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Overbeck: Rolle von Religion bei Konflikten unterschätzt

Auf dem Podium: Botschafter Ekkehard Brose; Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck; Dr. Jochen Bittner, Moderation; Vizeadmiral Joachim Rühle; Prof. Dr. Eckard Minx. © KS / Doreen Bierdel

Auf dem Podium: Botschafter Ekkehard Brose; Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck; Dr. Jochen Bittner, Moderation; Vizeadmiral Joachim Rühle; Prof. Dr. Eckard Minx. © KS / Doreen Bierdel

Berlin (KNA), 30.11.2017. Die säkulare Gesellschaft hat nach Ansicht von Militärbischof Franz-Josef Overbeck die Rolle von Religion bei Konflikten vollkommen unterschätzt. Der Essener Bischof verwies am Donnerstag in Berlin auch auf den Mittleren Osten. Dabei warnte er vor der Ansicht, dass mit dem Sieg über den sogenannten "Islamischen Staat" (IS) der religiöse Extremismus überwunden sei. Der Bischof äußerte sich bei einer Veranstaltung des Zentrums für Ethische Bildung in den Streitkräften (Zebis), einem kirchlichen Bildungsakteur für die Bundeswehr.

Der Bischof mahnte dazu, beim Wiederaufbau etwa in Afghanistan das soziale Gefüge der Gesellschaft zu achten und das Gemeinwohl zu respektieren. Dies sei auch ein Problem in Syrien und Libyen. Auch Versöhnung sei schwierig. Diese könne nur über Personen gehen, die beispielhaft für den Frieden einstünden; über Systeme sei dies nicht möglich. Als Beispiel nannte er die Rolle von Nelson Mandela in Südafrika.

Der Beauftragte des Außenamtes für Krisenprävention, Botschafter Ekkehard Brose, warnte vor zu hohen Erwartungen an die "strategische Vorausschau". Den schwierigsten Punkt sah er darin, von der Analyse zur Frühwarnung und zum frühem Handeln zu kommen. Dies sei nicht nur eine Frage "institutioneller Schwerfälligkeiten". Derzeit sei es vor allem die große Zahl der Krisen, die die Politik überfordere. Es fehle an Kapazitäten, um in Ruhe über die Zukunft nachdenken zu können. Dennoch gelinge es inzwischen, bei der Behandlung von Krisen stabilisierend zu wirken.

Reinhardt Zudrop, Kommandeur Zentrum Innere Führung, stellte die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt des präventiven Eingreifens, damit es nicht zu einer Eskalation beitrage. Strategische Vorausschau eröffne Optionen für künftige Reaktionen. Ob sie nutzbar gemacht würden, sei eine Frage des politischen Willens. Der Völkermord in Ruanda sei ein Beispiel dafür, dass die Politik trotz aller Vorwarnungen nicht gehandelt habe.

Wolfgang Rudischhauser, Vizepräsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) nannte als besondere Herausforderung die technologische Entwicklung von Drohnen bis hin zu Kampfrobotern.
Diese Entwicklung werde die Rüstungstechnologie in den kommenden Jahren revolutionieren. Dabei gehe die Innovation vor allem vom zivilen Bereich aus.

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Website des Zentrums für ethische Bildung in den Streitkräften (zebis)

01.12.2017 09:35 Alter: 14 Tage