in feldgrau) und mit Inneneinrichtung gearbeitet waren. Die Koffer dienten zunächst allein dem Transport der liturgischen Geräte und Paramente. Nach einer im März 1939 in Absprache mit der Dienststelle des Katholischen Feldbischofs der Wehrmacht in Berlin zusammengestellten Liste wurde der Koffer bestückt.

Diese Ausstattung ging von der in Friedenzeiten und unter normalen Umständen zu feiernden Messe aus. Die Kosten für einen in solcher Form ausgestatteten Koffer lagen zwischen 850 bis 1000 Reichsmark (RM).

Während des Krieges wurden von den Firmen Rauscher in Fulda und Pfeiffer in München auch kleinere und handlichere Kultkoffer hergestellt und an die Wehrmacht geliefert.

Die in den vom Heereszeugamt Spandau gelieferten Feldmeßtornistern und Feldkoffern enthaltenen Kelche sind ohne Ausnahme konsekriert; eine Weihe der Paramente und des sonstigen Kultusgeräts hat nicht stattfgefunden. (KFVBl. 7/1943 vom 1. 10. 43 Ziffer 44, S. 29)

Für den Einsatz im Felde und die häufig unter freiem Himmel zu feiernden Messen wurde der Inhalt um einige Gegenstände reduziert (die auf der Liste blaugeschriebenen Gegenstände waren nicht mehr in der Einsatzkofferfassung enthalten). Statt dessen ergänzte man die Ausstattung um jene Einrichtungen, die den Koffer mit wenigen Handgriffen in einen tragbaren Altar verwandelten.

Kultkoffer

Wichtigster Gegenstand hierzu war eine dreiteilige Holzplatte, die auf dem Rahmen des geöffneten Koffers festgeklemmt und zu beiden Seiten aufgeklappt werden konnte, so dass eine schmale Tischfläche entstand. In der Mitte der Holzplatte befand sich eine eingefasste Vertiefung zur Aufnahme eines Altarsteins. In der Form einer geweihten viereckigen Marmorplatte verwandelte er so den profanen Klapptisch in einen geweihten Altar.

Auf dem senkrecht stehenden Deckel des geöffneten Koffers waren je drei Schraubgewinde eingerichtet, die zur Aufnahme des Altarkreuzes und zweier Kerzenständer vorgesehen waren.

Aufstecker

So praktisch und komfortabel diese Konstruktion auch erscheint, bei den Kriegspfarrern, deren Dienstposten im Fronteinsatz mit diesem Koffer von der Felddienststelle der Wehrmacht ausgestattet worden waren, fand er wenig Anklang.

Der Koffer mit dem aufklappbaren Altartisch war für den Feldeinsatz unbrauchbar. Er war zu schwer zum Tragen über längere Strecken. Und selbst für den Transport in einem stets voll besetzten PKW - wenn er denn für den Kriegspfarrer zur Verfügung stand - war er zu groß.

Wehrmachtpfarrer Maximilian Kurschatke 1905-1988

So erläuterte es bei einem Frontlehrgang in seinem Referat Wehrmachtpfarrer Maximilian Kurschatke (1905-1988), der aus seinen Erfahrungen an der Ostfront heraus den bislang noch nicht als Divisionspfarrer an der Ostfront eingesetzten Mitbrüdern sehr praxisbezogene Ratschläge geben konnte. Er erklärte weiter:
Man ist gezwungen, die wichtigsten und notwendigsten Stücke so ähnlich wie die kirchlichen Stellen in der Heimat die Priestersoldaten ausstatten, in eine Tasche zu packen und den Koffer ins Depot zu legen, wo er selbstverständlich bei Absatzbewegungen verloren geht. Der Koffer, der vor dem Kriege für die Bezirksstandortpfarrer vorgesehen war, eignet sich noch weniger fürs Feld, da er noch größer und noch schwerer ist. Er enthält ja auch Dinge, die der Div.Pfarrer nie gebraucht wie z. B. das Weihrauchfaß.

Alternativ gab es deshalb den sogenannten Feldtornister, der - aus feldgrauem bzw. olivgrünem Leinenstoff bestehend - für das Tragen auf dem Rücken konzipiert war. Darin fanden die wichtigsten und notwendigsten Geräte und Paramente Aufnahme.

Text: Dr. Monica Sinderhauf