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Besinnung vor dem Fest

Wir sind im Advent. Nicht nur die Kinder freuen sich auf Tage der Ruhe, der Vorfreude auf ein friedvolles Fest im Kreise der Familie. Wie schon in den Vorjahren will ich auch diesmal zunächst diejenigen grüßen, die in dieser besonderen Zeit für unser Land im Einsatz sind, fernab der Heimat und getrennt von ihren Lieben. An Sie und Ihre Angehörigen, liebe Soldatinnen und Soldaten, Aufbauhelfer, Polizisten und Diplomaten, denke ich in diesen Tagen ganz besonders.

Unfrieden im Nahen Osten

Aber dieses Jahr richten sich unsere Gedanken nicht nur nach Afghanistan, zum Balkan, ans Horn von Afrika und auf alle Gebiete, wo Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr ihren Dienst verrichten. Mehr denn je blicken wir sorgenvoll in den Nahen Osten, wo derzeit wohl niemand ohne Furcht in die Zukunft schauen kann. Es ist keine Gegend wie irgendeine andere. Dort liegt der Ursprung des Christentums, dort war der Schauplatz der Weihnachtsgeschichte. Advent kommt vom lateinischen „adventus“, also Ankunft. Nach unserer christlichen Überzeugung denken wir in dieser Zeit an die Geburt Jesu, die Ankunft des Erlösers. Die Menschen in dieser Gegend aber haben dafür jetzt wohl kaum Gedanken – nicht allein, weil nur die wenigsten Christen sind. Sie müssen in Syrien Bürgerkrieg und Elend ertragen, Grausamkeit und Tod. Ähnlich ist es in Israel und Palästina. Dort, wo sich die biblischen Ereignisse zutrugen, schlagen Geschosse ein, selbst Jerusalem ist unter Beschuss. Und auch die Geburtskirche in Betlehem liegt im Wirkungsbereich der Raketen.

Denken an Europa

Diese unheilige Realität im Heiligen Land muss gerade zur Weihnachtszeit bestürzen. Aber sie erinnert uns auch daran, was uns das friedliche Zusammenwachsen Europas bedeuten muss. Hinter uns liegen die Tage des Gedenkens an die Gefallenen der Kriege und die Opfer von Terrorismus und Gewalt. 10 Millionen Gefallene forderte allein der Erste Weltkrieg, rund 55 Millionen der Zweite. Gefallene, die in Kriegen starben, die auf unserem Kontinent ausbrachen. Menschen, die rassistischem Wahn, nationalistischer Hybris und der verblödeten Ideologie vom „lebensunwerten Leben“ zum Opfer fielen. Das ist Vergangenheit, gewiss, aber Geschichte verläuft nicht geradlinig, sie ist nicht unumkehrbar. Der eruptive Hass, der in den 1990er Jahren mitten in Europa die schrecklichen Kriege auf dem Balkan auslöste, muss uns mahnen. So manche Töne, die wir in den Ländern Europas zurzeit hören, erschrecken mich. So, wie in den vergangenen Jahrhunderten die Zerrissenheit des Kontinents immer wieder Leid und Verderben über die Völker Europas brachte, so brachte uns seine Einheit das Glück der Wiedervereinigung unseres Landes, Frieden und Wohlstand. Dies dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.

Gerade weil wir heute in Frieden und Freiheit leben können, obwohl unser Land im vergangenen Jahrhundert anderen Unfreiheit, Tod und Verderben brachte, ergibt sich für uns eine besondere Verpflichtung für Frieden und Freiheit. Dass es vor allem auch unsere Soldatinnen und Soldaten sind, die für uns alle diese Pflicht erfüllen, dass deren Familien dafür Belastungen hinnehmen, die andere kaum ermessen können, wird zu wenig wahrgenommen. Ich möchte allen Angehörigen der Bundeswehr und ihren Familien dafür danken und ihnen, wie natürlich auch allen anderen Lesern des Kompass, einen gesegneten Advent, ein friedvolles Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2013 wünschen.

Ihr Hellmut Königshaus