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Auf ein Wort

In dieser Rubrik kommen regelmäßig Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger zu Wort. Sie äußern sich ganz persönlich zu Anlässen aus dem Kirchenjahr oder dem allgemeinen Jahreslauf und notieren Gedanken, die ihnen aktuell bei ihrer Arbeit als Militärpfarrer, Pastoralreferent oder -referentin gekommen sind.
In den Artikeln geben die Autorinnen und Autoren ihre Meinung über das jeweilige Thema wieder und regen zum eigenen Nachdenken an.

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WAS traue ich Gott zu?, Autor: Pastoralreferent Stefan Hagenberg, Katholisches Militärpfarramt Bückeburg, aus: Kompass 04/2017

Ostern steht vor der Tür. Das Fest des Lebens. Gott erweist sich als der Herr dieses Lebens, das stärker ist als der Tod. Das haben wir schon oft gehört und oft gefeiert. Das gehört zum Grundwissen unseres Glaubens. Und damit steht es in der Gefahr, vergessen zu werden. Seine Tiefendimension wird übersehen und „überfeiert“. Ostern stellt uns vor die Frage: „Traue ich Gott wirklich zu, Herr über das Leben, auch über mein Leben zu sein?“ Vielfach erlebe ich es so, dass ich mein Leben selbst in der Hand habe, selbst „manage“ und mir da niemand hineinpfuschen soll. In Gesprächen wird mir immer wieder bewusst, dass wir Menschen das Leben so geplant und verplant haben, dass für Gott gar kein Platz mehr bleibt. So gestalten wir unser Glück – und unser Unglück. Vielleicht fällt uns in letzterem Fall ein, dass Gott ja mal was tun könnte. Aber vorher?

Ein eindrückliches Beispiel für die Offenheit, die es braucht, um Gott wahrnehmen zu können, habe ich bei einem Gespräch mit einem jungen Soldaten erlebt. Er kam zu mir, weil er etwas über „den katholischen Glauben“ wissen wollte. Er war ungetauft und ohne einen Bezug zum christlichen Glauben aufgewachsen. Am Wochenende zuvor hatte er zusammen mit seiner katholischen Freundin eine Messe besucht und war nun voller Fragen. Es stand auch eine eventuelle Hochzeit im Raum, die auf Wunsch der Freundin als kirchliches Fest gefeiert werden sollte. Nun wollte der Kamerad wissen, worauf er sich da einließe und was es mit dem Glauben und den Riten auf sich habe. Eine klassisch missionarische Situation und eine großartige Chance – aber auch eine große Herausforderung, denn was kann ich sinnvoll sagen, wenn keine wissensmäßigen Voraussetzungen da sind? Ich begann also von mir, von meinem Glauben und seinem Entstehen zu erzählen. Es wurde ein intensives Gespräch mit vielen Nachfragen. Unter anderem ging es darum, wie ich denn sicher sein könne, dass Gott tatsächlich existiert und in Kontakt mit mir treten wolle. So schilderte ich dem Kameraden meine Gebetspraxis. Das könne er ja auch mal versuchen, meinte er. Ich ermutigte ihn, warnte jedoch gleichzeitig davor, beim ersten Mal allzu viel zu erwarten. Die Beziehungsaufnahme mit Gott brauche, wie diejenige mit einem Menschen, Zeit. Das schreckte ihn nicht ab und wir verabschiedeten uns.

Am folgenden Tag rief er mich an und fragte, ob ich noch einmal Zeit für ihn hätte, er habe da noch Klärungsbedarf. Nach Dienstschluss kam er dann und berichtete, dass er am vorherigen Abend versucht habe zu beten und dass er nichts gespürt habe. Aber das hätte ich ja vorhergesagt. Dann sei er eingeschlafen und habe etwas geträumt. Er habe jahrelang nichts geträumt. Und nun habe er im Traum noch einmal alle Situationen durchlebt, die in seinem Leben gefährlich waren. Es begann in seiner Jugend, dann kamen Szenen aus seiner Ausbildung und schließlich Ereignisse aus verschiedenen Auslandseinsätzen. Sie liefen wie in einem 3D-Film ab und er beobachtete sie als Außenstehender. Mit ihm gab es einen weiteren Beobachter, den er nicht kannte. Eine gütige, väterliche Figur, die Wohlwollen ausstrahlte und die sich schräg hinter ihm befand. Trotz des gefährlichen Inhalts der beobachteten Szenen ging es dem Kameraden im Traum nicht schlecht, im Gegenteil, er fühlte sich wohl. Und nun wollte er von mir wissen, was er da erlebt hatte. „Was war das?“, lautete seine eindringliche Frage. Das konnte ich ihm auch nicht abschließend erklären. Zu seinem Vater habe er kein sehr vertrautes Verhältnis, mit ihm habe er noch nie über die Situationen gesprochen, die in seinem Traum vorkamen. Was also bedeutete sein Traum? Von meinem christlichen Verständnis her die Gewissheit, dass Gott mit uns ist, das ganze Leben hindurch, und ganz besonders in Zeiten und Situationen, die für uns lebens-wichtig sind. Diese Deutung habe ich ihm angeboten. Und er konnte sie nehmen. Er ließ sich auf Gott ein und empfing schließlich die Taufe.

Wenn ich offen bin, dann kann ich Gott und seine Begleitung in meinem Leben erfahren. Dann werden mir kostbare Momente geschenkt, in denen ich zur Gewissheit komme, dass Gott immer auf meiner Seite ist. Und dann kann ich seine Zusage ernst nehmen: „Ich will, dass Du das Leben hast und es in Fülle hast“. Diese Fülle kann ich mir nicht selber machen, sie wird mir geschenkt, und sie ist stärker als der Tod. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dies im Vertrauen und Zutrauen auf Gott erfahren: Ein lebens-frohes Osterfest!

Pastoralreferent Stefan Hagenberg,
Katholisches Militärpfarramt Bückeburg

Verzichtserklärung, Autor: Pastoralreferentin Carola Lenz, Katholisches Militärpfarramt Osterholz-Scharmbeck, aus: Kompass 03/2017

„Darauf kann ich gut und gern verzichten!“, ruft Jakob beim Öffnen des Briefes. Er kennt dieses Haus gut, es ist ihm vertraut und er war dort immer gerne. Doch dieses Anwesen in seiner Verantwortung? – Niemals! Er kennt dort jede Ecke und weiß gut, in welchem erbärmlichen Zustand das alte, kleine, abgelegene Häuschen seiner gerade verstorbenen Tante wirklich ist. Eigentum ist ja schön, aber von dieser Erbschaft hätte er nun wirklich nichts als Ärger und Kosten. Also begibt er sich zum Notar und unterschreibt eine Verzichtserklärung. Mit diesem Besitz will er sich nicht belasten.

Die Fastenzeit hat begonnen. Fasten bedeutet auch Verzicht auf Belastungen, die sich hinter Vergnüglichem verstecken. – Ein Paradox? Dieser Verzicht hat einen Anfang, Aschermittwoch, und ein Ende, das Fest der Auferstehung an Ostern. Verzicht auf Verzichtbares – davon gibt es in meiner und vermutlich auch in Ihrer Welt eine ganze Menge: das abendliche Fernsehprogramm, die kleinen oder größeren Suchtmittel wie Schokolade oder Kaffee, Alkohol oder Zigaretten ..., die Zeitung am Frühstückstisch, der Blick aufs Smartphone in jeder freien Minute wegen der allerneuesten Nachrichten aus dem privaten Bereich, aus der Politik, permanent „auf Sendung“ sein … – Ergänzen Sie doch mal die Liste mit Namen „nice to have“ aus Ihrem großen Alltagsvorrat. Beim kritischen Nachdenken wird immer mehr dazukommen: Das ist die Liste mit den Gewohnheiten, ohne die Sie durchaus überleben würden. Wäre da nicht ein Punkt für die beginnende Fastenzeit dabei, die vorösterliche Bußzeit?

Fastenprogramme für die Schönheit oder die Fitness im Frühling sind hier allerdings nicht gemeint, auch wenn der Verzicht ähnlich hart sein mag. Das wären Fastenkuren für die Ego-Pflege. Befreien soll der Verzicht auf Verzichtbares, befreien vom Alltagstrott, der mich irgendwie unbeweglich macht, am Zuhören hindert, an der Offenheit hindert für die Menschen um mich herum, für die Kameraden, die Familie, für Gottes Lebensplan.

Einfach mal was weglassen …

Jesus hat für seine Jünger eine Richtschnur, wie sie sich vom regelgebundenen Fasten, das sie bisher kennen, loslösen können. Ziel ist es ja, Gott näher zu kommen: „Wenn du fastest, mach kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ Matthäus-Evangelium 6,16–18

Wenn Sie wieder gut zuhören wollen, sich weiter entwickeln, bewegen wollen, verändern, dann versuchen Sie das mal. Für diese Zeit des reinigenden Verzichts brauchen Sie keine Verzichtserklärung zu unterschreiben, im Gegenteil: einfach machen, einfach mal was weglassen.

Vielleicht merken Sie sogar nach einer Weile, wie Sie furchtloser in die Zukunft blicken, ruhiger werden, entspannter, gelassener – offen für heilende Gedanken.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Vorbereitungszeit auf Ostern!

Pastoralreferentin Carola Lenz,
Katholisches Militärpfarramt Osterholz-Scharmbeck

Ökumene in der Praxis, Autor: Militärpfarrer Thomas Funke, Katholisches Militärpfarramt Munster, aus: Kompass 02/2017

Von Mose wird gesagt, er sei ein besonders geduldiger Mensch gewesen, der seine Geduld nur im Angesicht Gottes verloren hätte. Vielleicht liegt es daran, dass Menschen die sich im Angesicht Gottes wähnen, wie zum Beispiel die Mönche der einzelnen Konfessionen in der Jerusalemer Grabeskirche, dort nicht nur streiten, sondern sich auch mal prügeln; oder dass jeder eine Geschichte von MilitärseelsorgerInnen kennt, wo es am Standort oder im Einsatz richtig „gekracht“ hat. Es lohnt sich in einem solchen Fall nicht zu versuchen, inhaltlich zu prüfen wer Recht hat, denn wie sagte mir mal eine Soldatin:

„Keiner will, dass Mama und Papa sich streiten, egal wer Recht hat.“ Keinen Streit am Standort entstehen zu lassen, ist manchmal schon schwierig genug, da die wenigsten Menschen so sind, wie sie sein sollten, aber als Maßstab des Handels ist so eine Maxime doch ein wenig dürftig.

In meiner Zeit als Militärpfarrer (zehn Jahre und drei Einsätze) haben sich mir noch drei weitere Dinge als plausibel gezeigt: Der Benediktiner-Abt Paul Delatte hat gesagt, dass jeder Mensch im „Käfig seiner eigenen Persönlichkeit“ gefangen ist. Er versucht, den anderen nach seinen eigenen Maßstäben und Vorlieben zu beurteilen und zu verändern, ohne ihn wirklich zu erreichen, weil er seinen Käfig ja nicht verlässt. Ich glaube, dass es nicht nur dem Einzelnen so geht, sondern auch der Gruppe. Mit unserem Bild von der Freiheit der katholischen Kirche gegenüber dem Staat, mit unserem Bild der Ordination, die das Innerste des Menschen durchdringt und zeitlebens verändert, mit unserem Verständnis von sonntäglicher Gemeinschaft und mit dem Bild von menschlicher Freiheit, die sich auch gegen Gott entscheiden kann, werden wir Katholiken nie unsere evangelischen Geschwister begreifen oder beeindrucken können. Ein evangelischer Pfarrer, der sagt:

„Ich kann auch die Absolution erteilen und euch Katholiken die Kranken-salbung spenden“, wird mit Recht befremdlich angeschaut. Der Muslim, dem vom Pfarrer gesagt wird: „Ich habe dein Glaubensbekenntnis auswendig gelernt und kann es dir in deiner Todesstunde in die Ohren flüstern, wie es deine Tradition verlangt“, wird mit Recht dankend ablehnen. Die Deutungshoheit über das eigene Tun hat ausschließlich die Gruppe selbst. Wer wissen will, wie evangelischer Glaube geht, kann es nur so verstehen, wie die evangelischen Christen es selbst verstehen, und nicht wie er sich das vom Anschauen so denkt.

Zum zweiten wird in der Praxis vieles einfacher, wenn man sich von der Magie der Zahlen befreit. Wir machen uns selbst zum Gespött, wenn wir uns die Zahl der Kirchenmitglieder selbst so zurechtlegen, dass unsere Bedeutung größer scheint als sie ist. Jeder weiß, wie und wo wir als jeweilige Kirche wichtig sind, und wenn wir etwas anderes vorgaukeln wollen, hilft das keiner Konfession. Natürlich ist es auch unredlich, so auf die Zahlen fixiert zu sein, dass man im Bestreben, nur noch einen „heiligen Rest“ zu bilden, die Sendung für alle aus dem Blick verliert.

Ein dritter Punkt macht einem das ökumenische Leben ebenfalls leichter: Eine neue Bescheidenheit. Wenn jeder von uns in der Verkündigung Stehende verinnerlicht, dass er nicht Herr über Glaubensinhalte, nicht Herr über die Heilige Schrift, nicht einmal Herr über seine Ordination ist, sondern nur Verwalter all dessen, dann wird manches einfacher. Die Pfarrer, die äußern: „Rom sagt das so, aber wir“ (und sie meinen meistens „ich“) „machen das anders“; oder: „Paulus hat das so gesagt, aber das haben wir ja längst überwunden“, treten das Allgemeine Priestertum der Taufe mit Füßen und bahnen der Magie des „Mannes Gottes“ wieder Bahn. Der Mann Gottes, der die Hostie auch mit drei „Ave Marias“ konsekrieren kann, weil er ja geweiht ist, ist mit Reformation und Konzil von Trient „abgeschafft“.

Eine weitere Regel von Abt Delatte zum Schluss: Die wichtigste Methode, mit anderen umzugehen, ist keine Methode zu haben, sondern sich auf den anderen einzulassen.

Militärpfarrer Thomas Funke,
Katholisches Militärpfarramt Munster

Weil Gott mir Frieden zutraut!, Autor: Pastoralreferent Thomas Nuxoll, Militärseelsorger im Katholischen Militärpfarramt Seedorf, aus: Kompass 01/2017

Was haben der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Vereinten Nationen (UN) und Papst Franziskus gemeinsam? Nun, alle drei rufen mit vielen anderen Organisationen, Parteien, Aktivisten und friedensengagierten Menschen weltweit zu einem Tag des Friedens auf. Doch etwas verwundert stellt man fest, nicht alle zum gleichen Datum!

Da gibt es den katholischen Weltfriedenstag am 1.1., in diesem Jahr zum 50. Mal, am 15.1. den Welttag des Migranten und des Flüchtlings, am 12.2. den Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten, am 29.5. den Tag der Friedenstruppen der UN, seit 1957 den Antikriegstag am 1.9., initiiert durch den DGB, den Internationalen Tag des Friedens der UN, der seit 1981 am 21.9. begangen wird, zum selben Tag ruft der Ökumenische Rat der Kirchen zum Weltfriedensgebet auf, am 6.11. der Tag für die Verhütung der Ausbeutung der Umwelt in Kriegen und bewaffneten Konflikten und am 17.11. der World Peace Day. Und zwischen diesen „großen Terminen“ noch eine Vielzahl von lokalen, nationalen und internationalen Gedenk- und Aktionstagen für den Frieden. Doch angesichts des Zustands der Welt ist man versucht resignierend zu fragen: „Und was hat es gebracht?“

75 Jahre ist es her, dass im August 1942 begann, was die meisten unter der Bezeichnung „Schlacht um Stalingrad“ kennen. Für viele Menschen hierzulande immer noch der Inbegriff dessen, was Krieg und gewalttätige Auseinandersetzung für Menschen bedeutet. 300.000 deutsche Wehrmachtssoldaten eingeschlossen, am Ende viele von ihnen tot oder vermisst – und wie viele sowjetische Leben forderte dieses sinnlose Töten? Die letzten sieben Postsäcke aus Stalingrad wurden beschlagnahmt, die Briefe geöffnet und gelesen, aber nicht von denen, für die sie bestimmt waren. So verschwanden sie in den Archiven und erreichten nie ihre eigentlichen Empfänger. Aus einem der Briefe, wie sie das Buch „Letzte Briefe aus Stalingrad“ (Gütersloh 1954) dokumentiert, möchte ich zitieren:

„… In Stalingrad die Frage nach Gott stellen heißt sie verneinen. Ich muss dir das sagen, lieber Vater, und es ist mir doppelt leid darum. Du hast mich erzogen, weil mir die Mutter fehlte, und mir Gott immer vor die Augen und die Seele gestellt. Und doppelt bedaure ich meine Worte, weil es meine letzten sein werden, und ich hiernach keine Worte mehr sprechen kann, die ausgleichen könnten und versöhnen. Du bist Seelsorger, Vater, und man sagt in seinem letzten Brief nur das, was wahr ist oder von dem man glaubt, dass es wahr sein könnte. Ich habe Gott gesucht in jedem Trichter, in jedem zerstörten Haus, an jeder Ecke, bei jedem Kameraden, wenn ich in meinem Loch lag, und am Himmel. Gott zeigte sich nicht, wenn mein Herz nach ihm schrie. Die Häuser waren zerstört, die Kameraden so tapfer oder so feige wie ich, auf der Erde war Hunger und Mord, vom Himmel kamen Bomben und Feuer, nur Gott war nicht da. Nein, Vater, es gibt keinen Gott. Wieder schreibe ich es und weiß, dass es entsetzlich ist und von mir nicht wiedergutzumachen. Und wenn es doch einen Gott geben sollte, dann gibt es ihn nur bei euch, in den Gesangbüchern und Gebeten, den frommen Sprüchen der Priester und Pastöre, dem Läuten der Glocken und dem Duft des Weihrauchs, aber in Stalingrad nicht.“

Ich sitze sprachlos an meinem Schreibtisch. 74 Jahre ist es her, dass ein junger Mensch in barbarischer Kälte, verlassen und von Tod umgeben, in einem Granatentrichter bei Stalingrad seinen Glauben verloren hat. Es bleiben Trauer und die Frage: „Warum?“

Vielleicht waren Frieden und Gott in Stalingrad nicht zu finden, überall hat dieser junge Soldat vergeblich gesucht. Überall? Vielleicht doch nicht überall. Vielleicht hätte er zumindest den Versuch unternehmen sollen, in seiner Seele, in seinem Herzen zu suchen. Vielleicht hätte er den glimmenden Docht der Liebe und des Friedens dort finden können. Ich jedenfalls mag angesichts der Gewalt und des Unfriedens in aller Welt trotzdem nicht aufgeben daran zu glauben, dass der Friede Gottes seinen Anfang in mir nehmen muss, seinen Anfang in mir nehmen kann! Denn wenn ich mit mir im Frieden bin, dann klappt es auch mit dem Nachbarn und vielleicht auch einmal in der Welt! Warum? Weil Gott mir seinen Frieden zutraut!

Pastoralreferent Thomas Nuxoll,
Militärseelsorger im Katholischen Militärpfarramt Seedorf