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Gerechter Friede für Afghanistan – friedensethische Konsequenzen

Quelle: Kompass / Josef König

Unter diesem Thema fand auf dem Katholikentag in Mannheim in der Spitalkirche eine Podiumsdiskussion statt. Die Idee der gemeinsam von Pax Christi, der Deutschen Kommission Justitia et Pax sowie der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) vorbereiteten Veranstaltung war darzustellen, dass auf der Basis des katholischen Glaubens bei verschiedenen Perspektiven Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den friedensethischen Ableitungen möglich sind.

Teilnehmer waren von Justitia et Pax Prof. Dr. Thomas Hoppe von der Universität der Bundeswehr in Hamburg, von Caritas International der Leiter der Asienabteilung Dr. Reinhard Würkner, von der deutschen Sektion der Internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi deren Vizepräsident Johannes Schnettler, und für die GKS sprang General a. D. Karl-Heinz Lather für den kurzfristig verhinderten Brigadegeneral Josef Blotz ein. Die Moderation hatte Christine Hoffmann (Pax Christi) übernommen.

Prof. Hoppe leitete mit einem Impulsreferat ein und stellte dabei das Wort der Deutschen Bischöfe Gerechter Friede in den Mittelpunkt: „Jede militärische Intervention muss mit einer politischen Perspektive verbunden sein, die grundsätzlich mehr beinhaltet als die Rückkehr zum status quo ante.“ Seiner Auffassung nach reiche es nicht aus, aktuelles Unrecht zu beheben. Es geht darum, dies auf Dauer zu verhindern. Das wird in der Regel nur gelingen, wenn die politischen Rahmenbedingungen geändert werden. Nicht zufällig haben gerade auch die Militärs bei den jüngsten Interventionen ein politisches Konzept für ‚die Zeit danach’ angemahnt. Einen status quo ante, der auf schwerwiegendem Unrecht beruhte, darf man nicht verteidigen – politisch nicht, und erst recht nicht durch bewaffnetes Eingreifen. Damit schloss Hoppe einen Rückzug, wie in Vietnam geschehen, aus. Ein derartiger Rückzug würde das Prinzip der Schutzverantwortung der Staatengemeinschaft, welches im Bericht für die Vereinten Nationen 2001 vorgestellt wurde und unter dem Namen „Responsibility to Protect (R2P)“ bekannt wurde, irreparabel beschädigt. Es gelte den Teufelskreis zu durchbrechen, in dem ein Mangel an öffentlicher Sicherheit dazu führe, dass viele zivile Projekte nicht durchgeführt werden könnten. Dadurch blieben die alltäglichen, bedrückenden Lebensverhältnisse und die mit ihnen verbundene Perspektivlosigkeit bestehen.

Auf die Frage der Moderatorin, wo zivile Hilfe in Afghanistan stehe, erwiderte Dr. Würkner (Caritas), dass man nicht so weit sei, wie man hätte sein können. Ursache dafür wäre unter anderem auch die Unterbrechung der schon vor 2001 geleisteten Hilfe am Hindukusch durch die kriegerischen Auseinandersetzungen, die mit falscher Schwerpunktsetzung danach fortgeführt worden seien. Das bis 2001 erworbene Vertrauen der Zivilbevölkerung in die zivilen Helfer müsse als Voraussetzung für effiziente Hilfe erneut erworben werben.

General a. D. Lather führte aus, dass ein Wiederaufbau in Afghanistan nicht ohne Sicherheit gehe. Diese müsse von militärischen Kräften sichergestellt werden. Diese können dann Schritt für Schritt durch die Verlagerung auf zivile Hilfe abgebaut werden. Die Verantwortung für die Sicherheit geht dabei schrittweise auf die afghanischen Kräfte über. Allen Rednern war klar, dass Afghanistan auch nach 2014 weiterhin die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft benötigt. Wichtig erschien dem ehemaligen General die Versöhnung innerhalb der afghanischen Gesellschaft zu sein, die keine Sache von heute auf morgen sei, sondern ihre Zeit bräuchte. Vizepräsident Schnettler (Pax Christi) gab zu bedenken, dass durch die 10-jährige „Kriegssituation“ in Afghanistan eine Gewöhnung an Gewalt eingetreten sei, die sehr bedenklich sei und zu einem Rückfall in das Denken vergangener Jahrhunderte führe. Einig waren sich alle Beteiligten an dieser Podiumsdiskussion, dass Afghanistan nicht isoliert zu betrachten, sondern nur im Umfeld seiner Nachbarstaaten zu stabilisieren sei. Mit einem Ausblick auf die Chance zur Weiterentwicklung des internationalen Völkerrechts durch die Umsetzung der R2P-Konzeption schloss Prof. Hoppe die Runde auf dem Podium ab, bevor die vier Redner sich den Fragen des Publikums stellten.

Rüdiger Attermeyer