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„Frieden auf Erden“

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Vor uns liegt der Advent, die Zeit des Wartens auf Weihnachten, auf besinnliche Festtage im Kreis der Lieben. Nicht alle Familien aber werden die Tage gemeinsam verbringen können. Viele Soldatinnen und Soldaten sind zum wiederholten Male getrennt von den Kindern, den Partnerinnen und Partnern zu Hause. Auch dieses Jahr werden am Heiligen Abend die Drähte zwischen den Einsatzgebieten und der Heimat glühen, um wenigstens so beisammen sein zu können. Und auch hier in Deutschland werden viele Soldatinnen und Soldaten Dienst tun.

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“, verhießen die Engel, die den Hirten die Geburt des Heilandes verkündeten. So schreibt es der Evangelist Lukas. Und so stellen wir uns auch ganz persönlich und privat die kommenden Festtage vor. Weihnachten ist ein ganz besonderes Fest, das mehr als andere christliche Feste auch kirchenferne Menschen in seinen Bann zieht. Ein Fest, das wir als eine besondere Zeit erleben, nicht nur wegen der Geschenke für die Kinder oder wegen der Gelegenheit, sich intensiver miteinander zu beschäftigen. Die Vorfreude vor den Festtagen ist allenthalben groß, auch wenn die ungewohnte Situation, beisammen zu sein und Zeit füreinander zu haben, nicht immer im Frieden verläuft.

Leider ist es auch im Großen mit dem Frieden auf Erden nicht so bestellt, wie es die Engel verhießen. Gerade haben wir am 25. Jahrestag der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR gedacht. Was hatten wir nicht für Erwartungen an den Weltfrieden vor 25 Jahren nach dem Mauerfall und dem Ende des Kalten Krieges! Nur kurze Zeit später zeigte uns der erste Golfkrieg, dass der Wunsch nach nachhaltigem Frieden doch noch nicht wahr wurde. Die Krisenherde sind bis heute nicht weniger geworden. Hat also die Frohe Botschaft in diesem Punkt versagt? Wollten die Engel uns gar nicht verheißen, dass jetzt Friede herrsche? Haben sie uns vielmehr geheißen, das Weihnachtserlebnis nicht als Verkündung des Friedens, sondern vielmehr als Mahnung zum Frieden zu verstehen? Als ständige Aufforderung, dem Frieden in der Welt zu dienen?

Soldaten sollen Diener des Friedens sein. Das Zweite Vatikanische Konzil hat dies in der Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ so ausgedrückt: „Wer als Soldat im Dienst des Vaterlands steht, betrachte sich als Diener der Sicherheit und Freiheit der Völker. Indem er diese Aufgabe recht erfüllt, trägt er wahrhaft zur Festigung des Friedens bei.“

Erfüllen unsere Soldatinnen und Soldaten, erfüllt unsere Bundeswehr bei den gegenwärtigen Auslandseinsätzen ihre Aufgabe recht, Diener der Sicherheit und der Freiheit der Völker zu sein? Tragen sie zur Festigung des Friedens bei? Ich antworte darauf: Ganz gewiss tun sie das. Wer, wenn nicht Soldatinnen und Soldaten, könnte jenen, die andere Menschen unterdrücken, bedrohen, ihre Rechte mit Füßen treten, entgegentreten?

Viele Kritiker vermuten, unsere Bundeswehr, ebenso wie die Streitkräfte unserer Verbündeten, verfolge in Wirklichkeit eigene Interessen. Das ist wahr. Denn der Schutz der Menschenwürde, die Gewährung von Schutz gegen jene, die keine Werte kennen und sie noch weniger achten, ist – nach unserem Verständnis von der uneingeschränkten Würde des Menschen – Ausdruck der Bewahrung unserer eigenen Werte, die erst den Zusammenhalt unseres Gemeinwesens ermöglichen. Sie sind aber darüber hinaus ein Gebot mitmenschlichen Anstands, ja auch Ausdruck christlicher Nächstenliebe.

Unsere Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien nehmen zahlreiche Entbehrungen und Belastungen auf sich, um für unser Land und unsere Gesellschaft diese wichtige Aufgabe zu erfüllen. Dafür gebührt ihnen zu jeder Zeit – aber besonders jetzt, wenn sie zur Weihnachtszeit von ihren Lieben zu Hause getrennt sind –, Dank und Anerkennung. Wertschätzung, die nicht nur die politischen und militärischen Spitzen unseres Landes oder der Wehrbeauftragte zum Ausdruck bringen sollten. Für sie ist das selbstverständlich. Sondern jene Wertschätzung, die die gesamte Gesellschaft unseren Soldatinnen und Soldaten und deren Familien schuldet.

Ich grüße Sie alle sehr herzlich mit den besten Wünschen für ein besinnliches Weihnachtsfest. Meine Gedanken sind besonders bei jenen, die in dieser Zeit im Auslandseinsatz sind oder in der Heimat Dienst tun müssen, und natürlich bei deren Angehörigen, die sie vermissen und einer baldigen Heimkehr entgegensehen. Ich verbinde dies mit dem Wunsch, dass wirklicher Friede werde auf Erden, wie es die Engel verheißen haben.

Hellmut Königshaus