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Ostern verändert die Welt – hin zum Leben!

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Soldatinnen und Soldaten!

Ihnen allen wünsche ich von Herzen ein frohes Fest der Auferstehung. Ostern ist das Fest des Lebens. Es steht gegen den in unserer Welt in vielfacher Gestalt gegenwärtigen Tod.
Nach der Fasten- und Passionszeit, nach der Feier von Jesu Leiden, Sterben und Tod folgt das Unvorstellbare: Wir feiern Ostern, feiern, dass durch den Tod Jesu das Leben kommt. Dabei ist Ostern nicht die Revision des Kreuzestodes Jesu – Ostern ist das Fest des Lebens, weil Jesus in Liebe und Hingabe seinen Tod für uns angenommen hat und Gott, sein Vater, ihn zu sich in die Ewigkeit, das heißt in das Leben zieht. Darum verändert Ostern die Welt.

Ostern ist das Fest des Lebens! Das letzte Wort haben nicht Kreuz und Tod, sondern Auferstehung und Leben. Dieses Leben ist konkret und trägt das Gesicht einer Person: Es ist das Antlitz Jesu, des Gekreuzigten und Auferweckten.
Das Leben, um das es hier geht, ist das Leben, das gänzlich von Gott kommt. Es ist ein Leben, das aus der Liebe und Hingabe erwächst. Es ist die tiefste Mitte unseres Glaubens, des Glaubens an ein Leben, das als Geschenk von Gott kommt.

Die Auferstehung Christi ist Zeugnis vom Leben. Darum müssen wir uns einsetzen, dass der Krieg und die gewaltsamen Auseinandersetzungen unter Völkern ein Ende nehmen. Es muss auch bei der Anwendung von militärischer Macht darum gehen, das Leben zu schützen und Blutvergießen zu verhindern!
Immer wieder ist von Aufständen in unterschiedlichen Ländern zu hören – auch dort, wo Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz sind. „Aufstand“ ist zunächst etwas Beunruhigendes, vielleicht sogar Bedrohliches. Moderne christliche Dichter sprechen aber auch von der Auferstehung als „Aufstand Christi gegen den Tod“. Es hängt wohl – wie so oft – davon ab, auf welcher Seite wir stehen: ob wir einen Aufstand als berechtigt und notwendig ansehen, oder ob wir eher das Gefährliche, Widerrechtliche wahrnehmen. Stellen wir uns auf die Seite des Auferstandenen, auf die Seite des Lebens, nicht des Todes!
Dazu sind wir Christen gerufen: Zeuginnen und Zeugen des Lebens zu werden, unbedingt und kompromisslos. Der auferstandene Christus trägt das Leben in sich. Er ist der neue Mensch, das „Ja“ Gottes zu uns und seiner Schöpfung. So sehr wir Menschen aus dem Alten leben, das neue Leben steht uns vor Augen! Das letztlich Unfassbare der Auferstehung ist dieses neue, dauerhafte Leben. Das feiern wir an Ostern. Dafür setzen wir uns ein, das ist unsere Botschaft – als Einzelne und als Gemeinschaft der Kirche. Wir sind die Zeuginnen und Zeugen jenes Lebens, das Jesus Christus, den Auferstandenen, als den einen Zeugen hat.

Nochmals: Ostern verändert die Welt! Ostern ist das Fest des Lebens, weil Gott, der Vater, seinen Sohn nicht im Tod lässt. Es ist das Fest des Lebens, das uns Christen als Zeugen dieses Lebens braucht.
Sie, die Soldaten und Soldatinnen, setzen sich ein für dieses Leben; sie stehen im Dienst für Frieden, Recht und Freiheit. Sie tun das unter dem Einsatz von Leib und Leben. Das setzt Sie und Ihre Familien besonderen Belastungen aus. So nutze ich die Gelegenheit, Ihnen meinen Respekt und meine Solidarität zu bekunden. Ich vertraue Sie und Ihre Angehörigen im Gebet dem Gott des Lebens an.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien den Segen von Ostern – jenen Segen, der die Kraft hat, die Welt zu verändern, zu einem Leben in Freiheit, das von Gott kommt und das uns der Auferstandene zeigt.

Ihr Katholischer Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Quelle: KMBA / Doreen Bierdel