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Brustkreuz

Brustkreuz (Metall) an purpurfarbenem Seidenripsband, angefertigt durch die Russen für kriegsgefangene Wehrmachtpfarrer (ev./kath.) zum Zweck antifaschistischer Propaganda, in Anlehnung an das Amtskreuz, das die Wehrmachtgeistlichen bei sakramentalen Handlungen über der Uniform als unverkennbares Zeichen ihres geistlichen Amtes trugen.

Das abgebildete Brustkreuz aus dem Nachlass Rudolf Peifers (1906-1992) - seit März 1941 Kriegspfarrer, eingesetzt zunächst bei der Kriegslazarettabteilung 541, später bei der 3. Infanteriedivision. Im Kessel von Stalingrad geriet er 1943 in russische Kriegsgefangenschaft, die er bis 1949 in verschiedenen Lagern durchlebte.

Rudolf Peifer

Kriegspfarrer Rudolf Peifer

Am 12. Juli 1943 erfolgte die von den Russen initiierte bzw. "geförderte Gründung des Nationalkomitees "Freies Deutschland" (bekannte Mitglieder u.a. W. Ulbricht, W. Pieck). Neben dem "Bund Deutscher Offiziere" sollte dieser Verband, der aus Kriegsgefangenen unterschiedlicher Herkunft (Soldaten, Offiziere, ehem. Reichstagsabgeordnete der KPD, Gewerkschaftsfunktionäre und Sozialdemokraten) bestand, für die antifaschistische Propaganda tätig werden. Doch die angestrebte Wirkung auf die Zersetzung bzw. Auflehnung gegen den Nationalsozialismus in Deutschland blieb ohne durchschlagenden Erfolg. Deshalb sollten schließlich alle Wehrmachtpfarrer (ev./kath.) für die antifaschistische Propaganda der Sowjetunion gewonnen werden. Die Vertreter der Kirchen galten per se als integre Gegner des Nationalsozialismus. Auf einer von den Russen zusammengerufenen Pfarrerversammlung, die schließlich vom 14. bis zum 17. Juni 1944 in Lunjovo in Verbindung mit der 10. Vollversammlung des Nationalkomitees zustande kam, sollten die versammelten Pfarrer gemeinsam einen Aufruf gegen Adolf Hitler und sein Regime unterschreiben, der zur "Revolution gegen diesen Verbrecher" anstacheln sollte. Zur Illustration wurde über dem Aufruf ein Photo dieser Pfarrerversammlung publiziert. Um die Geistlichen auch für die Flugblattempfänger eindeutig als solche erkennbar werden zu lassen, fertigten die Sowjets eigens Brustkreuze an, die, an roten Bändern befestigt, über der Uniform der Pfarrer getragen werden sollten. Von 35 versammelten Pfarrern hatten 30 diesen Aufruf unterschrieben, fünf Pfarrer verweigerten ihre Unterschrift.

Quelle: Peifer, Rudolf: Den Menschen ein Angebot : Erinnerungen eines Seelsorgers / Rudolf Peifer. [Bearb.: Norbert Trippen]. - Köln ; Graz ; Wien : Verl. Styria, 1993