Gelebte Wertschätzung
Bundespräsident Wulff ist zurückgetreten. Für seine Nachfolge hat eine breite Mehrheit den früheren Bürgerrechtler und ersten Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde Joachim Gauck nominiert. Auch wenn die Wahl noch vor uns liegt, kann man die Auswirkungen dieses Wechsels an der Spitze des Staates bereits abschätzen. Ich will keinen Hehl daraus machen: Für die Soldatinnen und Soldaten sowie ihre Angehörigen war Christian Wulff ein guter Bundespräsident. Er hat ihnen die Zuwendung zuteil werden lassen, die sie verdienen. Niemals zuvor waren so viele Soldatenfamilien, oftmals mit ihren Kindern, im Schloss Bellevue zu Gast. Die Zuwendung des Bundespräsidenten und seiner Gattin war herzlich, und man spürte das ernsthafte Interesse am Wohlergehen derer, die für unser Land schwierige Einsätze durchführen, und ebenso für deren Familien, die ihre Liebsten so lange entbehren müssen. Auch dies wird hoffentlich gebührend gewürdigt, wenn man die Amtszeit dieses Bundespräsidenten bewertet. Natürlich wünsche ich mir vor allem, dass sich auch der künftige Bundespräsident in gleicher Weise um unsere Soldatinnen und Soldaten mit ihren Familien kümmert. Ich bin da ganz zuversichtlich.
Auch der Verteidigungsminister ist zu loben, jedenfalls für seine Initiative zur besseren Wahrnehmung und Unterstützung derer, die unserem Land in Auslandseinsätzen gedient haben. Es ist dringend nötig, ihre Leistungen tiefer als bisher im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern. Mir ist dabei die Begrifflichkeit nicht wichtig, aber international spricht man bei Einsatzrückkehrern von Veteranen. Eine gesellschaftliche Würdigung an einem Veteranentag wäre ein erster Schritt und ein deutliches Zeichen ihrer gesellschaftlichen Anerkennung. Das darf allerdings nicht das Einzige sein, was Deutschland für seine Veteranen tut.
Unser Land muss sich umfassend und aktiv um seine Einsatzrückkehrer und ihre Angehörigen kümmern, auch lange nach ihrem Einsatz und ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst. Denn oftmals treten die Folgen ihrer Einsatzbelastung erst Jahre oder gar Jahrzehnte später auf. Sie müssen dann ärztlich betreut, finanziell abgesichert und dauerhaft begleitet werden. Der Dienstherr muss diesen Menschen eine Perspektive aufzeigen und ihnen natürlich auch helfen, das Leben wieder in stabile Bahnen zu lenken, wenn es nach einem belastenden Einsatz aus den Fugen geraten ist. Die Bundeswehr muss aktiv auf diese Frauen und Männer zugehen. Sie ist verantwortlich für sie. Bisher sind sie meist auf sich allein gestellt. Sie müssen sich vieles erkämpfen, was selbstverständlich sein sollte.
Es freut mich deshalb, dass Verteidigungsminister de Maizière die Forderungen nach Würdigung und Verbesserung der Versorgung unserer Veteranen so zügig aufgenommen hat. Denn es ist unbestritten, dass wir das Thema Veteranen viel zu lange vernachlässigt haben. Andere Länder sind uns da weit voraus. Sie haben eigene Veteranenministerien, die auch über große Budgets verfügen. Dem Veteranenminister der USA stehen 126 Milliarden Dollar für die Betreuung von Veteranen zur Verfügung. Wohlgemerkt, pro Jahr. Natürlich sind die Verhältnisse in den USA völlig andere als in Deutschland, aber die Zahl zeigt doch, welche Bedeutung den Veteranen in den Vereinigten Staaten beigemessen wird und was sie der Gesellschaft wert sind. Da sollten wir nicht zurückstehen. Würden wir nur ein Promille dieser Summe aufbringen, könnten wir rund 100 Millionen Euro hierfür aufwenden. Wie gesagt, das wäre umgerechnet weniger als ein Promille dessen, was die USA aufwenden.
Wir in Deutschland haben in Sachen Veteranen also noch einen weiten Weg vor uns, auch wenn wir in den vergangenen Jahren bereits einige wichtige Schritte getan haben. Das Einsatzversorgungsverbesserungsgesetz ist ein solcher Schritt, weitere sollten nun folgen.
Ihr Hellmut Königshaus


