Sie sind hier: Kompass@ / Schwerpunkte / Lebenswelt Bundeswehr

„Lebenswelt Bundeswehr“

Die Kenntnis der sozialen Milieus kann in Kirche, Pädagogik und der Sozialen Arbeit helfen, neue Zugangsmöglichkeiten zu Menschen zu eröffnen, die bislang kaum oder gar nicht erreicht werden. Aus diesem Grund hat auch die Katholische Militärseelsorge Studien über „Die Sinus-Milieus® in den Streitkräften“ in Auftrag gegeben. Hier werden aktuelle Ergebnisse übersichtlich dargestellt und Meinungen sowie Tipps dazu wiedergegeben. So dient der September-„Kompass“ auch der Vorbereitung auf die Gesamtkonferenz der Katholischen Militärseelsorge Mitte Oktober 2012.

 

 

                                          

Grundsatz: Die Bundeswehr – soziokulturell so vielfältig

 Die Sinus-Milieus® in der Bundeswehr

von Dr. Marc Calmbach

Im Auftrag des Katholischen Militärbischofsamts hat das SINUS-Institut die Studie „Milieudifferenzierte Pastoral- und Bildungsangebote in der Militärseelsorge" durchgeführt und 2012 abgeschlossen. Ziel der Studie war es, mehr über die soziokulturelle Struktur der Bundeswehr zu erfahren, um eine empirisch gesicherte Grundlage für die Entwicklung lebensweltlich orientierter Pastoral- und Bildungsangebote in der Militärseelsorge zu erhalten.

Die forschungsleitenden Fragen lauteten u. a.:

  • Aus welchen sozialen Milieus setzt sich die Bundeswehr zusammen?
  • Wie gestaltet sich die Lebens-, Denk- und Empfindungswelt der Soldatenschaft?
  • Wie nimmt die Soldatenschaft die Militärseelsorge wahr bzw. welche Angebote werden warum genutzt?

Um Antworten auf diese Fragen geben zu können, wurden 150 einstündige Einzelinterviews mit Soldatinnen und Soldaten aus allen militärischen Organisationsbereichen und Dienstgradgruppen durchgeführt, zudem repräsentativ 2.000 Zeitsoldatinnen und Zeitsoldaten sowie 3.800 Berufssoldateninnen und Berufssoldaten schriftlich befragt.

Dieser Artikel führt zunächst in das Gesellschafts- und Zielgruppenmodell der Sinus-Milieus ein und erläutert dessen Mehrwert für die Arbeit der Militärseelsorge. Anschließend werden die Milieustruktur der Bundeswehr sowie Befunde zur Nutzung von und Zufriedenheit mit Angeboten der Militärseelsorge vorgestellt.

Was sind Sinus-Milieus?

Die Sinus-Milieus gruppieren Menschen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln.
Grundlegende Wertorientierungen gehen dabei ebenso in die Analyse ein wie Alltagseinstellungen – zur Familie, zur Freizeit, zu Medien, zu Geld und Konsum. Sie rücken also den Menschen und das Bezugssystem seiner Lebenswelt ganzheitlich ins Blickfeld. Sie bieten deshalb mehr Informationen und bessere Entscheidungshilfen als Zielgruppenansätze, die Segmentierungen v. a. auf Basis soziodemografischer Merkmale vornehmen (z. B. Geschlecht, Alter, formaler Bildungsgrad).

Was bringt die „Milieu-Brille" für die Militärseelsorge?

Die Milieuperspektive ist ein praxisnahes Instrument für eine lebenswelt- orientierte und differenzierte Seelsorge. Der Blick mit der „Milieu-Brille" bietet die Möglichkeit, „blinde Flecken" in der eigenen Wahrnehmung und der gewohnten Praxis zu erkennen und auch zu sehen, wo die eigene Einrichtung, trotz aller Erfolge und viel guten Echos, vielleicht „betriebsblind" geworden ist. Die Milieuperspektive beendet eine mögliche Suggestion von Gleichheit, macht Differenzen deutlich und hilft bei Führung und Seelsorge. Denn: In allen Milieus gibt es eine religiöse Frage, die Suche nach Sinn, nach Halt und Gemeinschaft. Aber wie sich diese Suche, diese Sehnsüchte, diese Wünsche artikulieren, das ist von Milieu zu Milieu sehr unterschiedlich. Je nach Milieuzugehörigkeit gibt es unterschiedliche Bilder von Kirche, unterschiedliche Erwartungen an das, was Kirche und Seelsorge leisten und wie ihre Repräsentanten einem begegnen sollten. Die Wahrnehmung dieser milieudifferenzierten Haltungen zu Glaube und Kirche muss Konsequenzen für die Art und Weise haben, wie Militärseelsorge unterschiedliche Menschen anspricht. Die Militärseelsorge nimmt in den Bereichen Lebenshilfe, seelsorgerische Begleitung sowie allgemeine und geistliche Bildung eine Reihe von Aufgaben wahr und stellt dazu eine breite Palette von Angeboten bereit. Die Milieuperspektive bietet die Möglichkeit, Arbeitsweisen und Angebote der Militärseelsorge noch präziser und damit effektiver auf einzelne Zielgruppen zuzuschneiden.

Zentrale Befunde der SINUS-Studie

Berufssoldaten repräsentieren die traditionelle und die gemäßigt-moderne Bildungselite in Deutschland, die Zeitsoldaten hingegen die Mitte der Gesellschaft

Die Milieustruktur der Berufssoldatenschaft unterscheidet sich deutlich von der Milieustruktur der Zeitsoldatinnen und Zeitsoldaten. Die Berufssoldatenschaft hat ihren Schwerpunkt im traditionellen Segment und im gehobenen Bildungsbürgertum: 24% der Berufssoldaten finden sich im Konservativ-etablierten Milieu und 12% im Traditionellen Milieu. Bei den Zeitsoldaten sind es nur 10% bzw. 5%. 20% der Berufssoldaten zählen zum postmateriellen Segment (Liberal-intellektuelles und Sozialökologisches Milieu), bei den Zeitsoldaten hingegen nur 14%. Bei den Zeitsoldaten sind hingegen die sozial benachteiligten und hedonistisch geprägten Milieus mit 13% stärker vertreten als bei den Berufssoldaten (4%).

Und auch die Milieustruktur der (wenigen) weiblichen Berufssoldaten unterscheidet sich ganz erheblich von der Milieustruktur der männlichen Berufssoldaten. Frauen unter den Berufssoldaten gehören nur selten dem Konservativ-etablierten Milieu an, das den Berufsstand prägt, sondern stammen überdurchschnittlich häufig aus dem Adaptiv-pragmatischen und dem Sozialökologischen Milieu.

Die Erkenntnis, dass die Zeitsoldatenschaft sowie weibliche Berufssoldaten mehrheitlich aus anderen Lebenswelten stammen als männliche Berufssoldaten, kann dafür sensibilisieren, dass es sich bei Konflikten zwischen Vorgesetzten und Rangniedrigeren möglicherweise nicht um Meinungsverschiedenheiten zwischen Alten und Jungen oder Männern und Frauen handelt, sondern um unterschiedliche Orientierungen in Bezug darauf, was das Soldat-sein ausmacht: die gefühlte Mission, die Berufsmotivation, das Verständnis von Verantwortung und Pflichterfüllung, der Wunsch nach Bewahrung von Traditi-onen, die Bereitschaft zu Veränderung, das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, die Zielvorstellungen für das eigene Leben etc.

An die unterschiedlichen Milieuschwerpunkte der Zeit- und Berufssoldatenschaft schließt die Frage an, inwiefern durch den Milieuschwerpunkt der ranghohen Entscheider im konservativen Segment innerhalb der Soldatenschaft ein konservativ-traditionsorientiertes Binnenklima entsteht. So wenig es darum geht, diese oder andere Einstellungen zu bewerten, so wichtig ist es, dass Menschen, die in der Bundeswehr Leitungsfunktionen wahrnehmen, Anschluss behalten an die – vielfach auch postmodernen – Diskurse unserer Gesellschaft, und umgekehrt: dass ihre Positionen anschlussfähig werden für die, die diese große und immer noch sehr wichtige gesellschaftliche Institution nicht (mehr) kennen. Hier besteht eine wichtige gesellschaftsdiakonische Aufgabe, die die Institution Militärseelsorge wie kaum eine andere erfüllen kann. Sie ist prädestiniert hier vermittelnd tätig zu sein. Die Aufgabe einer katholischen Militärseelsorge könnte darin bestehen, Begegnungen zu ermöglichen und Gesprächsforen zu eröffnen, die einer mentalen Insellage vorbeugen.

Berufssoldaten haben aufgrund des höheren Lebens- und Dienstalters deutlich
mehr Erfahrungen mit den Angeboten der Militärseelsorge als Zeitsoldaten

Die Angebote der Militärseelsorge sind sehr umfangreich und vielfältig. Rund 90% der Berufssoldaten und 75% der Zeitsoldaten haben zumindest eines der Angebote auch schon einmal genutzt.

Zu den wichtigsten „Indikationen“ für eine Inanspruchnahme der Militär-seelsorge zählen der Auslandseinsatz und seine möglichen Folgen (Tod, Verwundung), aber auch der Tod eines nahen Familienangehörigen

Ebenso wie bei Zeitsoldaten steht auch bei Berufssoldaten die Seelsorge im Auslandseinsatz an erster Stelle, wenn es um die Zufriedenheit mit den genutzten Angeboten und um das grundsätzliche Interesse an Angeboten der Militärseelsorge geht. So äußern 40% der Zeitsoldaten sowie 44% der Berufssoldaten ein generelles Interesse gegenüber diesem Angebot, und 58% der Zeitsoldaten bzw. 63% der Berufssoldaten sind sehr zufrieden mit der Seelsorge im Auslandseinsatz.

Darüber hinaus sind Berufssoldaten wesentlich häufiger als Zeitsoldaten an „geistlichen Bildungsveranstaltungen" wie z. B. Besinnungstagen, Werkwochen, Rüstzeiten, Exerzitien interessiert. Sie kennen und nutzen solche Veranstaltungen wesentlich häufiger als Zeitsoldaten und sind damit außerordentlich zufrieden. 46% der Berufssoldaten kennen dieses Angebot und 59% sind sehr zufrieden. Nur 15% der Zeitsoldaten kennen „geistliche Bildungsveranstaltungen", 52% dieser Gruppe sind zufrieden damit.

In der Regel sind es Belastungssituationen, die mit dem Berufsalltag der Soldatinnen und Soldaten verbunden sind, die Anlass geben, sich an die Militärseelsorge zu wenden: Auslands-einsätze, Tod oder Verwundung, aber auch Tod eines nahen Familienangehörigen oder die mehrmonatige Trennung von der Familie. Aufgrund des höheren durchschnittlichen Lebensalters und der längeren Berufserfahrung sind Berufssoldaten von fast allen Ereignissen deutlich häufiger betroffen gewesen als Zeitsoldaten. Trennung oder Scheidung sowie Verwundung im Dienst haben beide Berufsgruppen annähernd gleich häufig erlebt.

Die Schwerpunkte der Militärseelsorge-Arbeit mit Berufssoldaten sind allerdings etwas anders gelagert als in der Arbeit mit Zeitsoldaten. Der Tod eines Kameraden / einer Kameradin oder eines nahen Familienangehörigen sind die Hauptgründe für Berufssoldaten, Militärseelsorge in Anspruch zu nehmen (78% bzw. 61% der Berufssoldaten würden dies tun). Die Absolvierung eines Auslandseinsatzes oder eine mehrmonatige Trennung von der Familie sind im Lebenslauf von Berufssoldaten hingegen offenbar so „selbstverständlich", dass sie nicht in jedem Fall eine Unterstützung durch die Militärseelsorge erfordern (nur für 59% bzw. 43% der Berufssoldaten wäre dies wichtig). Im Gegensatz dazu stellen für Zeitsoldaten der Auslandseinsatz und die damit verbundenen Erfahrungen, nach dem Tod eines Kameraden / einer Kameradin, den wichtigsten Beweggrund dar, die Militärseelsorge aufzusuchen (beim Tod eines Kameraden / einer Kameradin würden dies 68% und beim Auslandseinsatz 66% der Zeitsoldaten tun).

Wege zu einer Militärseelsorge für alle

Die „Milieubrille" kann nicht nur den Blick für die unterschiedlichen Lebenswelten in der Gesellschaft und in der Bundeswehr schärfen, sondern auch den Blick weiten auf Zielgruppen, die von den Angeboten der Militärseelsorge bisher nicht in dem erhofften Ausmaß erreicht werden. Mit Blick auf die postmodernen Milieus (z. B. Adaptiv-Pragmatische, Performer) geht es darum, nicht nur als „Notfallseelsorge" wahrgenommen zu werden, sondern in Alltagszusammenhängen präsent zu sein und lebensbezogene Anlässe für Glaubensvollzüge anzubieten.

Gleichgültigkeit oder Distanz gegenüber Angeboten der Militärseelsorge bei Angehörigen der Unterschichtmilieus (Prekäre, Hedonisten) können als Herausforderung verstanden werden, aus der Kenntnis dieser Lebenswelten heraus neue und andersartige Angebote zu entwickeln – nicht in Konkurrenz zu den bestehenden, anspruchsvollen Formaten, sondern als Ergänzung und Ausdifferenzierung der Angebotspalette.

Das hat nicht nur konzeptionelle und inhaltliche, sondern auch personelle Konsequenzen: Neben theologisch ausgebildeten Mitarbeitenden als Ansprechpersonen für die bildungs- und karriereorientierten Führungspersönlichkeiten in der Bundeswehr, gilt es, verstärkt Mitarbeitende zu finden, die Brücken in die Lebenswelten der modernen Milieus bzw. der prekären und hedonistischen Milieus schlagen können.

Die Ergebnisse der Studie machen Mut, in diese Richtung weiter voran zu gehen.

Zum Autor: Dr. Marc Calmbach ist Direktor Sozialforschung am Berliner Sitz des Sinus-Instituts. Dipl.-Soz. Ingrid Eilers, SINUS, hat an der genannten Studie mitgearbeitet

Der Grundsatzartikel als pdf

Kommentar von Prof. Dr. Matthias Sellmann

Warum braucht die Pastoral Milieustudien?

Es ist nicht zu übersehen: Der Forschungsansatz der soziologischen Milieutheorie hat die Kirchen erreicht. Landauf, landab diskutiert man über ‚milieusensible Pastoral‘, kopiert die berühmte ‚Kartoffelgrafik‘ des Sinus-Instituts und ordnet seine ‚Leute‘ ein: „Na, bist du eher Bürgerliche Mitte oder postmateriell?"

Auch in der Pastoraltheologie ist die einschlägige Diskussion voll entbrannt. Insgesamt kann man sagen, dass keine empirische Studie über den deutschen Katholizismus so erfolgreich war wie die Sinus-Kirchenstudie von 2006. Diese wurde von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben, von Bischöflichen Arbeitsstellen inhaltlich verantwortet und in wirklich tausenden von Veranstaltungen vertieft.

Immer wieder waren Veranstaltungen der Militärseelsorge dabei. Nunmehr hat auch das Militärbischofsamt eigene Studien veranlasst. Was also macht den Forschungsansatz der Sozialen Milieus für die Pastoral so attraktiv?

Gründe …

Das erste ist die Charakterisierung als qualitative Sozialforschung. Es werden nicht mehr nackte Daten gezählt – so und so viele Gottesdienstbesucher, so und so häufig gebetet usw. – sondern es werden Bedeutungen erhoben.

Mit aufwändigen Mitteln der Interpretation (Collagen, Gruppendiskussionen, Wohnbilder usw.) kommt man den wirklichen Lebensantrieben von Menschen näher. Man betreibt ‚verstehende Soziologie‘. Hierzu geht man hinein in das Leben von Leuten und liest aus ihren Einzelhandlungen (der sogenannten Alltagsästhetik) ab, welche Signale der Individualität und der Zugehörigkeit sie senden. Für die Pastoral ist wichtig: Hier bekommt man mit, wie die Leute ihr Leben wirklich verstehen und in welche Form sie es gießen. Moderne Pastoral kann und will an solchen Informationen nicht vorbeigehen.

Das zweite: Die Kenntnis der Milieus und ihrer sozialer Gravitationen ist unerlässlich für die öffentliche Kommunikation. Man kann jetzt genau wissen, welcher Impuls bei wem wie verarbeitet wird. Man kann etwa wissen, dass ‚Konservative‘ stark darauf achten, ob Hierarchien beachtet und gepflegt werden. Sie ziehen in ihrem Restaurantverhalten das traditionelle Gasthaus der chill-out-lounge genauso vor wie im Kirchennutzungsverhalten das Pontifikalamt der Familienmesse. Die pastorale Planung kann mit Hilfe der Milieustudien jetzt besser wissen, wen sie wie erfolgreich anzusprechen hat und welche Erwartung man legitimerweise an wen stellen kann. Dass man nie alle mit demselben Impuls erreicht, weiß man eigentlich schon lange. Jetzt weiß man aber, was man verändern muss, etwa wenn man ein Plakat druckt, eine Zeitung herausgibt oder eine Radioansprache vorbereitet.

… und Einwände

Mit anderen Worten: Man kann sich jetzt informierter auf seine Zielgruppen einstellen. Hier werden natürlich Proteste laut. Diese sind gleich dreifach: Der Glaube ist kein Joghurt, den man mit Marketingverpackung verkauft; die Kirche ist keine „Bedürfnisbefriedigungsanstalt", die es jedem recht machen kann; eine Gemeinde muss für alle da sein und kann sich nicht in die Zielgruppenlogik verheddern.

Hier kann nur kurz geantwortet werden:

1. Das mit dem Joghurt stimmt natürlich. Modernes Marketing ist aber deswegen noch lange keine Strategie der Täuschung, sondern eine Gestaltung von Austauschbeziehungen zwischen einem Anbieter und Interessierten.

Marketing hat sehr viel mit Wahlfreiheit zu tun. Tatsächlich denke ich daher, dass Pastoral von modernem Marketing sehr viel lernen kann.

2. Es ist richtig, dass die Kirche eine Botschaft verkündet, die es gerade nicht jedem recht machen will. Trotzdem bringt es eine ‚Logik der Inkarnation‘ mit sich, dass man mit anderen respektvoll in ihrem Modus kommuniziert und ihnen nicht den eigenen aufzwingt. Jesus sprach im Namen einer Wahrheit, die er im anderen bereits als wirksam unterstellte: ‚Dein Glaube hat Dir geholfen.‘

3. Natürlich kann kein pastoraler Akteur alleine allen Milieus gerecht werden. Das fordert ja auch niemand. Allerdings ist wenig bekannt, dass das Zweite Vatikanische Konzil die Kirche nicht nur als communio, sondern auch als ministerio bezeichnet – also als Dienstleisterin (Lumen Gentium Nr. 4). Als Ganze gibt es für eine Ortskirche (sagen wir: ein Bistum mit allen Getauften) die Pflicht, bestmögliche Kontaktmöglichkeiten für alle bereitzustellen.

Es ist schon geboten, nah an den ‚Leuten‘ zu sein, um besser zu verstehen, was der Geist uns heute sagen will.

Das letzte Konzil war so mutig zu formulieren, dass die Kirche den Glauben gar nicht vollständig erfassen kann, wenn sie nicht im Kontakt steht mit den vielfältigen Sprachen unserer Zeit (Gaudium et spes Nr. 44). Die Milieustudien lassen uns diese Mehrsprachigkeit erlernen. Seien wir heute also nicht weniger mutig als das Konzil vor 50 Jahren.

Zum Autor: Prof. Dr. Matthias Sellmann, Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Ruhr-Universität Bochum

Der Kommentar als pdf

    

     

KOMPASS September 2012

Der KOMPASS 09/2012 als Web-Paper

Kompass September 2012

Kompass09_2012.pdf

Militärgeneralvikar Prälat Walter Wakenhut vollendet am 17. September 2012 sein 70. Lebensjahr – weiterhin im aktiven Dienst für die Militärseelsorge. Aus diesem Anlass gratulieren im Mittelteil der Ausgabe 09/12 Weggefährten des Jubilars und schaut er selbst in einem Gespräch auf seinen Lebensweg zurück. Ferner berichten wir über Soldatenwallfahrten bzw. -werkwochen, über weitere Veranstaltungen und Aktivitäten des Sommers in Militärseelsorge und Gesamtkirche und geben in den gewohnten Rubriken sowie mit „Aus dem Katholikenrat“ Stimmen aus unterschiedlichen Richtungen Raum.

4.0 M