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„Die Ausübung der Religion unter den besonderen Bedingungen des soldatischen Dienstes“

Hellmut Königshaus, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages
Quelle: Deutscher Bundestag

In seinem Jahresbericht 2013 widmet der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus, am 28. Januar 2014 der Militärseelsorge einen eigenen Punkt. Neben dem Dank an den evangelischen und katholischen Militärbischof und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht er besonders auf die Einsatz-Begleitung und -Nachsorge ein. Auch geht es ihm außer um die betroffenen Soldatinnen und Soldaten selbst vor allem um ihre Angehörigen. Zwar wären ihm 2013 keinerlei Beschwerden zur Einhaltung religiöser Feiertage o. Ä. bekannt geworden, dennoch betont er den zunehmenden Bedarf an Seelsorge auch anderer Konfessionen und Religionen.

Ziffer 24: "Seit mehr als 50 Jahren sichert die Militärseelsorge in den Streitkräften das grundgesetzlich verbriefte Recht auf freie Religionsausübung und ist darüber hinaus seelsorgerisch tätig. Die Militärseelsorge ermöglicht den Soldaten und ihren Angehörigen die Ausübung ihrer Religion unter den besonderen Bedingungen des soldatischen Dienstes. Dies gilt auch in Auslandseinsätzen. Die damit verbundene Einsatzbegleitung durch die zuständigen Militärgeistlichen erfordert ein hohes Maß an Empathie sowie Wissen um die besonderen Umstände dieser Einsätze.

So geben die Militärgeistlichen nicht nur moralische und ethische Orientierung, stehen den Soldatinnen und Soldaten nicht nur als vertrauensvolle Ansprechpartner zur Verfügung, sondern sind nicht selten erster Beistand nach extrem belastenden Einsatzerfahrungen. Schließlich geben die Militärgeistlichen auch Angehörigen von Soldatinnen und Soldaten sowie Hinterbliebenen Halt und Beistand.

Den Militärbischöfen Dr. Franz-Josef Overbeck und Dr. Martin Dutzmann, dem evangelischen Militärgeneraldekan Matthias Heimer, dem Generalvikar der katholischen Kirche Reinhold Bartmann, der im Berichtsjahr das Amt von Walter Wakenhut übernommen hat, sowie allen Militärgeistlichen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Militärseelsorge gebührt für ihr Engagement Dank und Anerkennung.

Das breit gefächerte Angebot der Militärseelsorge der evangelischen und katholischen Kirche trägt unter anderem der stärker werdenden Nachfrage nach Maßnahmen im Rahmen der Einsatznachsorge Rechnung. Zu diesen Angeboten zählen auch Rehabilitationsmaßnahmen für Soldatinnen und Soldaten mit ihren Angehörigen gerade nach längeren Auslandseinsätzen. Leider scheitert die Teilnahme an solchen Maßnahmen häufig daran, dass die Kosten für Angehörige von Soldatinnen und Soldaten nicht aus dem dafür vorgesehenen Haushaltstitel des Bundesministeriums der Verteidigung bezahlt werden dürfen. Die Betroffenen selbst können die Kosten aber nicht oder nur schwer aufbringen. Deshalb sollte die Zweckbestimmung des entsprechenden Haushaltstitels zukünftig auch auf Angehörige von Soldatinnen und Soldaten ausgeweitet werden. Der Wehrbeauftragte hat in einem Schreiben an die Vorsitzende des Haushaltsausschusses des 17. Deutschen Bundestages eine Prüfung der Ausweitung der Zweckbestimmung in diesem Sinne angeregt.

In den vergangenen Jahresberichten wurde die steigende Anzahl von Soldatinnen und Soldaten anderer religiöser Überzeugungen in der Bundeswehr angesprochen. Im Berichtsjahr haben Soldatinnen und Soldaten gegenüber dem Wehrbeauftragten ihren Wunsch nach Anlaufstellen für Soldaten anderer Religionen geäußert. In diesem Zusammenhang ist der Umstand sehr erfreulich, dass den Wehrbeauftragten keine Beschwerden darüber erreichten, dass religiöse Gebote oder Feiertage in der Truppe nicht eingehalten werden konnten.

Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr hat inzwischen eine Studie vorgelegt, die sich dem Bedarf an Seelsorgern anderer Glaubensrichtungen widmet. Zwar können aus den Ergebnissen der Studie keine Schlussfolgerungen abgeleitet werden, wie den verschiedenen Erwartungen an eine seelsorgerliche Betreuung organisatorisch und inhaltlich am besten zu entsprechen wäre. Die Studie bestätigt aber, dass die Einrichtung von Ansprechstellen für Soldatinnen und Soldaten anderer Glaubensrichtungen in der Bundeswehr angebracht ist. Das Bundesministerium der Verteidigung ist nach eigener Aussage in diesem Sinne bereits konzeptionell tätig geworden."