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Aus der Erfahrung zur Strategie für die Zukunft!

© KMBA / Halina Kluge

Der Jahreswechsel ist immer wieder Anlass zum Innehalten,zum Bilanzziehen und dazu, einen Ausblick zu wagen. Gerade in diesem Jahr drängt sich das besonders auf, weil sich vielfältige Veränderungen in den Alltag schieben.

Die aktuelle Bundeswehrreform liegt uns Soldaten vordergründig am nächsten, auch wenn es mancher im persönlichen Umfeld noch nicht wahrhaben möchte. Fast alle werden davon betroffen sein und manche Überlegungen des Einzelnen werden neu anzustellen sein. Grundlegende Entscheidungen sind bereits gefallen und im Jahr 2012 wird mit der Umsetzung begonnen. Auch wenn Veränderungen für uns Soldaten ein selbstverständliches Merkmal des Berufes geworden sind, die Reform stößt auf verschiedenen Feldern einen grundlegenden Wandel an, der eine neue Dimension erreichen wird.

Auch in der katholischen Kirche in Deutschland wird das Stichwort „Zukunft“ aktuell aufgegriffen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat im Sommer einen Gesprächsprozess mit Vertretern aller Bereiche der Kirche aufgenommen, die Militärseelsorge war hier wie die territorialen Bistümer vertreten. Dieser Ansatz gibt Hoffnung auf einen Austausch der durchaus unterschiedlichen Wahrnehmungen von Lebenswirklichkeit.

Mit der Aufnahme des Gesprächsprozesses wurde im vergangenen Jahr ein Weg begonnen, der auf das Jahr 2015 hinführt, in dem sich der Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils zum fünfzigsten Mal jährt. Für das Jahr 2012 wurde dabei das Thema „Unsere Verantwortung in der freien Gesellschaft“ bestimmt. Wenn man möchte, ist der Bezug zum Berufsfeld des Soldaten leicht herzustellen: Die freiheitliche Gesellschaft – so möchte ich „frei“ hier verstehen – gilt es für den Soldaten zu verteidigen. In Freiheit wird aber immer nach Maßstäben für die Ausgestaltung des Lebens gesucht. Hier sehe ich die Chance der Kirche, leitende und nicht-einengende Maßstäbe anzubieten und von deren Sinn zu überzeugen.

Vom Gesprächs- zum Strategieprozess

Parallel zur Strukturreform in der Bundeswehr und zum Dialogprozess in der katholischen Kirche ist im Jahr 2011 ein Strategieprozess der Katholischen Militärseelsorge angelaufen. Dies ist keine zufällige Gleichzeitigkeit, denn beide Entwicklungen sind zu verfolgen und parallel dazu sind Akzente für die Zukunft der Militärseelsorge zu setzen. Wie beim Gesprächsprozess sind alle Bereiche und Ebenen angesprochen: Geistliche, hauptamtliche Mitarbeiter der Kurie und Laien sind vertreten. Das Ziel des Wandels muss sicher sein, sich an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, um wirksam zu bleiben. Den Maßstab für die Möglichkeiten der Katholischen Militärseelsorge hat unser Militärbischof Dr. Overbeck in seinem Vortrag bei der Gesamtkonferenz klar gesetzt: Im Zentrum steht nicht mehr „was wir tun sollten oder müssten, sondern was wir tun können“. Ich bin mir sicher, dass hier nicht das Begnügen mit dem Minimum gemeint ist, sondern die Forderung dahinter steht, das auch wirklich zu tun, wozu man objektiv in der Lage ist!

Genau dies auszuloten, ist wichtiger Bestandteil der Analyse. Wenn dies klar ist, kann die Frage nach der Umsetzung, z. B. in Strukturen folgen. Wichtig bleibt dabei, den rechten Maßstab zu fi nden. Beim Pontifi kalamt anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS), das im November in Fulda begangen wurde, beschrieb Militärbischof Dr. Overbeck in der Predigt klar die Kraft des Glaubens als Quelle und Maßstab für das Wirken der Laien in der Welt.

Damit ist ein Rahmen für die inhaltliche Ausgestaltung klar gegeben. Es bleibt aber wichtig, diesen Anhalt auch für den Umgang miteinander im Rahmen des Prozesses zu verstehen.

Inhalte bleiben unverändert wichtig

Zum Berufsethos der Soldaten, die sich der Sicherheit und Freiheit der Völker, der Achtung der Menschenrechte und des Völkerrechtes verpflichtet sehen, gehören auch Urteilsfähigkeit und darauf aufbauendes, selbstbestimmtes Handeln.

Als einen Beitrag zur Vermittlung von Urteilsfähigkeit haben wir im Jahr 2011 wieder eine GKS-Akademie „Oberst Dr. Helmut Korn“ durchgeführt. Darin eingebettet fand der Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Verbandes statt. Nach dem Jubiläumsjahr wird es für die GKS im 51. Jahr des Bestehens darauf ankommen, bei allen strategischen Überlegungen die inhaltliche Arbeit klar im Fokus zu behalten. Der Bedarf ist ungebrochen und der Katholikentag in Mannheim (16.–20. Mai 2012) bietet dazu einen idealen Rahmen, den es zu nutzen gilt. Die Frage nach den Rahmenbedingungen für einen Abzug der militärischen Kräfte aus Afghanistan steht auf der Agenda. Die Einbettung der militärischen Optionen in eine Gesamtkonzeption ist eine alte Forderung der GKS, sie ist aktueller denn je zuvor. Diesem Thema werden wir uns auf dem Katholikentag stellen.

„Einen neuen Aufbruch wagen“, heißt das Motto des 98. Katholikentages. Es beschreibt die Situation für alle angesprochenen Felder, ein bisschen „Wagnis“ haben die anstehenden Veränderungen alle in sich. Wenn wir aber die Erfahrungen aller Ebenen einbinden und uns des wirklichen Maßstabes dabei versichern, dann können die Veränderungen auch zum Fortschritt werden.

Oberstleutnant Rüdiger Attermeyer, Bundesvorsitzender der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS)