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Auf ein Wort

In dieser Rubrik kommen regelmäßig Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger zu Wort. Sie äußern sich ganz persönlich zu Anlässen aus dem Kirchenjahr oder dem allgemeinen Jahreslauf und notieren Gedanken, die ihnen aktuell bei ihrer Arbeit als Militärpfarrer, Pastoralreferent oder -referentin gekommen sind.
In den Artikeln geben die Autorinnen und Autoren ihre Meinung über das jeweilige Thema wieder und regen zum eigenen Nachdenken an.

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"Kopf-Hörer, Herz-Schritt-Macher und Hand-Werker" Autor: Militärgeistlicher Max Ziegler, Katholisches Militärpfarramt Sigmaringen, aus: Kompass 01/2013

Wie kann man den Glauben lernen? Ein Beitrag zum Jahr des Glaubens

„Schreib dir das hinter die Ohren!“ – sagt man, wenn der andere sich etwas besonders gut merken soll. Unsere Vorfahren nahmen, wenn sie Grundstücksgrenzen festlegen wollten, Buben als Zeugen mit, zogen sie an den Ohren und gaben ihnen Ohrfeigen. So wollte man sicherstellen, dass die Knaben sich auch noch im hohen Alter an den genauen Grenzverlauf erinnern konnten. Die Absprachen wurden ihnen buchstäblich „hinter die Ohren geschrieben“. Ein vielleicht wirkungsvolles, aber doch etwas seltsames Lernprogramm.

Alttestamentliches Lernprogramm

Ein weitaus sympathischeres Lernkonzept für die Gebote Gottes stellt Mose den Israeliten vor: „Diese meine Worte sollt ihr auf euer Herz und auf eure Seele schreiben. Ihr sollt sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf eurer Stirn werden.“ (Dtn 11,18)

Nicht durch Ohrfeigen will Mose dem Volk Israel die Gebote nahebringen, durch ein dreistufiges Lernprogramm soll es mit diesen wichtigen Worten vertraut werden. Mit einer geradezu modernen Pädagogik, mit einer – so würden wir heute sagen – „ganzheitlichen“ Methode will Mose erreichen, dass das Wort Gottes seinem Volk in Fleisch und Blut übergeht: Kopf, Herz und Hand werden angesprochen; das Denken, das Fühlen und das Handeln sind an diesem Lernprozess beteiligt.

Die Israeliten haben den Vorschlag des Mose ernst genommen: Eine Brosche an ihrem Turban sollte zeigen, dass das Wort Gottes tatsächlich zum Schmuck auf ihrer Stirn geworden war. Ein Armreif mit dem Zeichen Jahwes sollte deutlich machen, dass Gottes Gebot – um ihr Handgelenk gebunden – tatsächlich ihr Handeln bestimmt. Später haben sie diesen Brauch leicht verändert: Wichtige Worte der Bibel werden auf Pergamentstreifen geschrieben und in Kapseln gesteckt. Zum täglichen Gebet befestigt man dann eine solche Kapsel mit einem Gebetsriemen auf der Stirn, eine andere Kapsel am linken Oberarm – genau gegenüber dem Herzen.

Den Glauben lernen

Das Wort Gottes in den Kopf, ins Herz und in die Hand bekommen; es ins Denken, Fühlen und Handeln einfließen lassen: diesem Lernprogramm fühlt sich das Volk Israel verpflichtet. Wäre das nicht auch ein sympathisches und interessantes Programm für alle, die bewusst Christ sein wollen, die tiefer in ihren Glauben hineinfinden möchten?

Glauben lernen würde dann zunächst einmal heißen: „Kopf-Hörer“ werden. Mit dem Kopf das Evangelium hören – mit wachem Verstand, aufmerksam und kritisch; neugierig sein und wissen wollen, wie die Worte Jesu zu verstehen sind, nachdenken, diskutieren und Argumente finden, warum ein Leben im Sinn Jesu ein erfülltes Leben sein kann.

Glauben lernen würde dann auch heißen: „Herz-Schritt-Macher“ werden. Die Schritte, die wir auf unserem Lebensweg machen, vom Herzen lenken lassen; sich einfühlen in die Situation des anderen und dann herzlich auf ihn zugehen; sich die Worte Jesu unter die Haut gehen lassen, seine Geschichten beherzigen und sich von ihnen anrühren und bewegen lassen.

Glauben lernen würde schließlich heißen: „Hand-Werker“ werden. Mit unseren Händen wirken und arbeiten für das, was wir als wertvoll und richtig erkannt und erspürt haben; zupacken, wo unsere Hilfe gebraucht wird; anderen unsere Hände zur Stütze und zur Begleitung anbieten; durch die Praxis, und nicht nur durch Worte zeigen, dass wir Christ sein möchten – nach dem Motto: „Rede von Christus nur, wenn du gefragt wirst – aber lebe so, dass man dich fragt!“

Glauben lernen über Kopf, Herz und Hand – wer das versucht, der ist wie ein Mann, der sein Haus nicht auf Sand, sondern auf Fels baut … (Mt 7,24).

Militärgeistlicher Max Ziegler, Katholisches Militärpfarramt Sigmaringen

"Sind Sie echt?" Autor: Pater Stefan Havlik OblOT, Katholisches Militärpfarramt Wilhelmshaven II, aus: Kompass 02/2013

„Sind Sie echt?“, fragte mich eine Dame im Supermarkt. Sie konnte sich wohl kaum vorstellen, dass das Collarhemd – die traditionelle Kleidung des katholischen Priesters – kein Karnevalskostüm ist, sondern wirklich meinem Weihegrad entspricht.

Die Frage geht mir nach: Bin ich echt? Zweifellos: Die Handauflegung des Kölner Erzbischofs, der mich zum Priester weihte, ist mir noch sehr deutlich im Gedächtnis. Aber habe ich dadurch die Garantie, immer ein „echter Priester“ zu sein?

Den typischen Priester gibt es nicht. Es gibt alte und junge, forsche und scheue, humorvolle und ernste, traditioneller und moderner Orientierte: Das kann, ja, das muss sogar so sein. Auch im Bereich der Militärseelsorge ist es ein Gewinn, wenn Soldaten – gerade im Einsatz – unterschiedliche Pfarrer kennenlernen und erleben können. Nicht jeder findet zu jedem Militärseelsorger einen Zugang; Stärke der Kirche war und ist es immer, Vielfalt und Einheit zu gewährleisten. Da es keinen typischen Priester, keinen typischen Militärpfarrer gibt, gibt es also auch kein festes Muster, wie man „echt“ Priester ist.

Jeder von uns soll echt sein

Einer aber hilft in dieser Frage mit einer klaren Ansage: „Ihr seid das Licht der Welt“, sagt Jesus Christus zu allen, die ihm nachfolgen wollen. Licht für diese Welt sein! Das heißt, die Botschaft vom Heil, das mit Jesus Christus in diese Welt gekommen ist, ausstrahlen – und zwar in aller Klarheit! Und dazu ist die wichtigste Eigenschaft erforderlich, die ein Christ und ein Priester mitbringen muss: authentisch zu sein. Menschen, so ist meine Erfahrung, verzeihen uns Vieles, aber nicht, wenn sie oberflächliche Mimen in einem heiligen Theater sind. Dabei ist es unerheblich, ob ein Priester „frömmelnd“ ein heiliges Leben vorspielt oder ständig betont, was er für ein lockerer Typ ist, ohne es zu sein: Einem Militärpfarrer, der seinen Dienst spürbar nur als eine Bühne definiert, auf der er seine Rolle spielt, wird kein Soldat vertrauen können. „Egal, wie Sie sind, Hauptsache, Sie sind ein Typ!“ – das gab mir ein Obermaat bei meiner ersten Seefahrt mit auf den Weg und ich finde, das fasst die Zielvorgabe bestens zusammen. Je mehr ein Mensch echt – authentisch – ist, je klarer sein Blick in den eigenen Spiegel ist, desto stärker kann er werden, aus seinen Fehlern und Schwächen wirklich lernen und seine Stärken und Fähigkeiten immer mehr ausbauen.

Und so antwortete ich der Dame im Supermarkt „Ja, ich bin wirklich Priester.“ Ein wenig mitleidig hakte sie noch mal nach: „Und Sie müssen immer so rumlaufen?“ Ich wollte sie am Kühlregal nicht mit Kirchenrecht überfallen und erzählte ihr lieber vom „Licht der Welt“, das in diese Welt strahlen soll …

Pater Stefan Havlik OblOT, Katholisches Militärpfarramt Wilhelmshaven II

Zur Person: Pater Stefan Havlik, 1980 in Ulm geboren, studierte nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre Katholische Theologie in Augsburg. 2009 wurde er in den Deutschen Orden aufgenommen und am 20. Mai 2012 von Joachim Kardinal Meisner zum Priester geweiht.

Der Deutsche Orden wurde 1190 zur Zeit der Kreuzzüge in Akkon gegründet. Nachdem er viele Jahrhunderte europäischer Geschichte geprägt hat (unter anderem einen eigenen Staat hatte) ist er seit dem 20. Jahrhundert in verschiedenen seelsorglichen Bereichen tätig.

Zum Standort Wilhelmshaven: Wilhelmshaven ist nach der Strukturreform künftig größter Standort der Bundeswehr, geprägt vor allem durch die Einheiten der Marine.