Sie sind hier: Seelsorge / Deutscher Katholikentag / 2012 Mannheim / Die Tage im Überblick

Soldatinnen und Soldaten waren engagiert dabei: Zusammenfassender Bericht

Mannheim, 20.05.2012. „Einen neuen Aufbruch wagen“ - Gastgebendes Bistum für den 98. Deutschen Katholikentag war die Erzdiözese Freiburg i. Br., deren Diözesanbischof, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, zugleich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ist. Ob bereits 1848 Soldaten an der „Generalversammlung des Katholischen Vereins Deutschlands“ teilnahmen, ist eher unwahrscheinlich. Doch die Beteiligung von Soldaten und somit auch der „Kirche unter Soldaten“ als Militärseelsorge an den Katholikentagen reicht weit zurück. Jeweils von Mittwoch bis Sonntag, in der Regel über Fronleichnam oder Christi Himmelfahrt, prägen Uniformträger und Militärseelsorger das Bild und die Veranstaltungen, Gottesdienste und Foren in einer Stadt, die mithilft, einen Katholikentag in organisatorischer Hinsicht auszurichten. 60.000 Teilnehmer waren es in der Zeit vom 16. bis 20. Mai 2012 in der baden-württembergischen Universitätsstadt Mannheim, von der aus man über eine Rheinbrücke die Stadt Ludwigshafen erreicht, welche zum Bundesland Rheinland-Pfalz gehört.

Quelle: KMBA / Christina Lux

Katholikentage verstehen sich jedoch nicht als Regionalveranstaltung, sondern nehmen die ganze Kirche in Deutschland in den Blick. Deswegen kommen ihre Dauerteilnehmer und Tagesgäste, die Vertreter der katholischen Verbände, Organisationen, Einrichtungen und Initiativen aus allen 26 Diözesen Deutschlands. Oftmals sind Gäste aus der Weltkirche ebenso dabei wie Gäste aus den Partnerdiözesen aus aller Welt. Für Soldatinnen und Soldaten richtet die Katholische Militärseelsorge, an ihrer Spitze der Katholische Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr, den Katholikentag aus. Dabei konzentrieren sich ihre Angebote auf den „Tag der Militärseelsorge“, der gleichsam den Höhepunkt einer „Zentralen Werkwoche“ bildet. Für diese schafft eine Vereinbarung zwischen der Katholischen Militärseelsorge und dem Bundesminister der Verteidigung die notwendige Voraussetzung, damit Soldaten und Angehörige der Bundeswehr das garantierte Recht auf ungestörte Religionsausübung auch an Katholikentagen leben können.

Eine etwas andere Veranstaltung

Brigadegeneral Reinhard Kloss
Brigadegeneral Reinhard Kloss (Quelle: KMBA / Halina Kluge)

Erste Gelegenheit zur Information und Diskussion über die Folgen der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht – vor nun knapp einem Jahr – war für Soldatinnen und Soldaten und insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene bei einer Veranstaltung der „aktion kaserne“ in der Popakademie, nahe dem Jugendzentrum des Katholikentages. Entgegen der gewohnten Podiumsdiskussionen, die mit kontrovers vorgetragenen Statements beginnen und dann mit dem Plenum diskutiert werden, wählte die Initiative katholischer Jugendverbände im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) eine Veranstaltungsform, die es insbesondere den Jugendlichen erleichterte, sich einzubringen und mit ihren Ansichten Gehör zu finden. Zuerst Gespräche mit Gästen in und an Tischgruppen und dann erst Podium mit Plenum.

Markus Grübel MdB (CDU/CSU)
Markus Grübel MdB (CDU/CSU) (Quelle: KMBA / Halina Kluge)

Dem stellten sich Militärdekan Stephan van Dongen (Militärdekanat Erfurt), Brigadegeneral Reinhard Kloss, der bis vor Kurzem noch die Stabsabteilung I im Bundesministerium der Verteidigung führte, und Markus Grübel MdB (CDU/CSU), Vorsitzender der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e. V. (KAS), der als Politiker für den Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, eingesprungen war. Die gewählte Form der Veranstaltung war bestechend. Gerade im unmittelbaren Gespräch mit den eingeladenen Gästen konnten nicht nur im Wege eines Erfahrungsaustausches zwischen Soldaten und jungen Erwachsenen Vorurteile abgebaut werden und Informationen über die Folgen der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht vermittelt werden. Zieht man ein Fazit aus der Veranstaltung, dann darf resümiert werden, dass die Grundsätze der Inneren Führung, die Grundsätze einer zeitgemäßen Menschenführung und die verpflichtende ethische Bildung in den Streitkräften über den Lebenskundlichen Unterricht, den die Militärseelsorger als Unterrichtende leisten, nicht wehrformgebunden ist, sondern auch nach Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht ihre Gültigkeit in den deutschen Streitkräften haben. Weitere Anstrengungen für eine bessere Information über den Dienst als Soldat, seine Chancen und Risiken und seine Folgen für die Familien bleiben jedoch, und dies war unstrittig, notwendig.

Militärbischof Overbeck am Tag der Militärseelsorge auf dem Katholikentag

Quelle: KMBA / Christina Lux

Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck, der im Mai des vergangenen Jahres in das Amt eingeführt worden war, hatte erstmals Gelegenheit an einem Katholikentag, als Hirte der „Kirche unter Soldaten“ ein feierliches Pontifikalamt in der Kirche St. Antonius zusammen mit Soldatinnen und Soldaten, einer Vielzahl von Gästen aus der Politik und der militärischen Spitze aus dem Bundesministerium der Verteidigung, den Gläubigen der Kirchengemeinde St. Antonius sowie zahlreichen Katholikentagsteilnehmern, zu feiern. Im Mittelpunkt der Predigt des Militärbischofs standen das 11. Kapitel des Buches des Propheten Jesaja und das Evangelium nach Matthäus 5,1.12a, welches die Seligpreisungen der Bergpredigt wiedergibt.
Bischof Overbeck stellte in der Predigt die Hirtenworte der Deutschen Bischöfe zum Gerechten Frieden und die Verlautbarungen zum Dienst des Soldaten in diesen Kontext und sagte dabei wörtlich: „Es bedeutet schlicht für die Kirche, eine Seelsorge für den Frieden ins Werk zu setzen, die sich den Maßstäben weltweiter Solidarität stellt und dabei möglichst genau deutlich macht, dass jede Anwendung von Gewalt immer ein Übel ist und einer genauen Rechtfertigung im Blick auf das Ziel, nämlich die Erreichung des Guten, also des Friedens, benötigt.“ Militärbischof Overbeck betete zum Abschluss seiner Predigt das Gebet des Heiligen Franz von Assisi „Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens“. Mit dem Dank an das Luftwaffenmusikkorps 2 (Karlsruhe), dem er das Große Ehrenkreuz der Militärseelsorge verlieh, und dem bischöflichen Segen endete das Pontifikalamt, welches dem Leitmotiv „Gerechtigkeit schafft Frieden“ gewidmet war.

Verteidigungsminister de Maizière und Militärbischof Overbeck auf dem Podium

Der Katholische Militärbischof Overbeck und Verteidigungsminister de Maizière im Gespräch vor Beginn des Podiums
Militärbischof Overbeck und Verteidigungsminister de Maizière (Quelle: KMBA / Christina Lux)

Der Gemeindesaal der Kirchengemeinde St. Antonius, in deren Kirche zuvor das Pontifikalamt zelebriert wurde, war bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Bundesminister der Verteidigung, Thomas de Maizière, und der Katholische Militärbischof, Franz-Josef Overbeck, das Podiumsgespräch „Friedensethik trifft Sicherheitspolitik“ unter der Moderation des Korrespondenten des Südwestdeutschen Rundfunks im Berliner ARD-Hauptstadtbüro, Christian Thiels, starteten. Wie zu erwarten war und als Ankündigungstext „Friedensethik trifft Sicherheitspolitik“ in den Mittelpunkt gerückt, entwickelte sich das weitere Gespräch nach den einführenden Statements, die Overbeck und de Maizière vortrugen, zu einem friedensethischen und sicherheitspolitischen Dialog über grundsätzliche und aktuelle Fragen deutscher Außen- und Sicherheitspolitik nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation und im Lichte der Einsätze deutscher Streitkräfte außerhalb der Landesverteidigung.
Auffallend war zum Ende des Gesprächs, das über weite Strecken zwischen einem evangelischen Christen und ehemaligen Synodalen, nämlich de Maizière, und dem katholischen Hirten der „Kirche unter Soldaten“, Bischof Overbeck, immer dann ein hohes Maß an Übereinstimmung festzustellen war, wenn beide die Verantwortung der Christen in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellten. Skepsis auf eine praktische und wirkungsvolle Umsetzung dessen, was in dem UN-Dokument „Responsibility to Protect“ formuliert ist, zeigten beide Diskutanten dort, wo mit Verweis auf das Dokument konkrete und völkerrechtsverbindliche Maßnahmen, auch mit Blick auf eine Intervention mit militärischen Mitteln, einhergehen könnten.

„Die Soldatenfamilie geht mit in den Einsatz“

Familienangehörige, ein Soldat und Vertreter der Militärseelsorge in der Diskussion
(Quelle: KMBA / Christina Lux)

Militärbischof Overbeck bei der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung auf dem Katholikentag

Mit Abschluss des „Tages der Militärseelsorge“ beendete auch Militärbischof Overbeck sein umfangreiches Tagesprogramm. Er diskutierte zusammen mit Generalmajor Markus Kneip, dem Diplomtheologen Dr. Peter Wendl, der gleichzeitig als Paar- und Einzeltherapeut in der Katholischen Militärseelsorge engagiert ist, der Ehefrau eines Soldaten im Einsatz und mit der Tochter eines Vaters, der nach dem letzten Einsatz im Kosovo verstorben war, über familiäre, kirchliche und gesellschaftliche Herausforderungen, die im Zusammenhang mit Auslandseinsätzen stehen. Militärbischof Overbeck konnte sich bei der Veranstaltung überzeugen, dass es nach wie vor dringlicher Anstrengungen bedarf, um Belastungen aufzufangen, die auf Familien zukommen, wenn einer der Eltern als Soldat oder Soldatin Dienst im Einsatz leisten. Will man ein Fazit aus der Veranstaltung ziehen, so kann festgestellt werden, dass insbesondere Schulen und andere öffentliche Einrichtungen gefordert sind, in denen Kinder und Jugendliche aus Soldatenfamilien betreut und ausgebildet werden.

Josef König