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Friedensethik kennt keine Grenzen

Quelle: Kompass / Christina Lux
Quelle: Kompass / Christina Lux
Quelle: Kompass / Christina Lux

„Friedensethik trifft Sicherheitspolitik.“ Zu diesem Podiumsgespräch lud die Katholische Militärseelsorge am Freitag, 18. Mai, während des 98. Katholikentags in Mannheim ein. Protagonisten waren der Katholische Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck und Verteidigungsminister Dr. Thomas de Maizière. Die Moderation übernahm ARD-Korrespondent Christian Thiels.

Friedensethik und Sicherheitspolitik hätten ein weitgehend gemeinsames Materialobjekt, das in der Identifizierung der vielfältigen Konfliktursachen und der Analyse von Mitteln der Ursachenbeseitigung bestehe, sagte der Militärbischof. Politisches Handeln unterliege der ethischen Beurteilung. In der Sicht der kirchlichen Friedensethik zeichne sich eine ethisch reflektierte Interessenspolitik durch Orientierung am Weltgemeinwohl aus.

Der Argumentation Overbecks, dass die Friedensethik daran festhalte, dass der Schutz der Menschenrechte eine Forderung der Gerechtigkeit sei, die auch noch zum Handeln verpflichte, wenn das (Sicherheits-) Interesse erlahme, konnte der Politiker de Maizière nicht so ganz zustimmen.

De Maizière wies auf einen grundsätzlichen Unterschied hin: „Die Kirche redet eher von Frieden, was ihrem pastoralen Auftrag und ihrem Selbstverständnis entspricht. Wir reden eher von Sicherheit, was unserem Sicherheitsauftrag entspricht.“

Der Minister warf Fragen auf: „Wer ist zur Intervention verpflichtet? Bedeutet das Recht zur Intervention zugleich Pflicht?" Im Grundgesetz sei verankert, die Menschenrechte zu achten und zu schützen. Das gelte innenpolitisch. „Außenpolitisch sehen wir das nicht so“, fuhr de Maizière fort. Da müsse selbst bei schreiender Ungerechtigkeit in anderen Ländern erst klar abgewogen werden. Ethik brauche den praktischen Bezug zum Handeln, sonst sei sie reine Theorie, unterstrich de Maizière.

Brisanz bekam die Diskussion in der Frage um die Bekämpfung der Hungersnot in Somalia. Overbeck sprach von einem „unerträglichen Dilemma“. Es müsse natürlich alles getan werden, dass Menschen nicht verhungerten. Es widerstrebe ihm aber, dass der Hunger in Somalia für Machtinteressen missbraucht werde.

Wie komplex das Thema „Friedensethik und Sicherheitspolitik“ allein schon im Gespräch ist, machte die Runde einmal mehr deutlich. Entspannend waren die Klänge des Bläserquintetts des Luftwaffenmusikkorps 2 aus Karlsruhe, das die Veranstaltung musikalisch umrahmte.

Katholisches Militärbischofsamt